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100 Tage Windows Phone 8: Erstes Fazit

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Ende Oktober startete Microsoft Windows Phone 8. Wie steht die neue Plattform nach 100 Tagen da? Ein Fazit.

Vor rund 100 Tagen blies Microsoft mit dem Start von Windows Phone 8 zum Angriff auf den Smartphone-Markt. Mal wieder, muss man sagen. Für eine echte Bilanz ist es noch zu früh, aber eine Bestandsaufnahme wollen wir hier wagen.

Die Zahlen: 150 Prozent Wachstum

Die vorhandenen Zahlen veranschaulichen eher die Ausgangslage, von der aus Windows Phone 8 ins Rennen gestartet ist. Laut IDC lag der Marktanteil von Windows Phone im 4. Quartal bei mageren 2,6 Prozent. Damit liegt Microsoft noch hinter Blackberry (3,2 Prozent), vorne stehen iOS mit 21 Prozent und Android mit gut 70 Prozent. In absoluten Zahlen: Von den rund 228 Millionen im vierten Quartal 2012 verkauften Smartphones arbeiten rund 6 Millionen mit Windows Phones.

Richtig eingeschlagen hat Windows Phone 8 also nicht, das war aber auch nicht zu erwarten. Die Richtung scheint aber zu stimmen. Im vierten Quartal war es die am schnellsten wachsende Plattform. Der Absatz lag 150 Prozent über dem des vierten Quartals 2011.

Microsoft-Plattform Windows Phone 8 im Überblick

Ist der Start also gelungen oder missraten? Darüber lassen zum einen die Zahlen nur bedingt Rückschlüsse zu. Denn eine größere Auswahl an Smartphones mit Windows Phone 8 stand frühestens Mitte des Quartals in den Läden. Zum anderen hängt es von den Erwartungen hab. Steve Ballmer hatte Ende November noch von einem Wachstum von 300 Prozent gesprochen.

Wird sich Windows Phone als Alternative zu Android und iOS etablieren können? Unser Eindruck: Ein Selbstläufer wird die Sache nicht, doch die Chancen dass sich Windows Phone 8 dauerhaft auf dem Smartphone-Markt etabliert, stehen nicht schlecht. Wir haben mal ein paar Argumente dafür und dagegen zusammengetragen.

Was für Windows Phone 8 spricht

  1. Windows Phone sieht nicht unbedingt wie ein klassisches Microsoft-Produkt aus und ist aus unserer Sicht in Sachen Bedienkonzept durchaus auf Augenhöhe mit Android und iOS.

  2. Das Angebot an Windows Phones umfasst derzeit sechs Modelle, von Einsteigergeräten ab rund 300 Euro bis zu Topmodellen. Zwei weitere günstige Geräte sind angekündigt, von denen das Huawei 4Afrika wohl nicht nach Europa kommen wird.

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    An Bord sind mit Nokia, die komplett auf Windows Phone setzen sowie Samsung, HTC und Huawei. Und Nokia hat im Lumia 920 ein echtes Flaggschiff im Angebot hat.

  3. Mit Nokia hat sich ein erfahrener Hersteller ganz der Plattform verschrieben. Nokia kennt den Markt, unterhält seit Jahrzehnten Kontakte zu den Netzbetreibern. Und bis zum iPhone waren es die Finnen, die den technologischen Fortschritt an vorderster Front vorangetrieben haben. Mit dem Lumia 920 zeigen sie, dass von dieser Innovationskraft noch vorhanden ist.

  4. Ende 2012 fanden sich Microsoft Marketplace 150.000 Apps. Damit lässt sich kaum behaupten, dass es keine oder nicht genügend Apps gäbe. Und das Angebot wächst weiter. Unser Tipp für Fans: Der Windows Phone Blog von Microsoft bringt täglich ein bis zwei Updates zu neuen Apps und Bedientricks für die Windows Phone 8.

  5. Microsoft arbeitet wohl daran, Apps für Windows Phone 8 und für Windows 8/RT zu vereinheitlichen. Wenn Entwickler ihre Anwendungen einfacher auf beiden Plattformen zum Laufen bringen können, wird sie für sie attraktiver.

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    Und gibt es mehr Apps, wird die Plattform für Endkunden interessanter und gibt's mehr Kunden, wird sie auch wieder für Entwickler interessanter.

  6. Den Netzbetreibern wird die Dominanz von Apple und Google langsam zu bunt. Sie wollen eine Alternative und haben als größte Kunden der Handyhersteller und mit ihrem direktem Draht zum Endkunden genug Marktmacht, um eine Plattform durchzusetzen. Auch wenn beispielsweise mit Firefox OS neue Player auftauchen, hat Microsoft im Moment die besten Karten um sich als Gegenpol zu den zwei dominierenden Systemen zu etablieren.

  7. In Europa oder Nordamerika herrschen klare Verhältnisse, doch in anderen Märkten hat das Rennen um die Gunst der Kundschaft gerade erst begonnen. Davon zeugt Microsofts Initiative 4Afrika, für die Huawei bereits das erste Gerät vorgestellt hat. Hier könnte Windows Phone von Anfang an mit dabei sein.

Was gegen Windows Phone 8 spricht

  1. An der Etablierung einer Smartphone-Plattform sind schon viele gescheitert und genau genommen sah bis vor kurzem noch so aus, als seien alle gescheitert. Alle bis auf Apple und Google. Es muss eben einiges zusammen kommen, nicht umsonst werden die Plattformen als Ökosysteme bezeichnet.

  2. Die Gerätehersteller agieren abwartend: Samsung, HTC und Huawei bieten das an, was sie schön längst für Android im Angebot haben. LG und ZTE halten sich im Moment noch zurück, Sony denkt wohl darüber nach. Lediglich Nokia bringt echte Flaggschiffe.

  3. Die Endkunden verlangen im Moment nicht unbedingt nach einer Alternative zu iOS oder Google.

  4. Hinzu kommt, das Microsoft nicht gerade als sexy gilt, auch wenn Windows Phone mit klassischen Microsoft-Produkten nicht mehr viel gemein hat. In Sachen Hipness dürfte Microsoft weiterhin mit Dieter Thomas Heck in einer Liga spielen. Und ein Markenimage ist einerseits für viele Kunden wichtig, andererseits lässt es sich nur schwer ändern.

  5. Das Angebot an Apps mag ausreichend sein und wachsen, für Android und iOS gibt es aber eben weiterhin deutlich mehr Anwendungen: Für viele Kunden genügt die bloße Zahl als entscheidendes Kaufargument.

Fazit: Dranbleiben!

Mit einem Raketenstart war nicht zu rechnen. Von den Verkaufszahlen über das Bedienkonzept und die Funktionalität von Windows Phone 8 bis zum App- und Geräteangebot gilt: Alles insgesamt nicht schlecht und durchaus überzeugend, aber letztlich auch alles noch ausbaufähig - das liegt eben in der Natur der Sache.

Um einen neue Plattform erfolgreich zu etablieren, braucht man einen langen Atem. Und darf unterwegs keinen der Partner verlieren. Ebenso wichtig wie eine ständige Weiterentwicklung der Plattform dürfte es sein, Gerätehersteller, Appentwickler oder auch Netzbetreiber bei Laune zu halten. Wie gesagt: Die Chancen stehen gut.

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