Vergleichstest Kompaktlautsprecher-Systeme von 2250 Euro bis 4100 Euro

Ein sinnvoll kombiniertes Boxensystem beherrscht Stereo und Multichannel gleichermaßen. Unser Test mit Praxis-Workshop hilft bei der Umsetzung.

Kompaktlautsprecher-Systeme von 2250 Euro bis 4100 Euro

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Kompaktlautsprecher-Systeme von 2250 Euro bis 4100 Euro

Kandidaten:

Elac BS 243 / Sub 111.2 ESP (2850 Euro)

Final 90i / MicroVee (4100 Euro)

KEF XQ 10 / PSW 2500 (3600 Euro)

Mordaunt Short Mezzo 1 / Mezzo 9 (2250 Euro)

Mit Stereo und Mehrkanal verhält es sich wie mit der deutschen Einheit: Es ist ein langwieriger Prozess. Dass Willy Brandt den ihm zugeschriebenen Satz "Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört" in Wirklichkeit so nie gesagt hat, ist da fast nebensächlich.

Auch in Sachen Multichannel waren viele Prognosen falsch. In den Köpfen vieler Anwender sind Stereo und Surround bis heute zwei Paar Stiefel. Auf der einen Seite stehen die Puristen, die Mehrkanal  scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Gegenüber die vorwiegend jüngere Heimkinofraktion, die sich ein Leben ohne Bild und Raumklang nicht mehr vorstellen kann. Doch aktuell kommt Bewegung in das Schubladen-Denken.

Klanglich war das Naserümpfen der Stereo-reicht-völlig-Verfechter durchaus berechtigt. Das analoge Dolby Surround der 80er Jahre war keine audiophile Offenbarung, und in der Frühzeit von Dolby Digital waren viele Tonstudios mit den neuen Freiheiten schlicht überfordert. Das war einst beim Übergang von Mono auf Stereo nicht anders.

Auch hardwareseitig hat sich eine Menge getan. Aktuelle Multichannel-Verstärker und DVD-Player klingen stereofon um Welten besser als ihre Vorgänger noch vor wenigen Jahren. Hauptantreiber der Formate-Verschmelzung sind zweifelsohne solche multimedialen Wunderwaffen wie der DSP Z 11 von Yamaha (5500 Euro, Test in Heft 4/2008), der auch bei diesem Workshop zum Einsatz kommt. Nach Aussage des Kollegen Johannes Maier spielt dieser High-Tech-Bolide zweikanalig locker auf dem Niveau der besten audiophilen Stereo-Vollverstärker der 2000-Euro-Klasse.

Noch krasser ist die Situation im Einsteigerbereich: Wer maximal 1000 Euro für Elektronik ausgeben will, kriegt bei einem Multichannel-Receiver deutlich mehr für sein Geld als bei Stereo. Kein Wunder, dass immer mehr Anwender umsteigen und sich dann zwangsläufig auch mit dem Boxenthema beschäftigen.

Um die Varianten zu kennzeichnen, verwenden Mehrkanaler zwei Ziffern mit einem Punkt dazwischen. Die vordere Ziffer symbolisiert die Zahl der ortbaren Schallquellen, die hintere die der Subwoofer. Zwischen den Extremen Stereo (2.0) und Full-Surround (5.1) gibt es Zwischenstufen wie 3.1 oder 4.1, bei denen Teile des Schallfeldes elektronisch simuliert werden.

Für Stereo genügen bekanntlich zwei Boxen mit anständiger Bandbreite und Dynamik. Eine sinnvolle Untergrenze sind Kompaktboxen mit einem Tiefmitteltöner von 13 bis 15 Zentimeter Korbdurchmesser.

Um den Raumklang zu simulieren, versteckt der Receiver die nicht diskret abgestrahlten Kanäle mit Hilfe psychoakustischer Verfahren (Dolby Virtual) im Stereosignal. Das funktioniert beim Center prächtig, bei den Rearspeakern immerhin passabel. Die Dynamik (Speaker-Mode "Large") ist bei kleinen Boxen allerdings begrenzt.

Bei 2.1 kommt ein Subwoofer ins Spiel, der sein Signal per Cinchkabel vom Receiver erhält. Der Woofer wird je nach Kette bei 40 bis 100 Hertz angekoppelt. Speakermode "Small" filtert die Satelliten und senkt den Klirr. Der Gewinn: untenrum drei Oktaven und generell reichlich Dynamik.

Sie möchten bei Filmton eine maximale Verständlichkeit von Dialogen? Wechseln Sie auf 3.1, indem Sie einen (echten) Center hinzuziehen. Mit einem guten Center (keine Notlösungen) steigt der Grad der Entspanntheit, und die Abbildung wird noch genauer. Die Rear-Anteile überlassen Sie wie gehabt dem Virtual-Modus.

Falls Sie eine konkrete Darstellung der Raumtiefe erstreben (gut für fünfkanalige Musik-DVDs), so wäre 4.1 eine Option. Zwei (echte) Rearspeaker bringen einen deutlichen Gewinn an Plastizität und Glaubwürdigkeit. Falls Sie die Dinge kompromisslos angehen, wechseln Sie einfach zu vollwertigem 5.1, wobei Perfektionisten sogar sechs oder sieben Kanäle nutzen.

Generell gilt: Je mehr Schallquellen Sie einsetzen, desto weniger wird die einzelne gefordert. Fette Standboxen sind bei Multichannel nur bei extremen Ansprüchen sinnvoll. Meist ist es klüger, platzsparender und billiger, den Bass an Subwoofer zu delegieren. Mehrere kleine sind besser als ein großer, weil sie den Raum gleichmäßiger anregen. Während eine grenzflächennahe Boxenaufstellung bei großen, ungefilterten Stereo-Boxen oft zu einem dicklichen Klang führt, darf der Surrounder seine Schallspender ruhig raumökonomisch an die Wand hängen. Kleine Boxen neigen seltener zu Bassüberhöhungen, und wenn doch, werden Sie via Speaker-Menü (Wooferpegel absenken, Trennfrequenz variieren) elegant kompensiert. stereoplay hat alle Varianten mit vier interessanten Boxensets durchgespielt. Die Ergebnisse lesen Sie auf den folgenden Seiten.

Fazit

High-Ender müssen über die wachsende Verbreitung der AV-Receiver nicht traurig sein, denn deren enormer Funktionsumfang ist oft auch bei Stereo ein Gewinn. Allein das bei Zweikanal-Geräten leider völlig unübliche Lautsprechermenü ist ein wahrer Segen, gestattet es doch eine klanglich vorteilhaftere Integration von Subwoofern und eine leichte Anpassung an unterschiedliche Räume.

Während Stereofreunde sich mangels Einstellmöglichkeit meist schon beim Boxenkauf auf frei oder wandnah festlegen müssen, bleibt der Surrounder durch Variation von Basspegel und Ankopplung flexibel. Eines kann nicht oft genug wiederholt werden: Boxen dürfen bei Mehrkanal sehr viel kleiner ausfallen. Das Schreckgespenst vollgestopfter Räume und höherer Kosten gegenüber Stereo wird dadurch stark relativiert, der Spaßfaktor keineswegs gemindert. In diesem Sinne: Geben Sie Multichannel die Chance, die es verdient.

Das neue stereoplay-Klangprofil für Lautsprechersysteme:

Kompaktlautsprecher-Systeme Klangprofil

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