Vergleichstest AV-Receiver Denon AVR 3808, Pioneer VSX LX 60 und Sony STR DA 5300

Mit immer verrückteren Features konnten AV-Receiver die HiFi-Fans kaum begeistern. Jetzt aber kommen Multikanaler mit unwiderstehlichem Klangfortschritt.

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Kandidaten: Denon AVR 3808 (1600 Euro), Pioneer VSX LX 60 (1400 Euro), Sony STR DA 5300 (1700 Euro)

Geht es nach den Vorstellungen von Denon, Pioneer oder Sony, sollte nach dem Aufstellen ihrer Kawents-Receiver erst einmal die Einmessautomatik rotieren. Dann wird sich Denons AVR 3808 für 1600 Euro mit einer aus den USA bezogenen Software namens Audyssey MultEQ-XT und unvorstellbarer Rechenpower auf die Set-up-Optimierung von gleich acht Hörpositionen  konzentrieren. Die "Multi Channel Acoustic Calibration" des Pioneer VSX LX 60 für 1400 Euro analysiert mit sagenhafter Präzision die Frequenzgang-Veränderungen im Millisekunden-Zeitbereich. Die Gegenmaßnahmen sollen jegliches Dröhnen unterbinden. Der Multikanaler traut sich auch die Aufgabe zu, Boxen, die unter einem Phasenversatz ihrer Chassis leiden, elektronisch zum Gleichschritt zu zwingen.

Bei der Automatik des STR DA 5300 für 1700 Euro verweist Sony auf den besonders fein justierenden 31-Band-Equalizer. Zum handischen Gebrauch steht er aber nicht zur Verfügung.  Selbstbedienern traut der Sony nicht mehr als den Dreh am simplen Bass/Höhenregler zu.Selbst diesen beließen die Tester aber tunlichst in der Flat-Position. Sie schauten sich statt dessen lieber die bis knapp 100 Kilohertz reichenden, schnurgeraden Verstärker-Frequenzgänge dieser Multikanaler an. Und freuten sich, dass es nun mit Dolby True HD und DTS HD Formate gibt, die diesen Frequenz- und Dynamikbereich von ganz unten bis ganz oben mit akustischem Leben füllen. Zumal sich jetzt Blu-ray-Player mit HDMI-1.3-Ausgängen anbieten, welche die neuen Tonformate nicht nur in PCM umgewandelt, sondern als Original-Stream offerieren, den die mit entsprechenden Eingängen ausgestatteten Receiver nun naturbelassen annehmen und decodieren dürfen. Fünf oder gar sieben Hauptkanäle mit der gigantischen Auflösung von 24 Bit und rasenden Taktraten von bis zu 192 Kilohertz - bei diesen Aussichten muss die weitere Mitgift fast verblassen.

Aber nein, Denon, Pioneer und Sony wollen auch mit schönen Bildern entzücken. Deshalb vermag jeder via HDMI-In und -Out mühelos HD-Video mit 1080 Zeilen, mit Vollbildern (1080p) und im 1:1-Filmformat  durchzureichen. Mit digitaler Präzision spannen die Receiver auch analoge Bildformate auf HDMI hoch, wobei alle drei "de-interlacen". Das heißt, sie stellen unter kunstvoller, bewegungsorientierter Zeilen-Neuverknüpfung aus Halbbildern volle her.

Um Alt-Video aufzupeppen, gestatten alle drei auch noch ein Video-Feintuning in puncto Helligkeit, Kontrast und Farben. Souverän rechnen sie zudem die Zeilenzahl hoch, etwa die 576i vom Standard-TV auf den Monitor-Schokoladenwert - bei Bedarf bis auf 1080p.

Zurück zum Ton, den der Pioneer mit einer und der Denon mit zwei Buchsen auch von USB-Speichern akzeptiert. Der AVR 3808 besitzt zu alledem auch noch eine Ethernet-Schnittstelle, die via LAN-Kabel und Router (preiswert) Zugang zu Festplatten-Musikarchiven, zu Internet-Radio oder zu Highend-Downloads schafft (etwa zu den Linn-Titeln im FLAC-Lossless-Format, 9/07). Vergleichsweise zugeknöpft gibt sich der Sony, weil er die Digitalkommunikation mit der Außenwelt nur über eine Extrawurst-Buchse names  "DMPORT" und über Sony-Zusatzgerätschaften erlaubt.

Großzügigkeit übt Sony wie Denon bei den feingezeichneten, farbigen On-Screen-Displays. Allerdings muss diese "GUI"-Funktion an dem STR DA 5300 extra aktiviert werden. Und zwar über den Druck auf "AMP", auf "Shift" und auf die "Menue"-Taste des Ferngebers - das geht an Fitzligkeit dann doch fast zu weit. Indem er nicht nur vier HDMI-Eingänge, sondern gleich sechs offeriert, vermochte der Sony die Gemüter zu beruhigen. Schließlich stand HDMI 1.3 bei diesem Test ja im Vordergund.

Ganz besonders auch im Labor, denn um herauszukriegen, wie etwa die 1.3-Receiver mit den neuen Formaten umgehen, ließ sich stereoplay eine Mess-Blu-ray brennen.

Mit dem Pioneer BDP LX 70 A als Stream-Lieferant erschien es bald schwarz auf weiß: Jawoll, bei Dolby True HD geben die Multikanaler von Denon, Pioneer und Sony tatsächlich Frequenzen bis 96 Kilohertz aus. Weil diese Marke naturgesetzlich der halben Abtastfrequenz entspricht, folgt, dass ihre Prozessoren und D/A-Wandler pro Sekunde tatsächlich 192 000 Datenworte umsetzen können.

Bei DTS HD blieb es vorläufig jedoch nur bei der Hälfte und der Höhengrenze von 48 Kilohertz - was aber wahrscheinlich nicht an den Decodern, sondern an Unwägbarkeiten beim DTS-Authoring liegt. Da im übrigen Stör- und Verzerrungsabstände der Blu-ray-Tracks generell weit unterhalb der Verstärker-Werte blieben, ergo unmessbar, stand jetzt so oder so ein Hörfest an.

Beziehungsweise erst mal die redaktionelle Ächtung der alten, reduzierten Formate: "Wie konnten wir nur so lange mit ihnen leben. Die Wahrheit hört sich nicht etwa nur einen Tick, sondern um eine Welt besser an!" Das belegte bereits die DTS-HD-Tonspur von "Königreich der Himmel" (Panasonic-Blu-ray) höchst eindrucksvoll - mit allen drei Receivern. Da unterhalten sich beispielsweise zwei Ritter in einer Berglandschaft. Via DTS-Kern zwei leicht flaue Stimmen mit ein paar zugemischten Einzelgeräuschen drumrum. Und DTS HD? Wow, jetzt öffnete sich wahrlich ein akustisch zusammenhängendes Himmelsgewölbe, das eindeutig nicht künstlich erzeugt, sondern von Mikrofonen eingefangen worden war. Nun erst passten die viel besser artikulierten, kernig-männlichen Stimmen zu den rauhen Gestalten auf der Leinwand.

Erstmals zu vernehmen und Lossless hin oder her: Wenn der Player statt der Streams die PCM-Version übergab, verlor der Ton etwas an Glanz und Strahlungskraft. Die Receiver kamen mit der eigenen, kürzer angebundenen Wandlung eindeutig besser zurecht. Es galt aber so oder so, dass HD-Video ohne HD-Ton nicht die Hälfte des Erlebnisses ausmacht.

Während das HD-Bild bei der Musik-Blu-ray "Legends of Jazz" (LRS-Media) schon beinahe nicht mehr nötig war. Auch bei den True-HD-Titeln dieser Platte brachte der Stream-Verbund die noch prächtigeren Ergebnisse als die PCM-Übertragung. Insbesondere via Denon AVR 3808 und Pioneer VSX LX 60, wobei sich die Grundcharaktere der beiden Multikanaler offenbarten. Nicht dass sich der Denon fürchtete, wenn Marcus Millers kräftige Pranke bei "The Panther" in die dicken E-Bass-Saiten hieb. Der Pioneer freute sich aber anscheinend auf die abartigen Pulse. Er liebte es geradezu, sich in dem ihnen folgenden Knurren und Brummen zu aalen; er dröselte mit noch mehr Hingabe die dunklen Klanggeflechte auf.

Der Denon hielt es stattdessen lieber mit Lee Ritenour. Bei der Kunst, die Gitarrenakkorde blühend und sanft-bewegt ausklingen zu lassen, entwickelte er größere Meisterschaft - während der Pioneer nun ein Winziges verhaltener und störrischer wirkte. Unterm Strich herrschte Einigkeit: Die beiden spielen erstens super und zweitens auf gleichem Niveau.

Dies traf auf den STR DA 5300 von Sony leider nicht hundertprozentig zu. Offenbar eher auf Heimkino und Filme abgestimmt, schlug er im Tiefbass noch wuchtiger und explosiver zu als der VSX LX 60 von Pioneer - worunter zwangsläufig das Feingefühl für die zarteren tiefen Schwingungen etwas litt. Seine Schöpfer haben den STR DA 5300 weiterhin - sicherlich des Spielfilm-Langzeitgenusses wegen - zur Vorsicht in den Höhen ermahnt. So brachte der Denon deutlich mehr Licht und Finesse ins Spiel. Ergo ging der Sony bei der neuen, ab sofort mit eigenen Punktzahl bewerteten Blu-ray-Competition unvermeidlicher Weise mit 49 statt 50 Zählern als letzter ins Ziel. Um dann beim Pflicht-Programmpunkt Normal-Dolby-Digital und DTS wieder tapfer aufzuholen. Nun brauchte er sich - mangels Vorhandensein in den Vorlagen - nicht so sehr mit Höhen rumzuschlagen und spielte seine Vorzüge, die robusten Fundamente und die plastisch-großzügige Abbildung, mit deutlich mehr Vorteil aus. Der nach wie vor elegante und spritzige Denon und der besonders sensibel-aufrechte Pioneer vergaben sich wieder nichts, sodass es zum allgemeinen Gleichstand kam. Und der lag, weil sich der Denon-Vorgänger AVR 3806 - nicht gar so elegant, dafür etwas beherzter-ordentlicher als die aktuelle Version - partout nicht geschlagen geben wollte, bei 46 Punkten.

Ihr charmant-musikalisches Wesen verhalf den Denons bei der CD-Wiedergabe zu einem kleinen Vorsprung gegenüber dem trockener klingenden Pioneer - während dem Sony seine cineastisch-wuchtige Ader eher zum Nachteil geriet. Bevor der Denon nun triumphieren will, sei gesagt, dass sein Tunerteil am flauesten klang. Aber das wird angesichts des traumhaften Klangfortschritts, den Dolby True HD und DTS HD und die Decodierkünste der neuen Multikanaler bringen, kaum jemand interessieren.

Fazit

Etwas besserer Stereoklang und die Netzfähigkeiten - unterm Strich hat Denons AVR 3808 den Test gewonnen. Aber nur knapp! Wer die genannten Vorzüge für weniger entscheidend hält, könnte auch auf den super schicken VSX LX 60 von Pioneer kommen, 200 Euro sparen und, wenn er dazu eines der neuen phantastischen Pioneer-Plasmas ins Auge fasst, vom komfortablen Remote-Verbund profitieren. In diesem Fall nimmt der Käufer einen weiteren Vorteil von HDMI 1.3 mit. Dann wird das gegenseitige automatische LipSync mit Abgleichdaten, die über die Digitalleitung ausgetauscht werden, reibungslosfunktionieren. (Johannes Maier)

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