Sprachqualität

HD Voice im Soundcheck

Die Einführung von HD Voice für höhere Sprachqualität im Telekom-Netz kommt zwar auf leisen Sohlen, bringt klanglich aber einen großen Fortschritt. Das zeigt der Test von connect.

HD Voice im Soundcheck

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HD Voice im Soundcheck

Darf's ein bisschen mehr sein? Die Bejahung dieser Frage beim Metzger fu?hrt zwangsläufig zu einer höheren Rechnung. Anders bei der Telekom: Gänzlich kostenlos stellt sie seit Anfang November eine höhere Sprachqualität übers UMTS-Netz zur Verfu?gung. Voraussetzung ist dabei neben der Nutzung des Telekom-Mobilfunknetzes der Einsatz zweier Mobiltelefone, welche beide die die Technik "HD Voice" unterstu?tzen. Der dahinter stehende Standard ist zwar alles andere als neu, allerdings blieb es bislang bei Testreihen.

Vorreiter Festnetz

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Die beiden dunklen Flächen zeigen das Frequenzspektrum von Sprache und Musik. Die rot hinterlegte Fläche markiert den Frequenzbereich zwischen 300 und 3400 Hertz, der bei der herkömmlichen Telefonie übertragen wird. Die grüne Fläche zeigt die Erweiterung durch HD Voice, mit der selbst Musik deutlich besser über den Äther geht.

Grundlage ist der schon länger verabschiedete Übertragungsstandard G.722, der im Festnetz bei CAT-iq zum Einsatz kommt und heute schon, entsprechende Endgeräte und Provider vorausgesetzt, eine bessere Sprachqualität bringt. Dies erreicht die Technik, indem sie die übertragene Frequenz deutlich erhöht und im Gegensatz zur herkömmlichenTelefonie einen viel größeren Teil der menschlichen Sprache erfasst. Im Festnetz sind hohe Datenraten weniger kritisch als im Mobilfunk, deshalb spendierte man hier satte 64 kbit/s.

Im Jahre 2002 wurde der Standard dann erweitert und eine Komprimierung der Sprachübertragung eingefu?hrt, die variabel ist: AMR-WB (Adaptive Multirate Codec-Wide Band). Dies ist nötig, weil gerade im Mobilfunk die Versorgung und damit auch die zur Verfügung stehende Bandbreite schwankt. Je nach Verbindungsqualität liegt die Datenrate zwischen 6,6 und 23,85 kbit/s. Nach einer schon 2006 begonnenen Testphase stellt die Telekom nun endlich im Alleingang diese Technik ihren Mobilfunkkunden zur Verfu?gung.

Sprache in den Fokus gerückt

Dies ist nur zu begrüßen - schienen sich die Anstrengungen der Netzbetreiber in den letzten Jahren doch auf die Bewältigung des gestiegenen Datenverkehrs zu beschränken. Das Telefonieren, das selbst in Smartphone-Zeiten immer noch für den größten Teil des Umsatzes sorgt, wurde eher stiefmütterlich behandelt. Dabei wusste schon der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupery, dass die Sprache die Quelle aller Missverständnisse ist. Diese Gefahr minimiert HD Voice gleich in mehrfacher Hinsicht. So fördert der vergrößerte übertragene Frequenzbereich die Sprachverständlichkeit. Ob das Gegenu?ber ein "f" oder ein "s" ausspricht, ist viel einfacher zu verstehen.

Hinzu kommt die ebenfalls integrierte Filterung von Hintergrundgeräuschen. Das geschieht entweder komplett softwareseitig, oder durch die Nutzung eines zweiten verbauten Mikrofons. Dies zeichnet die Umgebungsgeräusche auf und rechnet sie mittels spezieller Algorithmen aus dem Gesamtsignal heraus. Diese Technik ist nicht auf HD Voice beschränkt und kommt mit entsprechenden Endgeräten auch bei normaler Telefonie zum Tragen. Denn wegen des größeren Frequenzspektrums bei HD Voice, das nicht nur Sprache, sondern auch Umgebungsgeräusche deutlicher wiedergibt, ist optimale Filterung besonders wichtig.

Was geht - und was nicht

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Stand der Dinge: Die Tabelle zeigt aktuelle HD-Voice-fähige Modelle. Nokia integriert die Technik schon länger, das iPhone von Apple bleibt außen vor.

Bis dato ist die Nutzung von HD Voice aufs Mobilfunknetz der Telekom beschränkt, konkret muss man also mit einer SIM-Karte der Telekom oder eines Anbieters telefonieren, der das Telekom-Netz nutzt, etwa Congstar oder Penny Mobil. Doch ähnlicher Basistechnik zum Trotz ist es selbst dann bislang nicht möglich, in HD-Qualität aus dem Mobil- ins Festnetz anzurufen. Auch netzübergreifende HD-Telefonie innerhalb des Mobilfunks ist Stand heute nicht möglich; zumal andere Carrier wie Vodafone oder O2 diesen Industriestandard noch nicht unterstützen. So müssen also beide Gesprächspartner im Telekom-Netz eingebucht sein und zudem jeweils ein Handy nutzen, dass HD Voice unterstützt, was aktuell wohl noch einem Glücksspiel gleichkommt. Die Telekom bietet in ihren Shops derzeit spezielle Modelle von HTC oder Sony Ericsson an, aber es gibt auch bereits weitere Geräte, die die Lizenz zum Klarsprechen integriert haben.

HD Voice in der Praxis

Um uns mit eigenen Ohren von der Technik zu u?berzeugen, stellten wir uns an eine stark befahrene Straße in Stuttgart. Klares Fazit, das auch weniger klangaffine Kollegen bestätigten: HD Voice bringt einen echten Mehrwert, der ähnlich wie bei HDTV im direkten Vergleich besonders offensichtlich wird. Den lieferten zwei parallele Gespräche mit je zwei herkömmlichen und zwei HD-Voicefähigen Geräten. Mit letzterem Paar waren Hintergrundgeräusche kaum zu hören - zumindest, so lange gesprochen wurde. Die Stimme selbst klang dabei nicht nur deutlicher, sondern auch satter und präsenter. Fiel eines der beiden Handys bei schlechterem Empfang ins GSM-Netz zuru?ck, war es auch mit HD Voice vorbei. Ein Zurückwechseln wird unterbunden, aber man arbeitet daran, HD Voice auch im GSM-Netz zu ermöglichen.

Bis dahin wäre es wünschenswert, dass sich auch Vodafone und Co des Themas annehmen, um HD Voice endlich zu dem Erfolg zu bringen, den es verdient. Dass man den Kunden dafu?r nicht zwingend zur Kasse bitten muss, hat die Telekom vorgemacht - nun müssen es die anderen Netzbetreiber nur noch nachmachen.

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