Testbericht

Accuphase DP 600

Der DP 600 von Accuphase legt angesichts seines 5stelligen Preises einen optisch erstaunlich "leisen" Auftritt hin und zeigt nur eine auf Hochglanz polierte Holzoberfläche. Understatement pur. Da müssen wir nicht groß die Küchenpsychologie bemühen: Der DP 600 ist eben ein japanischer, extrem klassischer Player.

  1. Accuphase DP 600
  2. Datenblatt
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© Archiv

Pirschen wir uns weiter von Außen nach Innen an. Womit alle in Berührung kommen: Schublade, Mechanik, Laufwerk. Bis in die Player-Klasse um 2000 Euro trifft man lieblose Klapper-Mulden an. Die Hersteller folgen dem Zwang des Geldes. Die Entwicklung eines eigenes Laufwerks frisst enorme Summen. Jeder BWL-Studienanfänger würde hier zum genormten Laufwerk von Sony oder Philips raten. Accuphase und McIntosh dürfen daran noch nicht einmal denken. Accuphase baut selbst - selbstverständlich!

Allerdings bleibt auch das Innere des DP-600 eine showfreie Zone. Eher die edel dezente Bank auf der Züricher Bahnhofstraße. Was noch an ein Finanzinstitut erinnert: Das Laufwerk gleicht einem Tresor, eine komplette Eigenentwicklung der Accuphase-Ingenieure. Eine Disklade aus eloxiertem Aluminium nimmt die Silberscheiben entgegen und lässt sie im vollverkapselten Laufwerk mit "besonders niedrigen Schwerpunkt für noch effizientere Vibrationsunterdrückung" rotieren. Eine Beschreibung wie aus dem Prospekt eines Luxussportwagens.

Mit Turbo werden auch die Daten gedoppelt: Das SACD-Signal wird mit Faktor zwei von 2,8224 MHz auf 5,6448 MHz/1-Bit erhöht. Danach springt ein Superrechner an: Der ausgelesene Stream wird in fünf Stufen um je einen Taktzyklus verschoben - gleich sechs Digitalströme erreichen so sechs eigenständige MDS++-Wandler. Der Aufwand folgt der Logik eines "gleitenden Mittelwert-Filters". Wer die digitale Sprache ein halbes Dutzend Mal ins Analoge übersetzt, kann sich faktisch keine Übersetzungsfehler leisten. Anschließend wachen Tiefpass-Filter über die perfekte Phase und Butterworth-Filter über mögliche Treppeneffekte im Frequenzgang.

Wenn Esa-Pekka Salonen auf SACD seine Musiker und Tontechniker in Strawinskys "Sacre du Printemps" stürzt, dann will man die Große Trommel als fellbespanntes Ungetüm in der hinteren Konzertsaalecke hören und eben nicht als diffuses Grummeln. Hier zeigte Accuphase den Kern des Firmennamens und blieb höchstgradig sauber und klar. Der DP 600 erlaubte sich in unserem Test keine kritischen Phasenunkorrektheiten, die Basis so mancher Nervosität im Klangbild sind. Stattdessen verbreitete diesesr noble Japaner geradezu analoge Ruhe und Konzentration. Er ist klar einer der humansten Player des Weltmarktes. Aber damit auch ein Weichzeichner, gegenüber dem drahtigen McIntosh? Eben nicht. Der Accuphase zeichnete genauso fein Raum, Dynamik, Drive nach. Er lag aber in der Definition von Klangfarben vor seinem US-amerikanischen Klassengenossen. Gerade Stimmen verlieh der DP 600 dieses Mehr an Körper und "Hier-im-Raum", alles nicht freundlich hinzuerfunden, sondern klar nachvollziehbar im Digital-Code hinterlegt.

Überhaupt - die Kunst, das Maximum aus jeder Silberscheibe zu holen: Die Logik sagt, dass zwischen dem Hochbitsignal der SACD und dem alten PCM gewaltige Unterschiede bestehen müss-ten. Diese beiden Player feiern zwar die Kraft von "Super Audio", heben die CD aber fast auf gleiches Niveau. Wir staunen und freuen uns beim Blick in unsere "alte" CD-Sammlung.

Accuphase DP-600

HerstellerAccuphase
Preis12000.00 €
Wertung135.0 Punkte
Testverfahren1.0

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Wer ist die Nummer eins? -

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