Testbericht

Musical Fidelity AMS-50

Da die neue Musical-Fidelity-Endstufe ein einhäusiges Stereogerät ist, braucht man dafür nur ein Netzkabel. Schon mal ein Argument für die AMS-50 - das aber im selben Moment, in dem man versucht sie im Hörraum zu bewegen, nur wenig Überzeugungskraft besitzt.

  1. Musical Fidelity AMS-50
  2. Datenblatt
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© Archiv

Eher möchte man Anthony Michaelson verfluchen, den Musical-Fidelity-Gründer, der diesem obszön großen, unhandlichen und mit über 60 Kilogramm mörderisch schweren Kraftbrocken seine Initialen verliehen hat: Ausgeschrieben heißt AMS "Anthony Michaelson Signature".
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© Herbert Härle, Hersteller

Da die neue Musical-Fidelity-Endstufe ein einhäusiges Gerät ist, braucht man nur ein Netzkabel.

Das enorme Gewicht gewinnt an Nachdruck, wenn die Endstufe erst kurz vor dem Transport abgeschaltet wurde und der ganze Metallwürfel zu allem Überfluss dann auch noch kochend heiß ist: Im Leerlauf verheizt die AMS-50 mit 500 Watt glatt das Fünffache ihrer 8-Ohm-Nennleistung. Damit gehört sie zur seltenen Gattung der hundertprozentigen Class-A-Endstufen: Durch einen extrem hohen Ruhestrom bleiben selbst bei voller Aussteuerung die Transistoren in beiden Gegentakt-Hälften der Endstufe leitend, ohne je in den verzerrungsträchtigen Nulldurchgangs-Bereich zu gelangen. Das ist ungefähr so, als würde man, um Ruckeln bei niedrigen Drehzahlen zu vermeiden, das Standgas seines Autos hochschrauben, bis der Begrenzer einsetzt, und fürderhin nur noch mit Kupplungspedal und Bremse fahren.

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© Herbert Härle, Hersteller

Jeder Kanal hat seinen eigenen Ringkerntrafo.

Was der Automobilist "Laufkultur" nennt, erzielt der Verstärkerbauer durch einen vollständigen Doppelmono-Aufbau mit zwei symmetrischen Brückenendstufen, die mit ihrer gleichmäßigeren Netzteilbelastung nebenbei auch noch den Störabstand maximieren sollen. Laut Michaelson ist der AMS-50 der erste Class-A-Amp überhaupt in dieser Bauweise und Leistungsklasse. Viele weitere wird es wohl schon deshalb nicht geben, weil die EU-Bürokratie derart ineffizienter, stromhungriger Unterhaltungselektronik den Kampf angesagt hat und noch nicht klar ist, ob die Brüsseler Vielflieger den feinen Unterschied etwa zwischen millionenfach verramschten, permanent laufenden TV-Geräten und den zahlenmäßig völlig irrelevanten High-End-Verstärkern verstehen werden. Wer schon immer mal Class A hören wollte, sollte also nicht lange trödeln.

Im direkten Shoot-Out wirkte die messtechnisch klar schwächere Musical Fidelity ihren Konkurrenten ausgerechnet in puncto Klang-Kraft überlegen. Selten hat eine Endstufe die Dub-Reggae-Bass-Bollwerke von Rhythm & Sound ("W/The Artists", Indigo) wuchtiger und überzeugender in Stellung gebracht als die AMS-50. Dass die Boxen, wie immer ein Paar Reference 207/2 von KEF, im Tiefton durchaus anspruchsvoll waren, schien die Britin dabei nicht im Geringsten zu stören - bis sie sich, allerdings bei wirklich irrsinnigen Pegeln, dann doch in milde einsetzendes Clipping verabschiedete und der real stärkeren Audionet den Vortritt ließ.

Musical Fidelity AMS-50

HerstellerMusical Fidelity
Preis9700.00 €
Wertung125.0 Punkte
Testverfahren1.0

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