Was taugen die Fitnessuhren der Google-Tochter?

Fitbit Sense 2 und Versa 4 im Test: Motivation am Handgelenk

10.11.2022 von Monika Klein

Bei den aktuellen Smartwatches von Fitbit zeigt sich die Handschrift des neuen Eigners Google: Was ändert sich? Und was leistet die Hardware?

ca. 6:10 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
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Die Fitbit-Smartwaches Versa 4 und Sense 2 (im Bild) ermitteln mit Premium-Zugang die Tagesform.
© Fitbit by Google

Anfang 2021 vermeldete Google die Übernahme von Fitbit: Rund zwei Milliarden Dollar investierte der Alphabet-Konzern in den Fitness-Spezialisten. Nun ist die Integration der Plattform in vollem Gange. Wichtige Nachricht für die Kundschaft: Im Laufe des Jahres 2023 soll die Nutzung von Produkten und Diensten von Fitbit auch mit einem Google-Konto möglich sein.

Google-Konto wird Pflicht

Mehr noch: Ab dann ist ein Google-Konto für „bestimmte Vorgänge" zwingend. Darunter versteht Fitbit by Google – so der neue offizielle Name – die Registrierung sowie die Aktivierung neuer Fitbit-Geräte und -Funktionen, die nach der Einführung von Google-Konten bei Fitbit veröffentlicht wurden. Sprich: Ohne Google-Konto kommt man als Neukunde nicht weit.

Bestehende Fitbit-Konten lassen sich noch bis „mindestens Anfang 2025“ nutzen, danach ist ein Google-Konto Pflicht. Google versichert, dass man sensible Gesundheits- und Fitnessdaten getrennt halten und diese nicht für Google Ads nutzen wolle.

Wer mit diesen Konditionen einverstanden ist, auf den warten zwei Neuzugänge im Smartwatch-Portfolio von Fitbit: die Sense 2 und die Versa 4.

Mächtige Software-Plattform

Grundlegend für alle Smartwatches und Tracker des Hauses ist die Analyse-Software, die einem in der für iOS und Android zur Verfügung stehenden App Auskunft über die körperliche Verfassung und Trainingserfolge gibt. Aufgepasst: Mit einigen Smartphones der chinesischen Marken Huawei und Xiaomi kann es Kompatibilitätsprobleme geben, wie Google hier mitteilt.

Die Fitbit-Software präsentiert sich schon seit Jahren als gelungene Lösung, die kaum Wünsche offen lässt. Abhängig von der Sensorenbestückung der Hardware analysiert das Tool jede Menge relevanter Fitness- und Gesundheitsdaten und bereitet diese grafisch sehr ansprechend auf.

Die wichtigsten Funktionen im Überblick:

  • SpO2-Messung: Überwachung der Sauerstoffsättigung des Blutes während des Schlafs
  • Checks auf Vorhofflimmern
  • Stress­management
  • kontinuier­liche Herzfrequenz­messung
  • Benachrichtigung bei unregelmäßigem Herzrhythmus
  • Schlafaufzeichnung und -analyse
  • Erfassung von Aktivzonenminuten (3 Stufen)
  • Sprachsteuerung mit Amazon Alexa (Google Assistant wird aktuell nicht unterstützt)

Fitbit Premium: mehr Features

Wer das Maximum herausholen möchte, investiert in Fitbit Premium für 8,99 Euro monatlich oder 79,99 Euro jährlich. Damit bekommt man zusätzlich etwa einen Tagesform-Index, der einem morgens anhand der Schlafdaten, des letzten Aktivitätslevels und der Herzfrequenzvariabilität mitteilt, ob man sich heute besser ausruhen sollte, ob ein moderates Training angeraten oder ob man gar zu Höchstleistungen imstande ist.

Bierernst darf man das natürlich nicht nehmen, doch der Tendenz nach stimmen die Empfehlungen mit dem eigenen Befinden überein. Wir haben uns trotz Rat zur Ruhe hin und wieder zu einem HIIT-Training aufgeschwungen und sind danach auch nicht kollabiert.

Les-Mills-Workouts inklusive

Apropos Training: Premium-Mitglieder haben Zugriff auf Video-Workouts in der App, die in verschiedene Kategorien wie Cardio, Bauchmuskeln & Körpermitte oder Ganzkörper unterteilt sind. Neben eigenen, gut gemachten Filmen in verschiedenen Intensitätsstufen und Dauer finden sich auch Trainingseinheiten von Les Mills, einem der besten Fitnessanbieter weltweit. Die in Neuseeland ansässige Company bietet neben Live-Kursen in Studios auch vielfältige On-Demand-Workouts, die in Zusammenarbeit mit Sportmedizinern entwickelt werden.

Der Premium-Zugang enthält zudem tiefer gehende Analysen, liefert monatlich einen Gesundheitsbericht und bietet Achtsamkeitsübungen. Was Fitbit Premium im Vergleich zur kostenfreien Nutzung beinhaltet und was Fitbit generell an Messungen und Analysen liefert, können Sie unter diesem Link nachschauen.

Gut: Bei Kauf eines neuen Geräts sind 6 Monate Premium-Nutzung inklusive. So kann man in Ruhe ausprobieren, ob man die zusätzlichen Features nutzen möchte und anschließend entscheiden.

Fitbit Pay stagniert, Google Wallet kommt

Die Fitbit-Smartwatches bieten auch eine Bezahlfunktion. In Deutschland tritt Fitbit Pay aber seit Jahren auf der Stelle, die Liste an unterstützenden Banken ist nach wie vor sehr überschaubar. Wer den Dienst bankenunabhängig nutzen möchte, kann für 2 Euro Gebühr im Monat die Fitbit Visa Card ordern. Angekündigt ist Google Wallet, der Dienst soll "bald" Einzug halten. Ebenso wie Google Maps zur Navigation per Handgelenk.

Überhaupt hat Google an der Software geschraubt und einiges geändert – nicht immer zum Besseren. Konnte man etwa bislang auf der Sense fünf Zifferblätter speichern und an der Uhr direkt wechseln, muss man nun stets das Smartphone bemühen. Auch ist die Anzahl der ladbaren Apps stark reduziert: Hier finden sich eigentlich nur noch Tools, die ohnehin zum Funktionsumfang der Smartwatches gehören. Extras wie etwa eine Taschenlampen-App oder Währungsumrechner wurden gestrichen. Schade.

Was der Premium-Dienst noch bietet: eine Schnarch- und Geräuscherkennung. Die Uhr merkt, wenn man einschläft und aktiviert dann das Mikrofon, um Umgebungsgeräusche zu erfassen und den Lärmpegel zu analysieren, darunter Schnarchen. Ganz ehrlich: Dafür den Zugriff aufs Mikro zu ermöglichen, muss man mögen. Wir haben verzichtet.

Fitbit-Screens
Gut drauf: Laut Tagesform-Index ist etwas Anstrengung angeraten. Die passenden Workouts liefert die App mit Premium-Mitgliedschaft gleich mit.
© Fitbit by Google
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Optisch sehr ähnlich: Fitbit Sense 2 (links, mit optionalem Sportarmband) und Versa 4.
© WEKA Media Publishing

Sense 2 oder Versa 4? Die Unterschiede

Jetzt aber zur neuen Hardware. Vorneweg: Allzu groß unterscheiden sich die beiden Uhren nicht. Die Displays sind gleich groß, die Touchscreens reagieren zuverlässig. Auch ist die Materialqualität sehr gut, beide Gehäuse sind aus Aluminium gefertigt und sitzen an den weichen Armbändern angenehm am Handgelenk. Die Synchronisation mit dem Smartphone klappte im Test durchweg gut: Einfach die "Heute"-Kachel in der App nach unten ziehen, schon startet die Datenübertragung.

Die Akkulaufzeit beziffert Fitbit auf jeweils sechs Tage, fünf waren bei häufigem Blick aufs Display im Testalltag realistischer. Was aber immer noch ein guter Wert ist. Und: Die Fitbits sind in kurzer Zeit aufgeladen. Selbst wenn sie ganz leer sind, reichen zwei Stunden, um auf 100 Prozent zu kommen.

Beide bieten eine beeindruckende Anzahl an Messwerten, die wie oben beschrieben in der Smartphone-App nutzwertig aufbereitet werden. Der augenfälligste Unterschied ist der Preis: Die Sense 2 kostet 299,95 Euro, die Versa 4 ist mit 229,95 Euro deutlich günstiger.

Bei näherem Blick zeigt sich: Die Sense 2 definiert sich als Gesundheitsuhr und geht damit einen Schritt weiter als die Versa 4. Sie bietet die meisten Sensoren im Fitbit-Portfolio und das umfassendste Monitoring. Hier finden Sie die beiden Modelle im direkten Vergleich.

Das hat die Sense 2 laut Fitbit der Versa 4 voraus:

  • EKG-App für Herzrhythmus-Check
  • Hauttemperatur-Sensor
  • ganztägiges Tracking von Körperfunktionen mit Benachrichtigung

Letzteres wird durch den neuen cEDA-Sensor ermöglicht, der den Stresslevel kontinuierlich misst und auf Wunsch auch Feedback gibt. So kann man zeitnah gegensteuern und etwa eine geführte Atemübung machen, um die Herzfrequenz zu senken. Wie weit das im Alltag Sinn macht und ob man dieses Feature wirklich nutzen wird, sollte man vor dem Kauf überlegen.

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Trackt neben Aktivitäten auch den Stresslevel: die Fitbit Sense 2.
© Fitbit by Google

Sense 2: EKG-App lässt sich nicht installieren

Was dagegen nicht funktioniert: eigenständig ein EKG am Handgelenk erstellen. Das ist gelinde gesagt verwunderlich, schließlich wirbt Fitbit explizit damit und auch in der App wird eine Kachel namens EKG angeboten – sie lässt sich aber nicht installieren. Ob das ein Fehler ist und per Software-Update behoben wird, bleibt abzuwarten. Der Vorgänger Sense hat dieses Feature noch unterstützt.

Die Messung der Hauttemperatur erfolgt nachts und kann frühzeitig Hinweise auf eine Erkrankung liefern. Dabei wird nicht die konkrete Temperatur erfasst, sondern die Abweichung zur vorigen Nacht.

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Bereit fürs Training: die Fitbit Versa 4.
© Fitbit by Google

Versa 4: smarter Trainingspartner

Die Versa 4 hat den weitgehend identischen Funktionsumfang, macht aber wie gesagt ein paar Abstriche in Sachen Stressmanagement und konzentriert sich auf das Tracking von Fitness und Aktivität. Die Uhr protokolliert ebenso wie die Sense 2 mehr als 40 Trainingsarten, die sich direkt auswählen, starten, pausieren und beenden lassen.

Ein GPS-Sensor erfasst bei beiden beim Laufen oder Radfahren die zurückgelegte Entfernung und das Tempo. Allerdings nur, wenn man die Einheit händisch an der Uhr startet. Beide Fitbits verfügen auch über eine automatische Trainingserkennung, die etwa beim Gehen dann nur die Zeit und die Aktivzonenminuten aufzeichnet.

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© WEKA Media Publishing

Fazit: viel Licht, aber auch Schatten

Für sich betrachtet sind beide Modelle sehr gute Fitnesswatches. Sie protokollieren neben Vital- und Aktivitätswerten die Nachtruhe und liefern morgens eine detaillierte Analyse nach Schlafphasen. Trainingseinheiten lassen sich sehr gut erfassen und benennen. Aktivminuten und Schritte schaffen als Wochen- bzw. Tagesziele definiert Anreize zu ausreichend Bewegung. Wer besonderes Augenmerk auf seine Herzwerte legt, bekommt bei der Sense 2 einen kleinen Mehrwert. Wer in erster Linie trainiert und auf einen aktiven Lebensstil Wert legt, ist mit der günstigeren Versa 4 ausreichend bedient.

Verglichen mit den Vorgängern Sense und Versa 3 sind die Newcomer allerdings nicht in jeder Hinsicht ein Fortschritt – die App-Auswahl hat Google stark eingeschränkt, das WLAN-Modul wurde bei beiden deaktiviert, telefonieren über die Uhr ist Stand heute auch nicht möglich. Und warum Google ausgerechnet bei seinen eigenen Diensten wie Maps, Wallet oder dem Assistant bislang nicht in die Puschen kommt, verwundert. Und dass bei der Sense 2 aktiv die EKG-Funktion beworben wird, ohne dass diese Stand heute nutzbar ist, geht gar nicht.

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