Vergleichstest Lautsprecher B&W 804 S, Audio Physic Scorpio, Audiodata Jolie, Focal Profile 928, Ascendo C 7, Sonics Aguilla

Standboxen prominenter Hersteller bieten immer raffiniertere Chassis und Filternetzwerke. Wo am Ende die meiste Musik rauskommt, klärt unser Test von sechs Modellen um 4000 Euro.

Vergleichstest Lautsprecher B&W 804 S, Audio Physic Scorpio, Audiodata Jolie, Focal Profile 928, Ascendo C 7, Sonics Aguilla

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Vergleichstest Lautsprecher B&W 804 S, Audio Physic Scorpio, Audiodata Jolie, Focal Profile 928, Ascendo C 7, Sonics Aguilla

Wer die High End 2006 in München besucht hat, bekam einen guten Eindruck von dem vielfältigen Angebot an hochwertigen Schallwandlern, wobei es auffallend viele neue und spannende Lösungen zu bestaunen gab. Doch der private Genießer sucht nicht 30, 40 oder 70 Typen, sondern sein persönliches Traumpaar. stereoplay hat deshalb schon auf der Messe eine Vorauswahl getroffen und nur die interessantesten Modelle um 4000 Euro zum Test beordert.

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Mit B&W und Focal sind zwei große, international agierende Marken vertreten, deren Modelle 804 S und Profile 928 die klassische Bauform der Dreiwegebox mit Doppelbass und Zeilenanordnung vertreten. Die anderen vier Hersteller sind kleine, feine Nischenanbieter. Das schwäbische Label Ascendo schickt mit der C 7 einen aufwendig konzipierten Punktstrahler ins Rennen, die rheinländische Marke Audiodata wagt bei der Jolie gar ein Breitbandchassis.

Zwei sehr unterschiedliche Modelle kommen aus dem Sauerland: Audio Physic setzt bei der Scorpio auf zwei Mitteltöner in Kombination mit vier seitlichen Basstreibern, Nachbar Sonics belässt es bei seiner Aguilla bei einem Zweiwegesystem mit symmetrischer Chassisanordnung und feinsinniger Beschaltung.

Der grosse Hörvergleich

Zunächst spielten alle Modelle einzeln an der nebenstehenden Referenzkette. Im zweiten Teil ging es in unzähligen Paarvergleichen ans Eingemachte. Als Vergleichsboxen dienten folgende testbewährte Modelle aus Rang & Namen: Isophon Corvara (stereoplay 4/2005, 3000 Euro, 55 Punkte), Magnat Quantum 908 (1/2005, 3500 Euro, 56 Punkte) und KEF Reference 203 (4/2002, 5000 Euro, 57 Punkte).

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Die Spitzengeräte Linn Sondek CD 12, Lyra Conoisseur und Thorens TEM 3200 (von unten nach oben) waren die Garanten für optimale Testbedingungen.

Audio Physic und Focal besaßen wenig Chancen auf einen der vorderen Plätze. Bei der Profile 928 lag es vorwiegend am tonalen Charakter. Die Französin wirkte sehr konturiert und präzise, ihr fehlte es jedoch  an musikalischer Wärme. Männerstimmen wie auf dem Album "Ghost Repeater" von Jeffrey Foucault (in-akustik, Besprechung in stereoplay 7/2006) wirkten bei ihr leicht unterkühlt, das konnte die Isophon Corvara besser. Während die Profile 928 Einzelinstrumente relativ weit nach hinten rückte und dadurch nicht sonderlich engagiert  wirkte, klang die vor Spielfreude fast berstende Sonics deutlich wärmer und aufmerksamer - gegensätzlicher können Boxen kaum klingen.

Die Audio Physic wirkte deutlich wacher als die Focal, jedoch tendierte sie, wenn es etwas lauter wurde, ein wenig zum Komprimieren. Und ihr Grundtonbereich spielte sich bisweilen etwas zu körperhaft  in den Vordergrund, eine leichte Behäbigkeit war die Folge. Der tonal ähnlich fülligen und warmen Audiodata war dieser Effekt fremd, wobei die Audio Physic bei höheren Pegeln etwas besser aussah.

Das perkussiv ausgerichtete, wunderbar variantenreiche Album "The Complex" der Blue Man Group (Lava Records) ließ das dynamische Talent der Focal aufblitzen, doch auch hier trat bisweilen ihr kantiger Charakter zu Tage.

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B&W 804 S (ganz links), Audiodata Jolie (dritte von links) uns Sonics Aguilla (ganz rechts) sind die Favoriten der Redaktion.

Die Ascendo mimte den Gentleman und spielte fast schon ein wenig zu zart und geschmeidig, wobei sie in sich wunderbar geschlossen wirkte. Wie keine andere Box im Feld brachte sie Details im Tiefbass zum Vorschein, auch ihre räumliche Abbildung war prachtvoll dreidimensional und lebensecht. Die KEF Reference 203, wie die Ascendo mit einem Punktstrahler ausgestattet, konnte die 700 Euro günstigere C 7 lediglich mit mehr Schnelligkeit und helleren Klangfarben auf Distanz halten.

Von der Aguilla musste sich die KEF dagegen eine Lektion in Sachen Offenheit und innere Dynamik anhören, so freudvoll und griffig ging keine andere Box im Feld zur Sache. Dass auch Wunder Grenzen haben, sah beziehungsweise hörte man dann im Bassbereich: Hier hatte die ungleich größere KEF weit mehr Fleisch auf den Rippen, auch konnte sie deftige Pegel lockerer wegstecken.

Die B&W reichte im Stimmbereich nicht an die Leuchtkraft der Sonics heran, dennoch war sie ihr in vielen Bereichen überlegen. Die hochtonreiche Blue Man Group kam über die B&W gelassener und im Endeffekt angenehmer, die Sonics wirkte obenherum bisweilen fast schon zu energisch; auch besaß die B&W ähnlich wie die KEF vom Grundtonbereich an abwärts die größere Autorität.

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Bei allem Feinsinn gelang der B&W eine wunderbar transparente und doch stressfreie Darstellung - in dieser Kombination keineswegs  selbstverständlich. Ähnlich basspotent wie die Magnat Quantum 908, öffnete die B&W aber den Raum noch weiter in die Tiefe und gab der Band von Jeffrey Foucault das entscheidende Quäntchen mehr an innerem Zusammenhalt - diese Homogenität war absolut bewundernswert.

Doch was war mit der Audiodata? Die anfänglich so unauffällige Box klang bei genauerem Hinhören traumhaft fein und homogen. Während man bei Audio Physic oder Focal das Gefühl hatte, einzelne Zweige herauszuhören, klang die Jolie wie aus einem Guss: Das war wie Mutters Sonntagsbraten gegen das Filet vom Sternekoch: zart und doch aromatisch, dieses Bild passt perfekt zur Jolie.

Weder Sonics noch B&W konnten diesbezüglich mithalten, auch KEF und Ascendo wirkten im direkten Vergleich weniger stimmig. Zweifel, ob hinter der Geschmeidigkeit ein Mangel an Brillanz steckt, fegte die Blue Man Group bravourös hinweg. Ganzheitlich, unaufgeregt und putzmunter - so klingen Testsieger heute.

Wolfram Eifert

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Fazit

Alle sechs Testlautsprecher haben sich mächtig ins Zeug gelegt, und so gibt es keinen Verlierer im herkömmlichen Sinne. Okay, die Focal wäre mir persönlich zu kantig, doch wer diesen sachlichen Charakter mag, soll sich von mir nicht den Spaß verderben lassen.

Bei der Audio Physic bekommt der Käufer extrem viel Box fürs Geld und kann mit kleinen Verstärkern sehr viel bewegen. Die Ascendo ist das Gegenstück dazu: wattgierig, feinsinnig, bass-prall und wunderbar räumlich, mir nur ein wenig zu sanft. Die Sonics würde ich als Stimmungsaufheller einsetzen, gegen ihre Lebendigkeit verblasst der beste Espresso.

Für die berühmte einsame Insel fiele die Wahl auf die B&W, weil sie alle Musikstile beherrscht und perfekt austariert ist. Meinem besten Freund würde ich die Audio-data besorgen: Die macht von allen die meiste Musik und bleibt dabei total locker.

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