Vergleichstest Röhren-Endverstärker Quad II, Quad II Forty, Quad II Eighty

Quad hat eine 55 Jahre alte Verstärker-Legende neu aufgelegt - in gleich drei Größen- und Leistungsklassen.

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Unglaublich: Die Quad II, die es heute baugleich zu kaufen gibt, stammen aus einer Zeit, in der "Stereo" zunächst mal ein griechisches Fremdwort war. 1970 war die Quad-II-Ära vorläufig zu Ende. Transistorisierte Modelle wie die 303 (1967) und die 405 (1975), beide längst selbst Klassiker, hatten die II mit mehr Leistung und dem Hightech-Bonus der neuen Halbleiter aus dem Programm gedrängt. Erst danach festigte sich über die Jahrzehnte der Kultstatus der schlichten Leistungsquader - eine Entwicklung, die parallel lief mit der highfidelen Heiligsprechung des Elektrostaten ESL-57, mit dem die Quad II eine legendär harmonische Klangsymbiose einging.

Erste Renaissance

Der Gerätefundus von etwa 90000 Zweiern wurde gehütet, gehegt und gepflegt, gelegentlich auch bis zur Unkenntlichkeit getunt. Ihre erste echte Wiedergeburt erfuhr die Quad II im Jahr 2000, als Entwickler Andy Grove den Auftrag bekam, eine Quad II zu bauen, die genug Leistung für die neuen, größeren Elektrostaten der Marke bot. Heraus kam die II Forty - eine dezent vergrößerte II, die sonst respektvoll dem Ur-Entwurf folgt.

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Eine Quad II aus den ersten Produktionsjahren.

Statt der ursprünglichen Leistungs-Tetroden KT66 spezifizierte Grove ein Pärchen stärkerer KT88, behielt aber Peter Walkers unorthodoxes Konzept bei, eine Wicklung des Übertragers als lokale Gegenkopplung mit den Kathoden der Endröhren zu verbinden. Auch die davor sitzende Phasenumkehrstufe aus zwei Pentoden und die Stromversorgung mit Röhrengleichrichter und Siebdrossel ist klassischer Quad-Stil. Als Tribut an moderne Zeiten weist die II Forty zusätzlich zum 8-Ohm-Abgriff eine auf 4-Ohm-Boxen optimierte Trafozapfung aus. Die Ur-II hatte nur ein Klemmenpaar, und da musste zwingend Hochohmiges ran.

Zweite Renaissance

Nicht, dass dies Horn- und Breitbänder-Fans sowie Anhänger des alten Quad-Elektrostaten je wirklich gestört hätte. Das Objekt ihrer Begierde blieb die kleine II, die 2005 endlich wieder in Produktion ging - originalgetreu bis auf wenige Details. Einige Kondensatoren mussten moderneren Bauformen weichen, aus den rustikalen Klemmschrauben sind solide, vergoldete Terminals geworden, und das grünlich-goldene Metallic-Finish ist auch nicht original, dafür aber betörend schön. Überhaupt liefert das Kleinstadt-formatige Werk im chinesischen Shenzhen, wo das gesamte Produkt-Portfolio der Quad-Mutter IAG entsteht (unter anderen auch Mission, Vox, Audiolab, Wharfedale), eine erstklassige Verarbeitung und enorme Fertigungstiefe mit den Monos. Am liebsten würden sich die Chinesen wohl noch ihr eigenes Eisenblech walzen - was sie dann, wenn auch nur knapp, doch nicht tun. Bloß eigene Röhren kann die "International Audio Group" bisher nicht herstellen und kauft sie - nach wenig zufriedenstellenden Versuchen mit chinesischen Herstellern - in Europa zu: Die Quad-gelabelten Endröhren stammen vom slowakischen Spezialisten JJ, stromaufwärts glimmt leckere New-Old-Stock-Ware aus aufgelösten Militärbeständen.

Dritte Renaissance

Besonders gesalzen dürfte die Röhrenrechnung bei der jüngsten und üppigsten Schwester der zierlichen Ur-Quad sein: Für die brandneue II Eighty engagierte IAG den Glühkolben-Guru Tim de Paravicini, der das Leistungs-Deck konsequent doppelt besetzte. Zwei Paar KT88 pro Seite, unterstützt von mächtigen Netzteilen und Ausgangsübertragern, garantieren genügend Leistung für nahezu jeden modernen Lautsprecher. Auch Paravicini verneigt sich vor Altmeister Walker (etwa beim Aufbau des Übertragers), während andere Merkmale des Klassikers - die Röhrengleichrichtung - dem drastisch höheren Strombedarf des KT88-Quartetts zum Opfer fallen.

Welche der drei Quads ist nun aber die Beste? Lesen Sie dazu die einzelnen Testberichte.

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