Tonabnehmer einbauen

Plattenspieler justieren - so geht's

Den perfekt vorjustierten Plattenspieler gibt es nicht. Doch der korrekte Einbau eines Tonabnehmers ist kein Hexenwerk. Wir zeigen, worauf Sie beim Justieren des Plattenspielers achten müssen.

Plattenspieler justieren Schablone

© stereoplay

Schablonen wie die inzwischen betagte Dennesen (hier das Original) propagieren einen Nulldurchgang etwa in der Mitte der Rillenzone. Je nach Auslegung des Tonarms endet man so möglicherweise aber mit einem zu großen Spurfehlwinkel in den Innenrillen (D.B.L. Wand).

Bevor es an den Einbau eines Tonabnehmers in einen gegebenen Tonarm geht, sollte man sicherstellen, dass der Plattenspieler präzise "im Wasser" steht. Hilfreich ist zudem eine alte Schallplatte normaler Dicke, die einstweilen auf dem Teller liegt. Kommen dickere Einstell-Schablonen zum Einsatz, kann die Schallplatte natürlich zwischendurch weg.

Justierschablonen

Die größten Probleme haben Newcomer erfahrungsgemäß mit der Geometrie. Zu diesem Thema existiert keine gültige Normung. Zudem gibt es verschiedene oder teils veraltete Meinungen, die dazu führen, dass diverse (Fremd-)Schablonen nicht zu jedem Tonarm passen. Verkompliziert wird das Thema zusätzlich durch Tonarme, deren Kröpfung veränderlich und/oder deren Montageabstand (Abstand zwischen Teller- und Drehachse des Arms) durch verschiebbare Basen ebenfalls veränderlich ist.

Ohne hier beliebig tief ins Detail gehen zu können: Betrachten wir einen Drehtonarm mit festem Montageabstand und gegebener effektiver Länge ( = Abstand Nadelspitze/Drehachse des Arms) sowie gegebener Kröpfung, dann beschreibt der Arm einen Parabelausschnitt zwischen Einlauf- und Auslaufrille, der zu zwei Nulldurchgängen führt. Nulldurchgang heißt, dass der sogenannte Spurfehlwinkel null ist und der Nadelträger genau tangential zur Rille steht. Im Prinzip und auch abhängig vom Nadelschliff ergeben sich am Nulldurchgang die geringsten Verzerrungen, während größere Spurfehlwinkel die Abtastverzerrungen ansteigen lassen. Bei sehr geringem Rillenradius (also weit innen auf der Schallplatte) ist diese Gefahr am größten.

Plattenspieler justieren Schablone

© stereoplay

Schablonen wie jene von Clearaudio funktionieren am besten, wenn man den Plattenteller mit etwas Klebeband zeitweise fixiert und auch die Schablone mithilfe eines Lineals genau einrichtet.

Eine vernünftige Auslegung der Geometrie versucht, die unvermeidlichen Spurfehlwinkel auf der Kreisbahn im relevanten Bereich der Rillen zu minimieren. Dabei sollte man bedenken, dass der Hersteller eines Tonarmes die Lage der Nulldurchgänge durch Montageabstand, effektive Länge und Kröpfung festlegt (und das hoffentlich auch weiß).

Die Mindest-Informationen, die einen Tonarm begleiten sollten, sind also genau jene Daten sowie die Lage der Nullpunkte. Optimalerweise liegen einem Tonarm folglich eine Einbauschablone sowie eine Schablone mit den ihm eigenen Nulldurchgängen (oder einem Nulldurchgang) bei. Durch Längslöcher oder andere Verstell-Maßnahmen in der Headshell oder am Montagebereich des Tonabnehmers lassen sich unterschiedliche Tonabnehmergehäuse ausgleichen, und man kann die Nadelspitze über den richtigen Punkt der Schablone bringen.

Damit ist klar, dass nach Schablonen, die einer von einem gegebenen Tonarm abweichenden Geometrie folgen, möglicherweise nicht eingestellt werden kann und/oder der Verlauf des Spurfehlwinkels ungünstig, bestenfalls anders als geplant ausfällt. Langer Rede kurzer Sinn: Man benutzt nur die beiliegenden Einbau- und Justageschablonen. Existieren die nicht, verkauft man das Tonarm-Kunstwerk wieder oder fragt den Erfinder nach seinem Montageabstand und der Lage seiner Nulldurchgänge, die man notfalls auf einer Fremdschablone selbst markieren kann.

Plattenspieler justieren Drehzahl

© stereoplay

Die Überprüfung der Tellerdrehzahl (bei aufgelegtem Tonabnehmer) ist Pflicht und erfolgt am bequemsten mit einem Stroboskopsystem.

Tonarmhöhe einrichten

Bevor es an die Geometrie eines im angegebenen Montageabstand aufgebauten Tonarmes geht, sollte der Abtaster mit Nadelschutz vorläufig angeschraubt und angesteckt werden. Bei manchen Tonarmen geht das am besten vor dem Einbau ins Laufwerk. Anschließend tariert man den Arm laut Anleitung aus und stellt dann mithilfe einer elektronischen Tonarmwaage die Nenn-Auflagekraft ein (ohne Nadelschutz, versteht sich). Nun wird mithilfe der aufgelegten Schallplatte die Tonarmhöhe eingestellt; dazu richten wir das Armrohr parallel zur Schallplatten-Oberfläche aus.

Bei allen Aktionen schielen wir grundsätzlich immer zuerst auf den Lift: Steht er "oben"? Diese Sicherheitsmaßnahme ist unerlässlich und oft die letzte Rettung... Es ist meist sinnvoll, den Plattenteller dabei mit Klebeband festzulegen. Und eine Handvoll Kleinwerkzeug (Mini-Schraubendreher, Inbusschlüsselchen und Pinzette) erleichtert dem Analogfreak ebenfalls die Arbeit.

Plattenspieler justieren Auflagekraft

© stereoplay

Eine präzise elektronische Waage für die Auflagekraft ist ein unerlässliches, heutzutage bezahlbares Hilfsmittel. Allerdings muss unbedingt sichergestellt sein, dass man die Auflagekraft exakt auf der Höhe der Schallplatten-Oberfläche misst.

Um den Tonabnehmer präziser parallel zu den Hilfslinien einer Schablone einrichten zu können, ist es hilfreich, eine dünne Druckbleistiftmine mit einem kleinen Stück Klebeband vorne quer über das Tonabnehmergehäuse zu kleben; das Mehrgewicht ist nicht von Belang. Und nun ist auch klar, dass gerundete Tonabnehmergehäuse keine gute Idee sind. Bei "nackten" Abtastern kann man sich behelfen, indem man die Mine supervorsichtig quer über das vordere Joch klebt oder, viel besser, darüber noch eine gerade Fläche auf der Montageplatte vorfindet. Bei diesem Schritt ist Genauigkeit gefragt, aber man sollte sich auch nicht von Analog-Ultras ins Bockshorn jagen lassen, die für diesen Job eine Lupenbrille, ein Stereomikroskop und eine Mikrometerschraube einfordern?

Ist diese Arbeit, bei der gute Beleuchtung oder eine kleine Taschenlampe hilfreich ist, vollbracht, ist das Schlimmste eigentlich schon geschafft, und man überprüft nochmals die Auflagekraft sowie die Parallelstellung des Tonarms zur Plattenoberfläche. Anschließend kommt die Testschallplatte zum Zug: Die erste Prüfung gilt der Links-/rechts-Kanaleinteilung und der korrekten Phase. Fehler bei der Verdrahtung der winzigen Anschlusskäbelchen werden so entlarvt.

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