24-Stunden-Test

Apple Watch - Ein Tag mit der Apple-Uhr

Als leidenschaftlicher Uhrenträger und iPhone-Nutzer war ich gespannt auf meinen ersten Testlauf mit der Apple Watch. Was kann das Wearable aus Cupertino? Würde sich eine Smartwatch gut in meinen Alltag integrieren? Habe ich überhaupt Bedarf für solch ein Gadget? Und vor allem: Würde ich die Watch am Ende wieder zurückgeben wollen?

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Natürlich ist ein einzelner Tag mit der Apple Watch nicht repräsentativ für einen richtigen Test. In etwas mehr als 24 Stunden lassen sich keine endgültigen Aussagen über die Apple-Smartwatch und ihren Alltagsnutzen treffen. Zumal ich als mäßig aktiver Zeitgenosse den vollen Funktionsumfang der Apple Watch gar nicht ausgeschöpft habe. Immerhin legt Apple mit seiner Smartwatch besonderes Gewicht auf den Fitnessbereich.

Doch für einen ersten, subjektiven Eindruck genügte die Zeit allemal - und nur als solcher sollte der folgende Erlebnisbericht unbedingt verstanden werden.

Um die kostbare Zeit mit der Uhr nicht zu verschenken, hatte ich die Einrichtung der Apple Watch bereits am Vortag vorgenommen und - gelebtes Männerklischee - das Lesen jeglicher Anleitungen  bleiben gelassen.

Verzeihliche Kinderkrankheiten

Und eine Anleitung ist in der Tat nicht notwendig. Die Bedienung der Apple Watch ist durchdacht und intuitiv zu erfassen. Die Software Watch OS 1.0 wirkt makellos. Langwierige Konfigurationen sind nicht nötig. In der Apple Watch App auf dem iPhone lassen sich Benachrichtigungen, Kontakte und andere Grundeinstellungen schnell überprüfen und gegebenenfalls anpassen.

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Etwas verwirrender wird es erst, wenn's um die Details geht. Denn als am Morgen des Testtages die ersten Nachrichten eintreffen, zeigt sich schnell: Nicht immer ist klar, welche App in ihrer derzeitigen Version welche Funktionen auf der Watch anbietet - gerade wenn die Anwendungen nicht von Apple selbst stammen.

So werden Textnachrichten von WhatsApp zwar auf der Apple Watch angezeigt, lassen sich aber nicht beantworten. Apples eigene Nachrichten, die iMessages, können hingehen gelesen und beantwortet werden. Dies jedoch wiederum nur per vorgegebener Standardantworten oder mittels Spracheingabe. Aber wer will schon lauthals ins Handgelenk rufen: "Melde mich später, sitze gerade in einer langweiligen Besprechung." Zum diskreten Schreiben dieser Nachricht muss das iPhone in die Hand genommen werden, die Watch ist hier nutzlos.

Watch OS: Update für die Apple Watch im Juni?

Die als großes neues Feature vorgestellten Touch-Nachrichten, die sich Apple-Watch-Nutzer untereinander zukommen lassen können, funktionierten im Ein-Tages-Test nicht immer wie gewünscht. Der Kontakt, dem ich zu Testzwecken Taps, Scribbles und meinen Herzschlag übermittelt hatte, konnte diese zwar empfangen. Seine Antworten fanden aber nie den Weg zurück auf meine Apple Watch. Doch wenn ich diese Funktion nicht hätte unbedingt einmal ausprobieren wollen, wüsste ich ohnehin nicht, wann und an wen ich jemals so eine Spielerei verschicken wollen sollte. Jüngere Nutzer mögen ihren Spaß damit haben, doch welcher Jugendliche kann sich wirklich eine Apple Watch leisten?

Insofern sind die Kinderkrankheiten bei der Touch-Übermittlung zwar verwunderlich, fallen aber nicht ins Gewicht. Die normale Nutzung der Smartwatch behindern sie schließlich keineswegs.

Gute Verarbeitung, kleinere Tücken

Das Display ist auch mit der kleinsten Schriftart überraschend gut lesbar. Insgesamt wirkt die Verarbeitung hochwertig. Egal ob das wenige Monate alte Töchterlein am Armband zog oder ich fleißig mit dem Putzlappen zugange war, ich bekam niemals das Gefühl, ein sehr anfälliges und besonders schutzbedürftiges Technik-Gadget am Arm zu tragen.

Die Apple Watch behindert nicht mehr und nicht weniger als jede andere Armbanduhr. Auch das Gewicht der 42mm-Variante machte sich nicht negativ bemerkbar.

Die Fitness-Erinnerungen und -Auszeichnungen sind netter Ansporn zur Bewegung. Verwunderlich war aber, dass mich die Apple Watch ausgerechnet dann zum Aufstehen ermahnte, als ich gerade mit dem Staubsauger durch die ganze Wohnung gelaufen war.

Auch funktionierten die gesammelten Bewegungsinformationen nicht im Zusammenspiel mit meiner etwas unbekannteren Fitness-App. Große Anbieter wie Runtastic werden hingegen schon unterstützt. Sportlern mag die Apple Watch daher ein Fitness-Armband ersetzen. Gerade die Möglichkeit, Musik auf der Uhr abzuspeichern, sodass man iPod und iPhone beim nächsten Lauf zuhause lassen kann, ist verlockend.

Das Freisprechen bei Telefonaten funktionierte tadellos. Dumm nur, dass ich mein iPhone bereits mit einer Freisprecheinrichtung im Auto via Bluetooth gekoppelt habe. Während der nachmittäglichen Fahrt musste ich mich somit für eine von beiden Anrufoptionen entscheiden. Es gelang mir nicht, mit Siri über die Watch ein Telefonat zu starten und dieses dann über die Auto-Lautsprecher zu hören. Der Ton kam in diesem Fall nur aus der Apple Watch.

Zudem hat die freihändige Bedienung einige Grenzen. So simpel es ist, einen Text direkt zu diktieren, statt ihn tippen zu müssen: Wenn ich dann zum Versenden noch einmal auf die Apple Watch drücken muss, entspricht das nicht meiner Vorstellung von freihändig.

Positive Überraschung: Akkulaufzeit

Nach all den Hiobsbotschaften über die Akkulaufzeit der Apple Watch, die nicht einmal 20 Stunden betragen sollte, hatte ich mich auf das Schlimmste eingestellt. Auch mit der Energiesparfunktion "Gangreserve" hatte ich mich bereits vertraut gemacht. Diese schaltet sämtliche Funktionen außer der reinen Uhrzeitanzeige ab, um die letzte verbleibende Akkupower noch optimal auszunutzen und den Besitzer nicht mitten in der Nacht völlig ohne Chronometer dastehen zu lassen.

Doch dann die Überraschung: Im normalen Alltagsbetrieb ohne spezielle Anforderungen hielt das Wearable bei mir mühelos einen ganzen Tag durch. Vielleicht sende und empfange ich zu wenige Nachrichten, vielleicht bin ich an einem normalen Tag zu wenig im Netz unterwegs (wobei ich denke, dass mein privates Umfeld das wohl bestreiten würde), doch mit der Akkulaufzeit hatte ich keinerlei Probleme.

23 Stunden und 10 Minuten nach der letzten Aufladung zeigte die Akku-Anzeige noch immer gut 30 Prozent verbleibende Power an.

Wenn jemand unentwegt Nachrichten erhält, andauernd seinen Puls misst und immer wieder Twitter checkt, mag die Batterie schneller schlapp machen. Doch das kennt man heutzutage auch vom Smartphone: Auf einer langweiligen Zugfahrt, während der man viel im Netz surft oder ein Video nach dem anderen ansieht, macht das beste Gerät natürlich viel schneller schlapp als einfach nur im Standby.

Bei gelegentlichem Empfang von iMessages, dem Lesen einiger E-Mails und Nachrichten sowie Siri-Anfragen in normalem Umfang musste ich bei der Apple Watch jedenfalls nie einen Stromausfall befürchten.

Uhrenträger können die Watch lieben lernen

Könnte ich das Testgerät einfach behalten, ich müsste nicht zweimal darüber nachdenken. Die Apple Watch würde sich in meinen Alltag als iPhone-Heavy-User bestens einfügen. Das Ding zu kaufen? Diese Entscheidung fiele deutlich schwerer. Allzu oft ertappte ich mich dabei, doch wieder das iPhone zur Hand zu nehmen, weil mir bestimmte Funktionen auf dem Minidisplay nicht direkt zur Verfügung standen.

Wie zufrieden man mit der Apple Watch sein kann, hängt daher in großem Maß davon ab, was man in dem Wearable sieht und was man von einer Smartwatch erwartet. Versteht man die Apple Watch als modische Uhr mit Zusatzfunktionen, ist sie eine tolle Weiterentwicklung eines bekannten Konzepts. Auch als Fernbedienung des iPhones funktioniert sie prima.

Doch der Gewinn an Bequemlichkeit ist hierbei so gering, dass er kaum ins Gewicht fällt. Der Anschaffungspreis schon eher.

Fazit: Es ist eine Uhr, eine gute Uhr

Während meines Tages mit der Apple Watch musste ich immer wieder an einen Eierschalensollbruchstellenverursacher denken. Kennen Sie nicht? Das ist ein Gerät, das das Öffnen gekochter Eier erleichtert. Es sieht gut aus, kostet etwas mehr als nötig und tut das, was es tun soll, recht zuverlässig. Doch alles, was der Eierköpfer kann, lässt sich ohne Probleme auch mit einem wesentlich günstigeren Eierlöffel bewerkstelligen. Das Design-Gadget macht Spaß, doch die Verbesserungen zur bisherigen Art und Weise sind marginal.

Ähnlich verhält es sich mit der Apple Watch. Die Apple Watch kann im Grunde nichts, was das aktuelle iPhone nicht auch kann. Dass man das Apple-Smartphone sowieso besitzen muss, um die Apple-Smartwatch überhaupt ordentlich nutzen zu können, lässt ihren Mehrwert sogar noch geringer erscheinen.

Die Apple Watch ist die beste Verlängerung, die sich ein iPhone-Nutzer für sein Handy wünschen kann. Wie viel einem dieser Luxus wert ist, muss letztlich jeder selbst entscheiden.

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