stereoplay Konzertsäle

Stadtcasino Basel

24.5.2011 von Jonas Hermann

Im Stadtcasino Basel tönt es gar königlich - und mittlerweile sogar rumpelfrei.

ca. 2:15 Min
Ratgeber
Stadtcasino Basel
Stadtcasino Basel
© Casino-Gesellschaft Basel
Stadtcasino Basel
Die ganze Pracht: Der Basler Musiksaal hat Platz für bis zu 1500 Besucher. Wie in der Mailänder Scala werden hier bewusst Büsten, Kronleuchter und anderer Zierrat als höhenerhaltende Diffusoren eingesetzt. Das macht den Klang des Musiksaals so lebendig.
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Für seinen Chic und die günstige Lage an der deutschen Grenze ist das schmucke Basel weithin bekannt. Friedrich Nietzsche, einer der berühmtesten Bürger der Stadt, lebte dort allerdings nicht sonderlich gern. Dies war für ihn Anlass, sich eine bisher unbekannte Krankheit zu attestieren: die Basileophobie.

Was Nietzsche konkret missfiel, lässt sich schwer ergründen. Zumindest das Basler Stadtcasino hätte den musikliebenden Denker eigentlich erfreuen können. Zentral am betriebsamen Barfüsserplatz gelegen, vereint das Bauwerk alle Eigenschaften eines renommierten Konzerthauses. So verbirgt sich hinter dem eher unscheinbaren Äußeren ein famoser Konzertsaal mit über 1500 Plätzen. Der schlicht "Musiksaal" genannte Raum gefällt mit fein abgestimmten Rot- und Weißtönen sowie feierlich glitzernden Kronleuchtern.

So traditionell wie die Gestaltung ist auch das Klangkonzept: Es sind bewährte Ingredienzen, die hier eine erhabene Akustik bewirken. Deren Grundlage ist der schuhschachtelförmige Zuschnitt, welcher bis dato als klangliches Nonplusultra gilt. Hinzu kommt die großzügige Ausstattung mit Stuckaturen, Marmorsäulen und Büsten, die eine Doppelfunktion hat: Zum einen regt sie den Sehsinn an, zum anderen bürgt sie für ideale Schallstreuung.

Stadtcasino Basel
Mitten im Leben: Das Basler Stadtcasino mit dem Musiksaal liegt in einer umtriebigen Gegend. Die Straßenbahn störte lange Zeit den Konzertbetrieb durch Rumpelgeräusche. Das Problem wurde gelöst, jetzt gibt's ungetrübten Hörgenuss.
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Eine wesentliche Voraussetzung für ungetrübten Hörgenuss war allerdings lange nicht erfüllt, da man die direkt neben dem Saal fahrende Straßenbahn im Innern deutlich vernehmen konnte. Die Tram - wie der Schweizer sagt - sorgte regelmäßig für etwa 43 Dezibel (A) laute Rumpelgeräusche. Auf private Initiative ging man jenen Makel im Jahr 2006 an.

Weil wegen des Denkmalschutzes am Fundament nicht nachgebessert werden konnte, wurde das Problem buchstäblich bei der Wurzel gepackt. Einige Monate und 13 Millionen Euro später war das herkömmliche Gleisbett der Straßenbahn durch eine ausgeklügelte Federmechanik ersetzt. Jene verfügt über zwei unabhängige Federsysteme, von denen eins die tiefen und das andere die mittleren Frequenzen der Störgeräusche eliminiert.

In dem 3000 Tonnen schweren Hightech-Gleisblock ruhend, haben die Schienen keinen Kontakt mehr mit dem angrenzenden Asphalt, und im Musiksaal sind Außengeräusche Vergangenheit. Daher hat die Anekdote von der Sopranistin, die erschrocken durch das Rumpeln ihre Gesangsdarbietung unterbrach, nur noch Unterhaltungswert und keine so stark rufschädigende Wirkung mehr.

Nun hätte sich kollektive Zufriedenheit einstellen können, doch weit gefehlt: Die Betreibergesellschaft pochte, aus baulichen und betrieblichen Gründen, auf den Neubau des vorderen Gebäudeteils. Die Meisterarchitektin Zaha Hadid lieferte hierfür einen Entwurf, der manchem Zeitgenossen die Augenbraue nach oben schnellen ließ. Das Vorhaben wurde aber per Bürgerentscheid abgeschmettert. Nachdem man die Neubauskizzen ad acta legen musste, wird momentan eine umfassende Renovierung vorbereitet.

Die Kontroverse über den Teilneubau sorgte allerdings für Verstimmung zwischen Betreibern und Kommune. Vielfach war von Enttäuschung die Rede, sechs Verantwortliche legten ihr Amt nieder. Dem wahren Klassikliebhaber geht es letzten Endes jedoch nicht um architektonischen Glanz oder Kapazitätserweiterung, sondern um die Musik selbst. Und wie essenziell diese ist, wusste schon Nietzsche, als er schrieb: "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum."

Stadtcasino Basel

Erbaut: Musiksaal: 1876, Hans Huber-Saal: 1905, Gebäudevorderteil und Festsaal: 1939Architekten: Johann Jakob Stehlin d. J. (Musiksaal, Hans Huber-Saal), Willi Kehlstadt, Wilhelm E. Brodtbeck (u. a. Gebäudevorderteil und Festsaal)Säle: Musiksaal, Hans Huber-Saal, FestsaalBesucher: circa 180.000 pro JahrNachhallzeit: nicht bekanntHighlight: Immer wieder werden CD-Aufnahmen dort gemacht.

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