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Privacy-Smartphone aus Finnland kommt 2026

Jolla Phone: Europäisches Smartphone mit Extraportion Datenschutz

Das finnische Unternehmen Jolla hat für sein europäisches Datenschutz-Smartphone in drei Monaten 10.000 Vorbestellungen eingesammelt. Der Startschuss für ein richtiges "European Phone"?

Jollaphone MWC 2026Aktion Overlay
Das Jolla Phone kann bereits vorbestellt werden, die Auslieferung startet Ende Juni 2026.
© connect

Das finnische Unternehmen Jolla, das 2011 von Ex-Nokia-Mitarbeitern gegründet wurde, hat innerhalb von drei Monaten einen Erfolg gefeiert, den die europäische Technikbranche selten erlebt: 10.000 Vorbestellungen sind bemerkenswert für ein Smartphone, das technisch nur mittelmäßig ausgestattet i...

Das finnische Unternehmen Jolla, das 2011 von Ex-Nokia-Mitarbeitern gegründet wurde, hat innerhalb von drei Monaten einen Erfolg gefeiert, den die europäische Technikbranche selten erlebt: 10.000 Vorbestellungen sind bemerkenswert für ein Smartphone, das technisch nur mittelmäßig ausgestattet ist und mit einem europäischen Betriebssystem läuft. Jolla beziffert die Umsatzgarantie aufgrund der Vorbestellungen auf über 5 Millionen Euro.

Nach Abschluss der ersten Kampagne, die von Dezember 2025 bis 28. Februar 2026 lief, hat Jolla eine zweite Vorbesteller-Runde mit einer Limitierung auf 1.000 Geräte gestartet: Wer jetzt eine Anzahlung von 99 Euro leistet (Gesamtpreis: 649 Euro) bekommt Ende Juni 2026 sein Jolla Phone. Jolla liefert in die EU, UK, Norwegen und die Schweiz.

Produktion des Jolla Phones in Nokias Geburtsstadt Salo

Die finale Montage des Jolla Phone findet in Salo (Finnland) statt. Genau dort, wo Nokia vor mehr als 20 Jahren seine Top-Modelle bauen ließ. Jolla-CEO Sami Pienimäki erklärt: „Der wertvollste Teil eines modernen Smartphones ist seine Software. Indem wir Sailfish OS selbst kompilieren und in Finnland installieren, sichern wir seine Integrität.“​

Sailfish OS mit Kompatibilität zu Android-Apps

Mit dem Linux-basierten Sailfish OS sieht sich Jolla als einzige eigenständige Smartphone-Option Europas, neben Apples iOS, Googles Android und Huaweis HarmonyOS. Es gibt aber europäische Android-Derivate wie Apostrophy OS, die auf dem AOSP basieren und durchaus auch eigenständig sind, da sie nur den Quellcode von Android nutzen.

Sailfish OS unterstützt Android-Apps über einen Linux Container (LXC). APKs und Android-App-Stores lassen sich ebenfalls installieren. Über das von Huawei-Geräten bekannte Open-Source-Projekt microG bekommt man auch alle Google-Dienste zum Laufen.

Technische Ausstattung eher Mittelklasse

Optisch erinnert das Jolla Phone an die letzten Windows-Smartphones von Nokia. Design und Haptik haben uns auf dem MWC jedenfalls überzeugen können. Die Ausstattung ist aber nur mittelmäßig und weit hinter dem, was man von den großen Smartphone-Herstellern wie Samsung oder Xiaomi für den gleichen Preis bekommen würde. Der eingebaute Prozessor gehört mit seinen Leistungsdaten etwa zur Einsteigerklasse.

Eine Besonderheit ist ein Privacy-Schieber auf der rechten Seite, mit dem man in einen privaten Modus wechseln kann.

Die technischen Daten des Jolla Phones im Überblick:

  • Display: 6,36 Zoll OLED mit 2.340 x 1.080 Pixel
  • Prozessor: MediaTek Dimensity 7100
  • Connectivity: Wi-Fi 6, Bluetooth 5.4, Dual-SIM, NFC, LTE+5G
  • Speicher: 8/12 GB RAM, und 256 GB, microSD unterstützt
  • Kameras: 50 MP Weitwinkel + 13 MP Ultraweitwinkel
  • Akku: 5.450 mAh, wechselbar
  • Extras: Privacy-Schalter

Wie stehen die Chancen für das "European Phone"?

Jolla vermarktet sein Smartphone als europäisches Smartphone, das seine Nutzer unabhängig von US-Tech-Konzernen macht. Es sei ein Beleg dafür, dass Europa seine eigenen Technologien nach seinen eigenen Anforderungen bauen kann, so Jolla-CEO Pienimäki. Er möchte Sailfish OS als eine dauerhafte Mobil-Plattform in Europa etablieren.

Angesichts der geopolitischen Lage stehen die Chancen unserer Meinung nach gar nicht schlecht, dass dies gelingt. Der schnelle Ausverkauf von Jollas erster Charge ist bereits ein Zeichen dafür, dass viele Käufer sowohl vermehrt auf Datenschutz als auch auf Produkte "Made in Europe" Wert legen.

Autor: Andreas Seeger • 4.3.2026

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