Google-Smartphones der neuen Generation

Pixel 3 und Pixel 3 XL im ersten Test

Die neuen Smartphones von Google führen die Pixel-Produktlinie konsequent weiter. Für die breite Masse taugen Pixel 3 und Pixel 3 XL aber weiterhin nicht, so die Einschätzung von connect nach dem ersten Ausprobieren im Hands-On-Test.

Pixel 3 und Pixel 3 XL im ersten Test - Vorderansicht

© Andreas Seeger

Die Google-Smartphones Pixel 3 und Pixel 3 XL in der Vorderansicht.

Die Offenheit von Android ist Fluch und Segen zugleich für Google. Ein Segen, weil sie maßgeblich dazu beigetragen hat, dass viele Smartphone-Hersteller das System einsetzen und zum wichtigsten mobilen Betriebssystem der Welt gemacht haben. Ein Fluch, weil Google nur begrenzten Einfluss darauf hat, wie jenes Android, das die Hersteller auf ihren Smartphones installieren, am Ende aussieht. Man denke nur an die Oberflächen samt Cloud-Backend, die Samsung und Huawei über das System stülpen.

Google hat aber ein Interesse daran, dass es Smartphones gibt, auf denen die eigenen Dienste so dargestellt werden und so ineinander greifen, wie das Unternehmen es für richtig hält. "Wir wollen die beste Nutzererfahrung für Google-Dienste", erklärte uns ein Google-Vertreter bei der Präsentation der neuen Smartphones Pixel 3 und Pixel 3 XL.

Pixel-Preise kaum wettbewerbsfähig

Interessant in diesem Kontext ist auch, was Google nicht sagt. Man sagt nicht, dass man viele Smartphones verkaufen und Marktanteile gewinnen will. Denn das würde bedeuten, dass man Herstellern wie Huawei oder Sony, mit denen man partnerschaftlich zusammenarbeitet, Konkurrenz macht. Es ist wichtig, dieses sensible Beziehungsgeflecht zu kennen, wenn man die Preisgestaltung von Google verstehen will. 

Das Pixel 3 kostet 849 Euro mit 64 GB Speicher, für 128 GB zahlt man 949 Euro. Das Pixel 3 XL kostet 949 bzw. 1049 Euro.

Die neuen Pixel-Geräte werden ab dem 2. November 2018 im Google Store erhältlich sein, außerdem bei der Telekom, bei Vodafone und im Einzelhandel (Media Markt, Saturn).

Wenn man bedenkt, dass Dual-SIM im Pixel 3 und 3 XL fehlt und der Speicher nicht erweiterbar ist, dann sind die Preise kaum wettbewerbsfähig und das sollen sie auch nicht sein. Natürlich ist Google auch an guten Verkaufszahlen interessiert, aber sie stehen nicht im Vordergrund.

Design und Ausstattung Spitzenklasse

Das Design des Pixel 3 und des Pixel 3 XL ist so, wie man es von einem Smartphone auf diesem Preisniveau erwartet. Auch die 3. Generation ist unverkennbar Pixel, dafür sorgt zum einen ein farblich abgesetzter Power-Knopf, zum anderen eine zweigeteilte Rückseite mit einem glatten oberen Viertel während der untere Bereich eine matte, angeraute Oberfläche hat.

Im Unterschied zu den Vorgängern setzt Google allerdings kein Glaselement im oberen Bereich ein, diesmal besteht die gesamte Rückseite des Pixel aus einer vergleichsweise dicken Glasplatte (Gorilla Glas 5), die zu den Rändern hin gerundet ist und fließend in den Metallrahmen übergeht, sodass die Smartphones sich der Hand regelrecht anschmiegen. Vergleiche mit dem iPhone 8 drängen sich auf. Haptik und Design sind absolute Spitzenklasse. Dazu gehört auch, dass die Gehäuse nach iP68 zertifiziert sind. 

Beide neuen Pixel-Modelle kommen in Schwarz, Weiß und einer mattrosa/pinkfarbenen Variante auf den Markt, die jemand bei Google auf den Namen "Not Pink" getauft hat. Man muss das nicht lustig finden. Der warme Farbton sieht in real aber ziemlich gut aus und ist eine erfrischende Abwechslung.

Pixel 3 und Pixel 3 XL im ersten Test - Rückansicht

© Andreas Seeger

Die Rückseite des neuen Google-Smartphones: Das ​Pixel 3 XL liegt gut in der Hand.

Technisch top ausgestattet

Auch die Displays sind jeweils eine Wucht. Google setzt diesmal bei beiden Pixel-Phones auf das gestreckte 18:9-Format und die OLED-Technologie, beim Pixel 3 ist der Bildschirm 5,5 Zoll groß und ohne Notch (2160 x 1080 Pixel), beim Pixel 3 XL 6,3 Zoll und mit Notch (2960 x 1440 Pixel).

Die immense Leuchtkraft und die brillanten Farben haben auf uns mächtig Eindruck gemacht, was aber auch an den neuen animierten Hintergrundbildern liegt, die Google für die Modelle entwickelt hat.

Unter dem Display gibt Qualcomms Top-Prozessor Snapdragon 845 den Takt vor, flankiert von 4 GB RAM. Die Geräte sind technisch auf der Höhe der Zeit, aber es gibt Lücken in der Ausstattung: Neben dem kleinen Speicher und dem fehlenden micro-SD-Einschub haben wir auch eine Klinkenbuchse vermisst. Softwareseitig fehlt eine Gesichtserkennung, man kann biometrisch nur per Finger entsperren. 

Die Ausstattung der neuen Pixel-Smartphones im Überblick:

Pixel 3

  • OLED 18:9-Format mit 5,5 Zoll und 2.160 x 1.080 Pixel (443 ppi), HDR10
  • Qualcomm Snapdragon 845 mit max. 2,5 GHz und 4 GB RAM
  • Hauptkamera mit 12,2 Megapixel, F1.8, OIS und EIS
  • Dual-Frontkamera mit Weitwinkel- und Normalbrennweite, jeweils 8 Megapixel
  • Akku mit 2.915 mAh
  • Qi und Schnellladen nach USB-PD 2.0, 18-Watt-Netzteil im Lieferumfang
  • Stereo-Lautsprecher und druckempfindlicher Rahmen
  • 68 x 146 x 8 Millimeter, 148 Gramm. IP68
  • 849 bzw. 949 Euro für 64 bzw. 128 GB

Pixel 3 XL

  • OLED im 18,5:9 Format mit 6,3 Zoll und 2.960 x 1.440 Pixel (523 ppi), HDR10
  • Qualcomm Snapdragon 845 mit max. 2,5 GHz und 4 GB RAM
  • Hauptkamera mit 12,2 Megapixel, F1.8, OIS und EIS Dual-Frontkamera mit Weitwinkel- und Normalbrennweite, jeweils 8 Megapixel
  • Akku mit 3.430 mAh
  • Qi und Schnellladen nach USB-PD 2.0, 18-Watt-Netzteil im Lieferumfang
  • Stereo-Lautsprecher und druckempfindlicher Rahmen
  • 77 x 158 x 8 Millimeter, 184 Gramm, IP68
  • 949 bzw. 1049 Euro für 64 bzw. 128 GB
Google Pixel 3 und Pixel 3 XL im ersten Test - Speicherverwaltung

© Andreas Seeger

Die Android-Speicherverwaltung auf dem Google Pixel 3 und Pixel 3 XL.​

Mit einer Kamera gegen den Trend

Es gibt nur wenige Unternehmen, die bei der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz eine so bedeutsame Rolle spielen wie Google. KI-Funktionen werden in Android immer wichtiger, die neue Version 9 "Pie", die auf den Pixel installiert ist, hat etwa ein Energiemanagement, dass Speicherverwaltung und Hintergrundprozesse in Abhängigkeit vom Verhalten des Nutzers steuert – wenn er App XY häufig nutzt, dann darf diese auch im Hintergrund laufen und bekommt einen größeren Speicherblock zugewiesen als App XZ.

Das System "lernt" mit der Zeit seinen Nutzer kennen und kann die begrenzten Ressourcen optimal auf ihn abstimmen, was das System geschmeidiger macht und am Ende auch die Akkulaufzeit verlängert.

Während diese Funktion fester Bestandteil von Android 9 ist, hat Google viele Kamerafunktionen speziell für die neue Pixel-Generation entwickelt. Die technischen Rahmendaten haben sich praktisch kaum verändert, im Zentrum steht weiter ein 12,2-Megapixel-Sensor mit einer Pixelgröße von 1,4 Mikrometer, flankiert von OIS+EIS, Blende F1.8 und Dual-Pixel-Autofokus.

Die Beispielfotos die man uns zeigte, lassen darauf schließen, dass die Bildqualität wieder herausragend sein wird. Davon abgesehen gibt es aber auch ein ganzes Bündel neuer Funktionen:

  • Ein Autofokus, der bewegliche Objekte automatisch verfolgt (ähnliches kennt man von Sony und anderen).
  • Eine verbesserte HDR-Verarbeitung, die dazu führt, dass bei einem hohen Kontrastumfang noch mehr Details in den dunklen und hellen Bildbereichen sichtbar sind.
  • Ein neues Feature "Night Sight" ermöglicht Nachtaufnahmen in einer Qualität, die mit Huaweis P20 und P20 Pro vergleichbar ist. Night Sight ist allerdings noch nicht fertig entwickelt und soll Ende des Jahres per Update nachgeliefert werden.
  • Das neue Feature "Top shot" knipst in einem Zeitfenster von anderthalb Sekunden vor und nach dem Tipp auf den Auslöser permanent Fotos, aus denen sich der Fotograf dann das beste heraussuchen kann. Im Prinzip handelt es sich hier um eine Serienbildfunktion, allerdings reichert Google sie mit Softwareintelligenz an: Der Fotograf kann sich vom System die beste/n Aufnahme/n anzeigen lassen. Das trifft seine Entscheidungen anhand von Auswertungen der visuellen Merkmale wie Lächeln, Augenzwinkern, Falten, etc.
  • Die Möglichkeit, Fotos im Rohdatenformat (RAW) zu speichern, ist nun direkt in der Kamerasoftware implementiert. Die DNGs werden in einem separaten Geräteordner in Google Fotos gespeichert und auf Wunsch auch in der Google-Cloud gesichert. 
  • "Super Zoom" ist eine neue Klasse von Digitalzoom, Google verspricht hier eine digitale Vergrößerung in einer bisher nicht gekannten Qualität und zeigte Fotobeispiele, die in der Tat beeindruckend aussahen. 
Pixel 3 und Pixel 3 XL im ersten Test - Kamera Einstellungen

© Andreas Seeger

Die Kamera-Einstellungen auf dem ​​Pixel 3 und Pixel 3 XL.

Hinter jeder dieser neuen Funktionen stecken Software-Algorithmen auf der Basis von KI/maschinellem Lernen. Und Google kann sie so gut umsetzen, weil auch die neuen Pixel 3 wieder über den "Visual Core" verfügen, ein Co-Prozessor, der dezidiert für die Verarbeitung von grafischen Mustern zuständig ist. Man kann ihn vergleichen mit Huaweis NPU oder der Neural Engine von Apples A12.

Für unseren Geschmack vertraut Google allerdings zu sehr auf die eigenen Fähigkeiten im Bereich Computational Photography. Stichwort "Super Zoom": Google glaubt, dass Funktionen, für die andere Unternehmen zwei oder drei Optiken mit unterschiedlichen Brennweiten benötigen, mit einer Optik und viel Software-Intelligenz besser umgesetzt werden können. Aber kann das Pixel 3 Fotos digital so gut vergrößeren, wie ein Huawei P20 Pro mit dreifachem optischem Zoom? Genauer gefragt: Liefert ein Pixel 3 mit dreifacher digitaler Vergrößerung ein besseres Foto als ein P20 Pro mit seiner Dreifach-Zoombrennweite? Wir haben unsere Zweifel. 

Bei der Frontkamera geht Google einen anderen Weg: Das 8-Megapixel-Standardobjektiv wird von einem zweiten 8 Megapixel-Sensor mit Weitwinkel-Brennweite flankiert. Der Weitwinkel erfasst einen Bildauschnitt von 97 Grad - damit gelingen wunderbare Gruppenselfies. Die technischen Eckdaten und die Beispielfotos, die wir sehen konnten, lassen den Schluß zu, dass die Pixel 3 allererste Wahl für Selfie-Fans sind.

Android 9 ist vollständig

Android 9 ist zwar schon veröffentlicht und auch auf einigen Smartphones installiert, es fehlt aber noch eine wichtige Funktion: Die "Digital-Wellbeing"-Übersicht, die Aufschluss darüber gibt, wie häufig man sein Smartphone in die Hand nimmt, samt Möglichkeiten, die Nutzung zu Beschränken, etwa indem man die Nutzungsdauer einer App zeitlich begrenzt. Die Pixel 3 werden zu den ersten Smartphones mit diesem Tool gehören, also praktisch die ersten Smartphones, auf denen die vollständige Version von Android P läuft.

Die Nutzererfahrung auf den Geräten ist grandios, soviel können wir schon nach dem ersten Ausprobieren sagen. Das liegt nicht nicht nur an der exzellenten Hardware, sondern auch an den vielen kleinen Details, mit denen Google die Bedienung intuitiver macht, beispielhaft dafür steht die Integration der Bilderkennungssoftware Lens, die man aktiviert, indem man einfach in der Kameravorschau länger auf das Display tippt. 

Aber eine ähnliche (wenn auch nicht gleichwertige) Nutzererfahrung bieten Smartphones mit Android One. Eine vergleichbar gute Kamera bieten die Highend-Phones der Platzhirsche Samsung und Huawei. Und alle genannten Alternativen sind entweder deutlich günstiger oder bieten mehr (Speicher-)Ausstattung fürs Geld. Die neuen Pixel werden also weiter ein Nischendasein fristen – als allererste Wahl für Google-Fans mit hohen Ansprüchen.

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