Die HiFi-Welt von AUDIO und stereoplay

Polyphonic macht Musiker zu Unternehmern

Mit zwei weiteren Kollegen aus der Musikbranche hat Brian Message (Manager der Alternative-Rock-Band Radiohead) ein Label namens Polyphonic mit Hauptsitz in London gegründet, das noch unbekannten aufstrebenden Künstlern helfen soll, ihre Songs eigenständig über das Internet zu vertreiben.

image.jpg

© Archiv

Geht es nach dem Manager der Alternative-Rock-Band Radiohead, Brian Message, sollen Musiker künftig zu eigenverantwortlichen Unternehmern werden. Mit zwei weiteren Kollegen aus der Musikbranche hat Message ein Label namens Polyphonic mit Hauptsitz in London gegründet, das noch unbekannten aufstrebenden Künstlern helfen soll, ihre Songs eigenständig über das Internet zu vertreiben. Mehrere hunderttausend Dollar möchte Polyphonic in vielversprechende Acts ohne Plattenvertrag investieren und sie an das Publikum im Internet heranführen. Das Label forciert damit weiter den Trend in der Musikbranche, wonach Bands beim Vertrieb ihrer Songs vermehrt ihre eigenen Wege gehen und darauf verzichten, einen Plattenvertrag im klassischen Sinne zu unterzeichnen. "Die Künstler sind mittlerweile an einem Punkt angelangt, wo die Rückkehr zum alten Modell keinen Sinn mehr ergibt", so Message. "Es gibt einen Hunger danach, die Dinge anders zu machen." Zuletzt sorgte Radiohead für Aufsehen in der Branche, weil sie ihr letztes Album "In Rainbows" 2007 bereits zwei Monate vor der offiziellen Veröffentlichung zum Download im Internet anboten. "Junge Künstler nützen die Plattform Internet nicht vorwiegend, um Geld zu verdienen, sondern um an Popularität zu gewinnen. Die Einnahmequellen wandern in einen anderen Bereich, zum Beispiel zu Tourneen", sagt Eva Maria Stöckler, Studiengangsleiterin Musikmanagement am Zentrum für zeitgenössische Musik der Donau-Universität Krems (www.donau-uni.ac.at/de/studium/musikmanagement/index.php) im Gespräch mit Pressetext. Nach den Vorstellungen von Message und seinen beiden Partnern Adam Driscoll und Terry McBride sollen die unterstützten Bands zunächst eine Startfinanzierung erhalten, die es ihnen ermöglicht, ihre eigene Musik aufzunehmen. Für Öffentlichkeitsarbeit, Tourneen und Merchandising sollen unabhängige Dienstleister engagiert werden. Nach dem Modell von Polyphonic werden die Musiker dadurch zu eigenverantwortlichen Unternehmern, die möglichst viele Entscheidungen bezüglich der Vermarktung ihrer Musik selbst treffen sollen - und auch mehr finanzielle Risiken in Kauf nehmen müssen. Bei klassischen Plattenverträgen war es für Musikgruppen bislang üblich, zunächst einen Vorschuss vom Label zu erhalten und danach von den Tantiemen eines Album- oder Single-Hits zu profitieren. Bei Polyphonic hingegen sollen sämtliche Einkünfte aus Musik, Tourneen und Merchandising ausschließlich unter den Mitgliedern der Band aufgeteilt werden. Zudem sollen die Musiker alle Rechte an ihrem Werk behalten. Eva-Maria Stöckler beobachtet den Trend zu mehr Eigenständigkeit der Musiker auch von der kritischen Seite: "Einerseits kann es für Bands Vorteile haben, sich selbst zu managen. Die Künstler werden sich aber die Frage stellen, ob sie denn überhaupt Unternehmer sein und alles selbst machen wollen". Das Polyphonic-Modell sei sehr arbeitsintensiv und könnte negative Auswirkungen auf das künstlerische Schaffen haben, so die Musikwirtschaft-Expertin. Den Durchbruch als Künstler zu schaffen ist generell kein leichtes Unterfangen und erfordert großen Aufwand - oder wie es die Frontfrau der Band Zweitfrau, Diana Lueger, in einem Interview im Rahmen der Master-These von Christian Mayr am Zentrum für zeitgenössische Musik formuliert: "Kontakten, kontakten, kontakten, auf Veranstaltungen gehen - arbeiten! Ich hab jeden Tag seit Jahren einen mindestens Zwölf-Stunden-Tag. Ich hab dreieinhalb Jahre keinen Urlaub gemacht. Das ist ein sehr selbstausbeuterisches Ding, das Ganze."

Mehr zum Thema

Google Play Store Logo
Google Mobile Service

Google erhebt ab Februar 2019 pro Android-Smartphone bis zu 40 US-Dollar an Lizenzgebühren. Diese zahlen Hersteller für die "Google Mobile…
congstar Basic Tarif
Smartphone-Tarife

Der Basic-Tarif von Congstar ist ab sofort zum Preis von 5 Euro buchbar. Dem Kunden stehen monatlich 500 Megabyte Datenvolumen zur Verfügung.
WhatsApp App iPhone
Messenger-App

Noch mehr neue iPhone-Features für WhatsApp geplant: Aktuellen Berichten zufolge stehen Fingerabdruck-Scan und andere Funktionen bevor.
Pixel 3 und Pixel 3 XL im ersten Test - Vorderansicht
Android-Smartphone

Nutzer berichten über Pixel-Smartphones, die mit Speicherproblemen kämpfen. Die Google-Geräte haben demnach Schwierigkeiten, Fotos zu speichern.
OnePlus 6T bei Otto
Kurz vor Release

Der Versandhändler Otto hatte das OnePlus 6T für kurze Zeit auf seiner Seite gelistet. Welche Details zu Preis und Ausstattung verrät der Leak?
Alle Testberichte
Aquaris X2 Pro BQ combo
Smartphone
80,8%
Das Aquaris X2 Pro von BQ ist ein Smartphone mit guter Leistung zum anständigen Preis. Bei der Strahlung zeigt der Test…
Anker Soundcore NC A3021
Over-Ear-Kopfhörer mit Noise Cancelling
Der Over-Ear-Kopfhörer von Anker Soundcore Space NC, gibt Musik 20 Stunden lang über Bluetooth wieder. Der Praxistest fühlt dem A3021 auf den Zahn.
Samsung Galaxy A3 rosa
Testberichte
Alle Tests von Smartphones, Handys, Tablets, Navis, Notebooks und Ultrabooks, DECT-Telefonen und DSL-Routern in der Übersicht.