Schnelles Internet per Kabel

Vodafone öffnet sein Kabelnetz für Telefónica Deutschland

Telefónica Deutschland will künftig neben DSL auch Breitband bundesweit via Fernsehkabel verkaufen und kooperiert dazu mit Vodafone.

© Vodafone Deutschland

Vodafone will sein Kabelnetz für Telefónica Deutschland öffnen.

Telefónica Deutschland erhält künftig Zugriff auf das Kabelnetz von Vodafone. Das haben beide TK-Konzerne vereinbart. Ein guter Deal für den Münchner Netzbetreiber, der damit sein Breitband-Angebot deutlich ausbauen kann: Die deutsche Telefónica-Tochter kann künftig bis zu 24 Millionen Kabelhaushalte mit schnellem Internet und ihrem neuen IPTV-Dienst O2 TV versorgen. Bislang nutzt der Komplett-Anbieter für seine Festnetzsparte das VDSL-Netz der Deutschen Telekom und vertreibt DSL-Bundles mit maximal 250 Mbit/s.

Reaktion auf Vorbehalte der EU-Kommission

Die Kooperation kommt nicht von ungefähr. Schließlich steht Vodafone vor der Übernahme des zweitgrößten deutschen Kabelbetreibers Unitymedia und hätte damit nahezu das gesamte deutsche Kabelnetz unter seinem Dach. Doch die EU-Kommission hat bereits im März einige Bedenken gegenüber der Fusion geäußert: Sie fürchtet, dass der neue starke Kabelnetzbetreiber mit seiner Marktbeherrschung vor allem die TV-Sender in Bedrängnis bringt und hat Nachbesserung gefordert.

Nun reagiert Vodafone und will unter anderem mit dem Kabel-Großhandelsvertrag mit Telefónica die Einwände des Regulierers aus dem Weg räumen. Laut dem Kooperationsvertrag wird das Datentempo für Telefónica-Kabelkunden allerdings vorerst auf 300 Mbit/s beschränkt, während Vodafone und Unitymedia bereits Gigabit-Anschlüsse vertreiben. 

"Unser Maßnahmenpaket hebt den Wettbewerb in Deutschland auf eine ganz neue Stufe", gibt sich Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter optimistisch. "Es ist gut für den Verbraucher. Gut für den Wettbewerb. Und gut für die Fernsehsender“.

Telekom und United Internet zeigen sich kritisch 

Das sieht die Konkurrenz ganz anders: Vor allem die Deutsche Telekom hat sich von Anfang an gegen die 18 Milliarden schwere Unitymedia-Übernahme gestellt. Sie glaubt, dass die Netzöffnung allenfalls den Glasfaserausbau bis ins Haus bremst und schon gar nicht den Wettbewerb stärkt. "Damit wird kein einziger neuer Breitbandanschluss gebaut", moniert Telekom-Chef Timotheus Höttges bei der Bekanntgabe der aktuellen Quartalszahlen des Magenta-Konzerns.

Auch United-Internet-Chef Ralph Dommermuth steht dem jüngsten Coup skeptisch gegenüber: „Die Öffnung des Kabelnetzes ist Voraussetzung für den zukünftigen Wettbewerb im Festnetz. Die nun getroffene Vereinbarung wird den Wettbewerb jedoch nicht wirklich beleben. Denn Vodafone wird sein Kabelnetz innerhalb von drei Jahren auf Gigabit-Geschwindigkeiten aufrüsten, vermietet an Telefónica aber ausschließlich Kabelanschlüsse mit Geschwindigkeiten von maximal 300 Mbit/s. Das wird den Markterfolg von Telefónica stark beeinträchtigen.“

Die EU-Kommission will bis zum 9. Juli ihre Entscheidung über die Transaktion fällen.

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