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Jazz-Pianist Esbjörn Svensson gestorben

Der Schwede verkörperte mit seinem kraftvollen, unorthodoxen Spiel das Selbstbewusstsein einer neuen Generation  des europäischen Jazz.

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© Archiv

Ein herber Verlust für die Jazzwelt: Am Samstag, den 14. Juni 2008, ist der schwedische Klavier-Virtuose Esbjörn Svensson, Kopf des weltweit erfolgreichen und wegweisenden Piano-Trios e.s.t., bei einem Tauchausflug in den Schärengärten Stockholms ums Leben gekommen.

Svensson wurde nur 44 Jahre alt. Geboren am 16. April 1964 in Västeras als Sohn eines Duke-Ellington-Fans und einer Klassisk-Pianistin, lernte er alsbald selbst das Ebenholz und Elfenbein lieben. Am Gymnasium nahm er drei Jahre lang Klavierunterricht, während er parallel in Pop-Bands spielte. Anschließend studierte er an der musikalischen Fakultät der Universität Stockholm - und erwarb so die nötigen Grundlagen, um die kompositorischen und gestalterischen Ideen, die nur so aus ihm heraussprudelten, adäquat umsetzen zu können. 

Nachdem Svensson 1993 mit Bassist Dan Berglund und Schlagzeuger Magnus Öström das Trio e.s.t. gegründet hatte, wurde er schnell eine nationale Berühmtheit. Denn welche Überraschung: Die Formation fand sich binnen kurzer Zeit in den schwedischen Pop-Charts wieder. Svenssons klare, tiefgründige, extrem einprägsame Melodien, sein flexibles, flüssiges Spiel auf den Tasten, dazu die effektvollen Rhythmus-Akzente seiner Begleiter und der clevere Einsatz elektronischer Hilfsmittel ebneten den Weg zu einem breiteren Publikum.

Die Begeisterung über den frischen Wind, den e.s.t. in die verrauchten und verstaubten Jazzkaschemmen bliesen, sprang auf Europa über, als das großartige Album "From Gagarin's Point Of View" 1999 außerhalb Schwedens veröffentlicht wurde. Auch in Deutschland spielten die drei Nordländer, die das Beste aus Jazz und Pop unbekümmert mixten, bald in Sälen mit über tausend Zuhörern. Und während sie ihr Publikum dort elektrisierten mit einem Wechselbad aus Lichtgewittern und konzentrierten Improvisationen, mit Klangepen, die sich oftmals aus einer kleinen, sachten Klavierminiatur in kollektive Ekstase steigerten, fanden sie noch die Zeit, brillante Alben in schneller Folge aufzunehmen: "Good Morning Susie Soho" (2000), "Strange Place For Snow" (2002), "Seven Days Of Falling" (2003), "Viaticum" (2005), "Tuesday Wonderland" (Jazz-CD des Monats in AUDIO 10/06) und zuletzt das mitreißende "Live in Hamburg" (AUDIO 12/07).

In ganz Europa wurden e.s.t. mit Kulturpreisen überhäuft oder in Fachmagazinen zur Band des Jahres gekürt. Denn nicht nur das Publikum, auch die Kritiker liebten das Trio um den sportlich durchtrainierten Typen, der bei aller Bescheidenheit und freundlichen Zurückhaltung, mit der er auftrat, eine große Intensität ausstrahlte.

Die Arbeiten am neuen, zwölften Album "Leucocyte" konnte Esbjörn Svensson noch fertigstellen. Es wurde zunächst verschoben und soll nun im September dieses Jahres erscheinen.

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