Testbericht

Plattenspieler Clearaudio Innovation + Universal

Wer die deutsche Hauptstadt der Schallplatte sucht, müsste sie eigentlich in Hannover finden. Hier hat Emil Berliner (1851 - 1929) die ersten schwarzen Scheiben pressen lassen. Von rustikalen Männern in noch rustikaleren Hinterhöfen an der Kniestraße.

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Wer sich auf Spurensuche begibt, findet in Hannover aber allenfalls noch Erinnerungen. Die Werkshallen sind verschwunden, kein Museum huldigt dem Vater der Schallplatte. Auch die Deutsche Grammophon Gesellschaft hat die Stadt längst verlassen, wurde verschachert und weiter verschachert. Verglichen mit ihrer Blüte ist sie nur noch ein Schatten ihrer selbst. Die heutige Hauptstadt der Schallplatte müsste, wenn es sie offiziell gäbe, im Fränkischen liegen - in der Hugenottenstadt Erlangen. Dank Peter Suchy und seiner Familie. Der Mann brennt. Vor Leidenschaft und vor Ehrgeiz. Er hat die Plattenspieler mit dem Namen Clearaudio zu Ikonen erhoben. Peter Suchy könnte sich also zurücklehnen und genießen.Aber er kann nicht: Das innere Feuer züngelt unvermindert. Nach dem Coup eines Patents auf einen Plattenspieler mit Magnetlager hat sich der Suchy-Clan ein neues Highlight ausgedacht: einen Spieler mit Infrarotstrahl. Sein Name: "Innovation", sein Auftrag: keinerlei Schwankungen in der Umdrehungszahl zuzulassen. Die technische Umsetzung fasziniert: Im Normalbetrieb unsichtbar, liegt der Infrarotsensor neben der zentralen Achse. Er "blickt" auf die Unterseite des über ihm liegenden, massiven Edelstahltellers (8,75 Kilo). Dieser birgt einen Ring mit 1595 Stroboskop-Strichen, die bei jeder Drehung per Infrarot erfasst und analysiert werden. Hört sich gut an. Bringt aber auch schnell die Besserwisser auf den Plan: Soviel nachregulierende Elektronik könnte doch die Ruhe aus dem Klangbild vertreiben. Kann sein - wenn man schlecht rechnen und hektisch nachregeln würde. Doch der nicht weniger aufwändige Gleichstrom-Motor wird von Clear-audio nicht etwa permanent ausgebremst oder angepeitscht - die Regelarbeit erfolgt dezent, wissend, austariert. Zumal die Schwungmasse gar keine Hektik zulässt; thront über dem Stahlteller doch noch ein dicker Acryl-Teller mit weiteren 5,45 Kilogramm. Ein Masse-Laufwerk, das seinen Namen verdient: Wer es im Wohnzimmer einmal am Stück von A nach B bringen möchte, sollte gute, kräftige Freunde haben.Der Neuheiten nicht genug: Auch der ideale Clearaudio-Tonarm ist brandneu und taucht in diesem Test erstmals und exklusiv auf. Der "Universal" gehört zur Familie der Neun-Zöller; eine eigenwillige, charaktervolle Konstruktion nach dem Teleskop-Prinzip. Drei Elemente aus Kohlefaser-Rohr hat Clearaudio dafür ineinander geschoben. Der physikalische Vorteil: Dieser Arm unterliegt keiner einheitlichen Eigenfrequenz, die angegriffen werden könnte. Und ganz banal: Die Konstruktion sieht schlichtweg cool aus - einer der schönsten und markantesten Tonarme auf dem Weltmarkt. Dabei wird das Gegengewicht nicht simpel aufgeschoben wie im Sportstudio die Scheibe auf die Hantel. Am "Universal" wird das Gewicht hinter dem Alu-Lager tiefliegend angeklemmt. Von Erlangen aus kommt der Arm mit vier unterschiedlichen Gegengewichten in den Handel. Abnehmer vom Federgewicht bis über 20 Gramm sind erlaubt. Der tendenziell schwere "Universal"-Arm harmoniert mit Tonabnehmern, die über eine wenig nachgebende Nadel verfügen - das "Stradivari"-System von Clearaudio ist auch hier erste Wahl. Kleine Zwischenfrage: Wie heißt doch gleich das Laufwerk? "Innovation". Genau so tönt der Vinyl-Beschleuniger. Die Liaison mit dem neuen "Universal"-Arm bricht mit dem Klangideal, das wir mit Clearaudio verbinden. Auch auf die Gefahr hin, dass uns Peter Suchy Prügel androht: Bislang gefielen seine Kreationen vor allem durch die enorme Lust an der Auflösung, das feinsinnige Element, die hohe Kunst des Ziselierens. Der "Innovation" bringt eine weitere Qualität ein: eine bis heute selten so gehörte "Schwärze", eine Ruhe im Klangbild, die herrschaftliche Abwesenheit von Nervosität. Wenn Johnny Cash "The Man Comes Around" anstimmt, wirkt der große alte Mann deutlich vitaler als über andere Quellen. Dagegen säuselt das gar nicht so üble CD-Mastering beim Hörvergleich über einen Luxus-Player fast körperlos dahin. Dann die Einspielung der beiden Brahms-Klavierkonzerte von Claudio Arrau und Bernard Haitink: feinstes, oft unterschätztes Philips-Vinyl. Die Eröffnung des zweiten Konzerts, die Kantilene der Hörner im großen Concertgebouw, der Einsatz des Flügels mit Stahl, Saiten und Holz - das Clearaudio-Duo verleiht diesen 40 Takten eine Aura aus Magie und Wahrheit, die lange zu unseren emotionalsten Erlebnissen im Hörraum zählen werden.

Clearaudio Innovation / Universal

HerstellerClearaudio
Preis8300.00 €
Wertung105.0 Punkte
Testverfahren1.0

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