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Videostreaming-Anbieter im Test

Welche Streaming-Anbieter bieten die beste Bildqualität sowie ruckel- und unterbrechungsfreien Videogenuss? Dieser Frage gehen wir 2016 erstmals gezielt nach.

Videostreaming-Dienste stellen die Internet-Provider vor große Herausforderungen: Sie müssen nicht nur die Dienstequalität in ihrem eigenen Netz sicherstellen, sondern auch eine hochwertige Zuführung der Videoinhalte über sogenannte Peerings (Anbindung an fremde Netze) und "Content Delivery Networks" (Ausspielplattformen) wie Akamai, Amazon AWS, Level 3 oder Limelight sicherstellen. Die von zafaco und connect verwendete Video-Qualitätsanalyse nach dem Verfahren PEVQ-S (Perceptual Evaluation of Streaming Video Quality) inklusive der Messung von Pufferzeiten decken Schwächen gnadenlos auf.

Klare Unterschiede in Reaktion und Qualität

So zeigt das Verfahren zum Beispiel deutlich, dass insbesondere Youtube in den Abendstunden so viele Abrufe verkraften muss, dass die Antwortzeiten deutlich ansteigen. Zudem brauchen sowohl Youtube mit über zwei Sekunden als auch Netflix mit rund drei Sekunden recht lang, bis das "Initial Buffering" ein angefordertes Video wirklich starten lässt. Noch problematischer ist das sogenannte "Rebuffering" während der laufenden Wiedergabe, das die Tester insbesondere bei Videoload und Vimeo beobachtet haben. Bei der Messung der eigentlichen Bildqualität (PEVQ-S-MOS-Wert) fallen Facebook und Netflix hinter das restliche Testfeld zurück. Erhöhte Fehlerraten beobachteten wir zudem bei Netflix und Youtube sowie in den Abendstunden bei Amazon und Vimeo.

Amazon Prime

Seine Hochleistungs-Cloud- und Dateninfrastruktur nutzt der Online- händler für viele Extradienste - darunter auch "Amazon Prime Video".

Sein ursprünglich als Versand-Flatrate eingeführtes Angebot "Amazon Prime" hat der Onlinehändler in den letzten Jahren mit immer mehr Zusatzdiensten erweitert. So gibt es für den Jahrespreis von 49 Euro auch die Onlinevideothek "Prime Video", den Musikstreaming-Dienst "Prime Music" sowie weitere Exklusivangebote. In "Prime Video" ist ein großes Sortiment an Filmen und Serienfolgen gratis enthalten, weitere Serien und Kinofilme stehen zum Kaufen oder Leihen bereit. Die Inhalte lassen sich am Rechner, auf Tablets und Smartphones, auf vielen Set-Top-Boxen à la Apple TV oder Amazon Fire TV sowie auf Smart-TVs abrufen. Zum Ausspielen der Videos nutzt Amazon vor allem seine starke Cloud-Infrastruktur inklusive des Content Delivery Networks "Amazon Web Services" (AWS).

Amazon Prime

© Screenshot WEKA / connect

Großes Gratisangebot: Viele TV-Serien und Spielfilme sind „Enthalten in Prime“ und somit für Abonnenten kostenlos.

Top-Leistung dank eigenem Datennetz

Dass dieses Amazon-eigene Server- und Datennetz hohe Kapazität und Verfügbarkeit bietet, beweisen auch die Ergebnisse unseres Web-TV-Tests. Antwort- und Pufferzeiten bleiben angenehm kurz, das störende "Rebuffering" war im Test praktisch nicht festzustellen. Die gemessene Bildqua- lität ist sehr gut, die Fehlerraten bleiben insgesamt gering. Nur in den Abendstunden, wenn sehr viele Kunden die Angebote nutzen, nehmen sie leicht zu. Darüber hinaus zeigt sich bei einigen Providern wie etwa M-Net, Net Cologne oder in geringerem Maße auch 1&1, Telefónica und Telekom, dass abends die Antwortzeiten ansteigen.

Facebook

Videos spielen im Angebot des Social-Media-Giganten eine zunehmend wichtige Rolle. Dafür betreibt Facebook ein eigenes Content Delivery Network.

In den "Timelines" der Nutzer des beliebten Social-Media-Dienstes tauchen immer häufiger Videos auf. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sieht in ihnen einen wichtigen Zukunftstrend für die Kommunikation seiner User - sowie nicht zuletzt der Unternehmens- und Werbekunden, von denen Facebook tatsächlich lebt. Um die Nutzung der Videos zu fördern, laufen sie bei ausreichend hoher verfügbarer Internet-Bandbreite sowohl im Web-Browser als auch mobil innerhalb der Facebook-App automatisch los, sobald sie angezeigt werden - freundlicherweise aber immerhin ohne Ton. Hinzu kommen ständig neue Angebote wie von den Kunden selbst eingespielte Live- oder 360-Grad-Videos. Fürs Ausspielen betreibt der Social-Media-Gigant ein eigenes Content Delivery Network mit weltweit verteilten Caching-Servern.

Facebook Video

© Screenshot WEKA / connect

Bewegung im Social-Media-Stream: Facebook zeigt zunehmend Videos – von Firmen wie auch anderen Usern.

Ausgerichtet auf Social-Media-Nutzer

Wenn man die beschriebene Zielsetzung bedenkt, überraschen die Ergebnisse unserer Messungen nicht: Facebook erzielt mit durchschnittlich 0,2 Sekunden die kürzeste "Initial Buffering Time" im Testfeld - wichtig für den Schnellstart der Timeline-Videos. Auch ein "Rebuffering" findet de facto nicht statt. Der MOS-Wert für die Bildqualität ist dagegen mit 2,52 der schlechteste im Test - höchste Videoqualität hat für den Bewegtbild-Einsatz bei Facebook keine hohe Priorität, wohl aber eine konstante Güte. Die reaktionsschnelle und robuste Wiedergabe bringt Facebook (gemeinsam mit Videoload) einen sehr guten zweiten Platz in der VoD-Wertung.

Videoload

"Videoload" startete 2003 als Video-on-Demand-Angebot des Telekom-Dienstes "T-Online Vision". Seit 2007 läuft der Service unter dem Markennamen "Videoload". Auch nach dem Verkauf von T-Online wird es nach wie vor von der Telekom selbst betrieben. Der Dienst kommt ohne Abogebühr aus - die angebotenen Inhalte stehen wahlweise zur Miete für 48 Stunden oder zum Kauf zur Verfügung. Erworbene Inhalte können per Streaming betrachtet oder auf den eigenen Rechner heruntergeladen werden. Das Angebot läuft über das Ausspielnetz der Deutschen Telekom.

Videoload

© Screenshot WEKA / connect

Mit Facebook teilt sich der Video-on-Demand-Dienst der Telekom einen sehr guten zweiten Platz.

Top-Bildqualität, aber häufiges Rebuffering

Mit einem MOS-Wert von 4,53 erzielt Videoload die höchste Bildqualität im Test. Die bleibt während der Wiedergabe auch weitgehend konstant und wird nur selten durch Fehler getrübt. Ein noch besseres Ergebnis verhindert jedoch das mit 11,56 Prozent auffällig häufige "Rebuffering". Besonders gut klappte der Videoload-Empfang über die Netze von Telekom, 1&1 und Unitymedia, kleinere Einbußen gab es hingegen im EWE-Netz.

Vimeo

Das seit 2004 aktive US-Unternehmen versteht seine Plattform als Alternative zum Marktführer Youtube. Der Name besteht aus den umgestellten Buchstaben des englischen Worts "Movie". Wie beim größeren Mitbewerber können die Nutzer ihre eigenen Videos gratis hochladen und verbreiten. Zudem bietet Vimeo kommerziellen Nutzern auch die Möglichkeit, Videos für kostenpflichtige Abrufe ("Pay per View") einzustellen. Neben der Nutzung via Browser oder App auf Rechner, Tablet oder Smartphone sind Vimeo-Clients auch auf Set-Top-Boxen und Smart-TVs verfügbar.

Vimeo

© Screenshot WEKA / connect

Der Youtube-Konkurrent glänzt im Vergleichstest mit guter Bildqualität und Gesamtperformance

Bessere Bildqualität als Youtube, aber viel Rebuffering

Die gemessene durchschnittliche Bildqualität liegt mit einem MOS-Wert von 4,11 etwas hinter Videoload, aber noch vor Youtube. Sie blieb im Testzeitraum auch recht konstant. Den guten Eindruck trüben allerdings die schwankende und erhöhte "Rebuffering Time" sowie erhöhte Fehlerraten in den Abendstunden. Insgesamt zeigten im Test fast alle Internet-Provider eine sehr gute Anbindung an Vimeo - mit leichten Einschränkungen bei EWE.

Youtube

Pro Minute laden die Youtube-Nutzer rund 100 Stunden Videomaterial auf die 2005 gegründete und seit 2006 zu Google gehörende Videoplattform hoch. Laut Anbieter werden täglich weit über zwei Milliarden Videos abgerufen, über zehn Prozent des weltweiten Internet-Datenverkehrs sollen allein auf diesen Anbieter entfallen. Die hohe Popularität des Dienstes bewirkt, dass sowohl Youtube beziehungsweise Google als auch die Internet-Provider großen Aufwand in die Anbindung der Ausspielplattformen dieses Dienstes an ihre Netze stecken.

Youtube

© Screenshot WEKA / connect

Der Marktführer für Video-Streaming liefert insgesamt ordentliche Leistung, leidet aber unter seiner Popularität.

Lange Pufferzeiten, aber ordentliche Bildqualität

Dabei stellen die hohen Abrufzahlen alle beteiligten Parteien vor erhebliche Herausforderungen. Recht lange Reaktionszeiten und lange "Initial Buffering"-Zeiten vor dem Start der Wiedergabe bilden dies in unseren Messwerten ab - wobei Youtube offensichtlich die Strategie verfolgt, den Wiedergabepuffer stark aufzufüllen, um späteres "Rebuffering" zu vermeiden. Dies klappt in der Praxis gut, und auch Bildqualität und Fehlerraten liegen im durchaus akzeptablen Bereich.

Netflix

Seit 2007 ist Netflix in den USA als Video-on-Demand-Anbieter aktiv, seit 2014 gibt es sein Angebot auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Netflix ist schon fast ein Synonym für die "neue Art fernzusehen": Für die je nach Anzahl unterstützter Geräte und maximaler Auflösung zwischen 7,99 und 11,99 Euro liegende Monatsgebühr gibt es ein Riesensortiment an TV-Serien und Spielfilmen. Dabei glänzt der Anbieter nicht zuletzt mit hochwertigen Eigenproduktionen.

Netflix

© Netflix

Netflix gilt klassischen TV-Sendern als Schreckgespenst. Doch derzeit schwanken die erfassten Messwerte stark.

Anscheinend umfangreicher Umbau der Technikplattform

Netflix nutzt die Amazon-Infrastruktur und kooperiert mit verschiedenen Content Delivery Networks. Dabei scheinen derzeit größere Umbaumaßnahmen zu laufen, wie stark schwankende Pufferzeiten, MOS-Werte für die Bildqualität und Fehlerraten in den Messwerten der letzten Wochen zeigen. Auf die Ende Mai erfolgte Umstellung des Netflix-Videoplayers (siehe auch Seite 95) hatten wir beim Auswertungszeitraum Rücksicht genommen - doch die derzeit schlechten Qua- litätswerte verhindern in diesem Test eine bessere Platzierung.

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