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Handytarife 17 Mobilfunk-Discounter im Vergleich

von Josefine Milosevic
AllzweckJack - Photocase
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Bei wem das Geld nicht allzu locker sitzt, der schaut sich um: Das gilt für immer mehr Mobilfunkkunden, die nach Vertragsende zu Billiganbietern wechseln. Die Netzbetreiber spüren das verstärkt.

Selbst der preisaggressive E-Netz-Betreiber E-Plus verliert Vertragskunden und wird mit seiner Mehrmarken-Strategie von den Geistern eingeholt, die er rief: Von den insgesamt knapp über 18 Million E-Plus-Kunden sind gerade mal 6,79 Millionen unter Vertrag. Die restlichen 11,45 Millionen telefonieren überwiegend mit den Discount-Karten der Zweitmarken und Kooperationspartnern wie Aldi, Simyo, Blau.de und Co.

Fonic mit 1 Million Kunden

Die Billiganbieter gewinnen auf breiter Front stetig an Zulauf und fristen mit weit über zehn Millionen Kunden kein Nischendasein mehr. Bis 2012 wird den Discountern gar ein Marktanteil von 25 Prozent prognostiziert.

Dass die Erfolgsaussichten nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigt auch das jüngste Beispiel Fonic: Seit Mitte Juli hat die O2-Billigmarke eine Million Kunden in der Kartei, beim Marktstart vor zwei Jahren ging der Anbieter davon aus, die 1-Million-Marke erst Ende 2010 zu knacken. Das Erfolgsrezept für das schnelle Wachstum der Discounter liegt auf der Hand: einfache Tarifstruktur, keine Vertragslaufzeit und günstige Preise.

Den Weg hat der Mobilfunk-Discount-Pionier Tchibo schon vor fünf Jahren mit Start seines Einheitstarifs geebnet: Damals betrug der Minutenpreis noch 35 Cent. Ein Jahr später, 2005, brachte die E-Plus-Zweitmarke Simyo mit ihrem 19-Cent-Hammer den Stein richtig ins Rollen. Danach drängten immer mehr Anbieter ins Segment. Mit dem wachsenden Wettbewerb fielen die Preise: So kosten Handygespräche bei den meisten Billigmarken mittlerweile nur neun Cent die Minute. Der Tiefstpreis gilt rund um die Uhr und in alle Netze.

Über 50 Prozent billiger

Einige wenige Anbieter versuchen den Preis noch weiter zu drücken, doch viel Luft bleibt nicht mehr. Maxxim, eine Drillisch-Tochter, berechnet für Anrufe und SMS einheitlich acht Cent pro Minute. Der Neuling Discotel unterbietet das Ganze noch um einen halben Cent, betreibt dabei aber Kundenbindung der anderen Art: Discotel rechnet für jede Sprachminute und SMS ebenfalls acht Cent ab – und schreibt gleichzeitig jeweils 0,5 Cent pro Message und Gesprächsminute gut. Der Bonus wird erst am Ende des Jahres ausgeschüttet. Da heißt’s dranbleiben.

Unterm Strich: Ob 9, 8 oder 7,5 Cent – bei den Tiefstpreisen wird keiner arm. Ganz im Gegenteil: Die Sparkarten sind durch die Bank für alle Telefoniertypen die günstigste Wahl – sofern man die Rechnung ohne subventioniertes Handy macht.

Das gleiche gilt für Simser: Die meisten Discounter kassieren weniger als zehn Cent pro Nachricht, beim Netzbetreiber zahlt man meist 19 Cent. Das macht im Jahr einiges aus: Bei den Netzbetreibern zahlen Vertragskunden für Telefonate und SMS bei unterschiedlichen monatlichen Nutzungsaufkommen je nach Tarif bis zu 290 Euro im Jahr. Der gleiche Spaß kostet bei Aldi 168 Euro, bei Congstar gar nur 126 Euro im Jahr.

Tarife und Flats für Community

Die Discounter sitzen zwar nicht auf Geldreserven wie die Netzbetreiber, dafür sprießen die Ideen bei ihnen oft schneller: So haben die Billiganbieter schnell den Community-Gedanken für sich entdeckt. Seit einigen Jahren plaudern Kunden von Aldi, Klarmobil, Callmobile, Tchibo, Simply sowie Rewe und Penny untereinander ab drei Cent pro Minute.

Die Lebensmittel-Riesen Aldi und Rewe wissen um ihre sparsame Kundschaft und bieten den 3-Cent-Tarif auch für SMS an. Damit nicht genug: Mittlerweile hat fast jeder Discounter eine Community-Flat im Programm. So können etwa Aldi-Talk-Kunden für läppische 3,99 Euro extra pro Monat untereinander klönen und simsen bis zum Abwinken. Wer eine große Familienschar oder einen kleinen Betrieb zu versorgen hat, ist damit fein raus.

Weniger Transparenz

Die meisten bieten neben einer Community- auch eine Sprachflat für Festnetzgespräche an. Bei manchen Anbietern wie Bildmobil oder Callmobile bekommt man für rund 15 Euro im Monat sogar beides zusammen. Bei Klarmobil, Tchibo und dem DSL-Anbieter Alice treibt die Segmentierung noch weitere Früchte: So kann der Sparfreund hier Minutenpakete, bei Tchibo dazu noch SMS-Packs buchen.

Von dem ursprünglichen Gedanken, die Mobilfunkpreise einfach zu gestalten, entfernen sich die Discounter damit immer weiter – denn mit der Opulenz geht die Transparenz flöten. Dafür knebeln die Billiganbieter ihre Kundschaft nicht mit langen Laufzeiten. Congstar, Klarmobil sowie Alice verzichten selbst bei ihren Vertrags­tarifen auf jegliche Laufzeit. Gut ist auch, dass die Mobilboxabfrage beim Gros kostenlos ist – bis auf Simply und Callmobile im Clever-3-Tarif.

Hervorzuheben sind auch Aldi und Tchibo, die nach der ersten Minute sekundengenau abrechnen. (60/1-Takt). Womit Kunden, die oft kurze Gespräche führen, unterm Strich günstiger fahren. Ein seltenes Gut: Denn mittlerweile rechnet fast die gesamte Mobilfunkbranche im Minutentakt ab.

Unverschämte Servicekosten

Wenn’s darum geht, den Umsatz anzukurbeln, werden manche An­bieter ganz erfinderisch: So wird Callmobile-Kunden, die innerhalb von drei Monaten weniger als sechs Euro verbrauchen, ein Euro in Rechnung gestellt. Die Firmenschwester Klarmobil zeigt sich noch rigoroser: Sie kassiert die 1-Euro-Gebühr jeden Monat, wenn der Rechnungsbetrag unter drei Euro im Monat fällt. "Kontopflegegebühr" wird das von den beiden Freenet-Töchtern genannt.

Mit der seltsamen Praktik ist auch Simply zugange: Wer seine Simply-Karte in zwei aufeinanderfolgenden Monaten nicht nutzt, darf 1,79 Euro"Administrator-Gebühr" blechen. Dabei belässt es die Drillisch-Tochter aber nicht: Wenn die SIM-Karte nach Vertragsende nicht innerhalb von drei Wochen zurückgeschickt wird, kassieren die Maintaler sage und schreibe 29,95 Euro Kartenpfand.

Auch beim Service langen manche Anbieter unverschämt zu: Während sich die meisten für einen Hotline-Anruf mit 49 Cent pro Minute bescheiden, verlangt Callmobile 69 Cent, Discotel und Klarmobil kassieren gar 99 Cent pro Minute. Das ist Schlagersänger Heino, der neuerdings für Klarmobil den Slogan „Ich will doch nur telefonieren und mich nicht ruinieren" intoniert, komplett entgangen.

Doch Simply bringt das Fass zum Überlaufen: Hier kostet der Hilfe­anruf horrende 1,24 Euro – und zwar vom Festnetz aus. Da weiß man, was man an Tchibo hat: Der Kaffeeröster verlangt für seinen Hotline-Service fast schon läppische fünf Cent pro Minute.

Alice bietet 30 MB für lau

Positiv dagegen: Die Discounter springen auf den Datenzug auf. Vor zwei Jahren brachte Simyo mit seinem 24-Cent-Tarif die Datenpreise ins Rutschen. Mittlerweile ist man wie etwa bei Klarmobil in den neuen Handysurf-Daten-Tarifen bei spottbilligen 19 Cent pro Megabyte angelangt – davon können Vertragskunden der etablierten Mobilfunker nur träumen.Alice toppt das Ganze: 30 MB sind hier kostenlos inklusive. Das reicht fürs gelegentliche Surfen und den E-Mail-Abruf allemal.

Doch damit ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht: Nach Fonic bieten nun Tchibo, Rewe sowie Aldi eine Tagesflat fürs mobile Surfen ab 1,99 Euro an. Bei Simyo und Blau.de kommen die Handysurfer mit dem 1-GB-Paket für unter zehn Euro pro Monat zum Zug.

Paradiesische Zustände auch für Notebook-Nutzer: So gibt’s bei Alice, Aldi, Blau.de, Tchibo und Klarmobil Datenflats schon ab 14,99 Euro pro Monat – allesamt ohne Grundgebühr und Vertragsbindung.

Wie sich die 17 wichtigsten Discounter im Detail unterscheiden und wer für welchen Service was berechnet, zeigt die Tabelle im Download-Bereich unten.

 
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