AVM Ovation CS 8.3 S im Test: Der Wolf im Schafspelz
AVM macht beim Ovation CS 8.3 S unter der Haube fast alles neu – für den besten AVM All-in-One, den es bislang gab. Der unscheinbare Alleskönner ist zugleich der Auftakt zu einer ganzen Reihe neuer Modelle.
„Gut’ Ding will Weile haben!“ Nach dem Einschalten dauert es etwa eine halbe Minute, bis die Röhrenvorstufe auf Betriebstemperatur ist. Vorher lässt sich der neue AVM Ovation CS 8.3 S auch nicht bedienen. Für echtes High-End muss man sich eben Zeit nehmen und in dem Fall der Anzeige beim He...
„Gut’ Ding will Weile haben!“ Nach dem Einschalten dauert es etwa eine halbe Minute, bis die Röhrenvorstufe auf Betriebstemperatur ist. Vorher lässt sich der neue AVM Ovation CS 8.3 S auch nicht bedienen. Für echtes High-End muss man sich eben Zeit nehmen und in dem Fall der Anzeige beim Herunterzählen zuschauen. Oder die Gelegenheit nutzen und den Blick über das makellos verarbeitete Gehäuse schweifen lassen. Die tief ins Material eingefrästen AVM-Logos – ein großes oben auf dem Gehäusedeckel und ein kleines auf der Front – lassen erkennen, dass hier aus dem Vollen gearbeitet wurde und höchste Qualität an erster Stelle steht. Frontplatte, Seitenwangen und Deckel sind aus massivem Aluminium gefertigt und formschlüssig mit Nut-Feder-Verbindungen zusammengefügt. Sichtbare Schrauben findet man außen nur auf der Rückseite des Geräts und am Gehäuseboden.
Dieser Konstruktionsaufwand dient nicht nur der Optik, sondern auch der Wärmeabfuhr. Immerhin steckt unter der unscheinbaren Haube ein Stereo-Endverstärker, der laut AVM satte 550 Watt pro Kanal liefert. In dieser Leistungsklasse warten andere Geräte üblicherweise mit martialischen Kühlrippen auf. Der Ovation CS 8.3 S hat das dagegen nicht nötig, weil er – wie seine Vorgänger – die Ausgangsleistung aus einem hocheffizienten Class-D-Verstärker mit Schaltnetzteil bezieht. Das hält nicht nur die Wärmeentwicklung in Grenzen, sondern auch das Gewicht. Denn obwohl für das Gehäuse wahrlich nicht an Material gespart wurde, bringt das Gerät nur etwa 15 Kilogramm auf die Waage und ist damit der beste Beweis, dass High-End nicht unbedingt wuchtig und schwer daherkommen muss.
„AVM-Geräte sollen das Wohnzimmer nicht dominieren, sondern sich unauffällig integrieren“, bringt es Udo Besser, der langjährige Geschäftsführer und Inhaber der Audio Video Manufaktur, auf den Punkt. Und so setzt der im Landkreis Karlsruhe beheimatete Hersteller seit Jahren auf sein zeitloses Design mit klaren Linien und reduzierter Formensprache, das sich konsequent durch alle Produktlinien zieht. Die zahlreichen Modelle lassen sich auf die Schnelle daher oft gar nicht so leicht unterscheiden, weil sich durch das flexible Baukastensystem von AVM mit überschaubarem Aufwand gleich ganze Serien mit unterschiedlichen Ausstattungsvarianten ableiten lassen, und die Modellbezeichnungen nicht unbedingt selbsterklärend sind.
Höchste Zeit für eine kurze Einordnung: Die „Ovation Line“ umfasst bei AVM die hochwertigsten und technisch anspruchsvollsten Geräte. Hier ordnet sich der Ovation CS 8.3 S als neues All-in-One-Flaggschiff ein. Er löst nicht nur die Vorgängermodelle CS 8.3 (16.000 Euro) und CS 8.3 „Black Edition“ (18.000 Euro) ab, sondern eröffnet auch die neue Ovation-S-Line.
Der Zusatz „S“ weist dabei auf den neuen S-DAC hin, ein steckbares DAC-Modul, das bislang unter der Bezeichnung „Ovation D/A Converter“ (2.700 Euro) als Upgrade für die Ovation Line angeboten wurde und in den neuen Geräten nun serienmäßig zum Einsatz kommt. Bestückt ist das Modul mit dem ES9038PRO aus der Sabre-Pro-Serie von ESS Technology, der zu den aktuell leistungsfähigsten und rauschärmsten D/A-Wandlerchips überhaupt zählt.
Die neue Ovation-S-Line macht dadurch sowohl technologisch als auch preislich einen deutlichen Schritt nach vorn: Für das vollausgestattete Topmodell sind nun knapp 21.000 Euro fällig. Dafür gibt es aber nicht nur den neuen S-DAC, sondern auch noch jede Menge Ausstattungsmerkmale, mit denen die direkten Vorgänger bislang noch nicht aufwarten konnten.
Alles neu
Einige der Neuerungen haben sich in den vergangenen fünf Jahren allerdings schon in anderen Modellen angekündigt. Der Generationszusatz „.3“ weist seit 2020 auf die mit dem Ovation CS 8.3 neu eingeführte X-Stream Engine samt neuer „RC X“-App hin, die das alte Streamingmodul und die „RC S“-App ablösten. Die wird seitdem kontinuierlich weiterentwickelt und unterstützt neben Spotify, Tidal und Qobuz auch einen Direktzugriff auf die kuratierten Inhalte des deutschen Spezialanbieters Highresaudio.
Neu hinzugekommen sind in der Ovation Line nun der HDMI-ARC-Anschluss für die Verbindung zum Fernseher und die topmodern auch per App parametrierbare Phonovorstufe, die aus der Evolution Line übernommen wurden. Als erstes Gerät von AVM bietet der Ovation CS 8.3 S auch eine USB-C-Buchse für eine direkte Audioverbindung zum Computer.
Leider läuft der Radioempfang weiterhin nur noch über das Internet; einen separaten Tuner gab es schon beim CS 8.3 nicht mehr. Dafür hat das neue Flaggschiff jetzt vier Boxenklemmen, sodass man bei Bedarf nun auch zwei Lautsprecherpaare ansteuern kann. Dazu kommen weitere Details, die von außen nicht zu erkennen sind. So ist zum einen direkt am Stromanschluss die für die Power Conditioner entwickelte Filtertechnik eingeflossen. Zum anderen wurde ein neuer Kopfhörerverstärker integriert, der mit exzellenten Messwerten punktet. Und zu guter Letzt wurden auch das Netzteil und die Verstärkerstufen überarbeitet, was nominell noch einmal 50 Watt mehr Ausgangsleistung bringt.
Im Hörraum wartete auf den kompakten Alleskönner eine echte Herausforderung: die knapp 1,90 m große und fast 100 kg schwere Nubert nuVero nova 18, die bei der Maximalpegelmessung sogar das hochbelastbare Equipment im Labor an seine Grenzen brachte. Der CS 8.3 S hielt die Boliden aber selbst im Bass souverän unter Kontrolle und zeigte sich auch dann noch weitgehend unbeeindruckt, als die Lautstärke immer weiter aufgedreht wurde. Klanglich arbeitete er gewohnt analytisch und präzise, mit einem Hauch charmanter Wärme, den vor allem die Röhrenvorstufe beisteuert. Wirklich verblüffend war allerdings, was die neue Architektur an zusätzlicher Plastizität und Transparenz freilegte und der Musik damit eine völlig neue Tiefe verlieh.
Fazit
Alleine die Ausstattung und die Spezifikationen machen den CS 8.3 S zu einem würdigen Flaggschiff der neuen Ovation-S-Serie. Die zahlreichen klangrelevanten Optimierungen heben ihn aber auch auf ein hörbar höheres Niveau.
Technische Daten
| Testmuster | AVM Ovation CS 8.3 S |
|---|---|
| Listenpreis (UVP) | 20.990 Euro |
| Garantie | 5 Jahre |
| KONTAKT | |
| Support | Audio Video Manufaktur GmbH, Malsch |
| Internet | avm.audio |
| info@avm.audio | |
| Telefon | +49 7246 30991-12 |
| Abmessungen (B×H×T) | 43 × 12,2 × 35 cm |
| Gewicht | 15 kg |
| Schwarz | Weiß (jeweils Pianolack) |
| ANSCHLÜSSE | |
| opt. Laufwerk / anschließbar | ✔/✘ |
| Analog-Eingänge | 1× Line (XLR/RCA), 1× Phono |
| Analog-Ausgänge | 1× Pre / 1× Line |
| Speicher USB / SD / intern | ✔/✘/✘ |
| Digital in AES / koax / opt. / HDMI | ✘/2/2/✔ |
| Digital out AES / koax / optisch | ✘/✔/✔ |
| Netzwerk | LAN/WLAN |
| FUNKTIONEN | |
| Display / Coveranzeige | ✔/✘ |
| Gerätetasten | ✔ |
| vollständige App-Steuerung | ✔ (AVM RC X) |
| Bluetooth send / receive | ✘/✔ |
| Gapless / Klangstel. / Balance | ✔/✔/✔ |
| Internetradio | ✔ |
| Netzwerkprotokolle | UPnP 1.1, UPnP-AV, DLNA |
| Streamingdienste | Tidal, Qobuz, Spotify, Highresaudio |
| Sprachsteuerung / Multiroom | ✘/✔ |
| Musikformate | WAV, AIFF, FLAC, ALAC, MP3,AAC, OGG, WMA, DSD |
| maximale Auflösung / Abtastrate | 32Bit/384 kHz; DSD: 11,3MHz |
| Besonderheiten | AirPlay 2, USB-C, Roon ready, Röhrenvorstufe, kundenspezifische Ausführungen möglich |
Notizen aus dem Messlabor
Das Ausgangssignal enthält geringe ungeradzahlige Oberwellenreste, vor allem k3 und k5 (grün, schwarz), die vor der Clipping-Grenze einen Anteil von 0,1 % erreichen. Der bei induktiver wie kapazitiver Belastung stabile Class-D-Amp zeigt auch im Hochton keine Lastabhängigkeit im Frequenzgang. Die Kanal-Leistung an 8/4/2 Ω: 172/344/231 W (kurzzeitig 450 W). Die variable Phono-Sektion ist rauscharm: MM 69 dB (mit System), MC 77 dB. Der Kopfhörerausgang punktet mit kleinem Quellwiderstand (7 Ω) und hoher Ausgangsspannung (5,8–8,6 V: 32/300 Ω). Stromverbrauch: 36–870 W.
Hinweis: Die Messergebnisse sind teilweise deutlich schlechter als beim Vorgängermodell. Das Testmuster stammte noch aus der Vorserienproduktion und war vermutlich defekt oder falsch konfiguriert.
Messwerte
| Testmuster | AVM Ovation CS 8.3 S |
|---|---|
| Ausgangsleitung (8/4 Ohm) | 171/340 W |
| Musikleistung (8/4/2 Ohm) | 172/344/231 W |
| Klirrfaktor (THD+N, 1 W) | 0,023 % |
| Rauschabstand (A-bewertet, 2->10 V, 8 Ohm) | 101 dB |
| Stromverbrauch (Standby/Leerlauf/max.) | 2,7/36/870 W |
Wer wir sind und wie wir testen
Die HiFi-Experten von connect.de bauen auf die geballte redaktionelle Kompetenz und über 45 Jahre Testerfahrung für die renommierten Fachmagazine AUDIO und stereoplay. Die 1978 gegründeten und 2023 unter dem Dach der WEKA Media Publishing GmbH fusionierten HiFi-Zeitschriften gelten als führende Testinstanz für HiFi, High End und Audiotechnik im deutschsprachigen Raum. Ein zentrales Alleinstellungsmerkmal ist das verlagseigene Testlabor, das auf Vergleichsdaten von Tausenden untersuchten HiFi-Geräten zurückgreifen kann. Das ermöglicht eine objektive Einschätzung von Testmustern anhand konkreter Messdaten – in der Branche und bei Lesern genießen die fundierten Testberichte daher einen exzellenten Ruf. Mehr Infos unter www.audio.de.
Detailfragen zu einzelnen Tests beantworten wir gerne unter leserbriefe@audio.de.
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