Testbericht

Yamaha RX-V 2700

Auf den ersten Blick sieht der RX-V 2700 exakt aus wie sein Vorgänger 2600. Doch die Yamaha-Entwickler haben an ihrem Receiver-Star nicht nur den Aufdruck geändert.

  1. Yamaha RX-V 2700
  2. Datenblatt
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© Archiv

Der Yamaha RX-V 2700 sieht von vorn betrachtet identisch aus wie sein Vorgänger. Einziger Unterschied bei geschlossener Abdeckklappe: kein THX-Logo.

Richtig gespart

Das THX-Logo ist tatsächlich verschwunden - was den Yamaha-Planern zumindest in der AUDIO-Redaktion niemand verübelt, denn die Zertifizierung kostet Geld und bringt sonst nicht viel. Selbst wer mit einem THX-Boxenset liebäugelt, etwa von Teufel, muss sich nicht gleich vom 2700 abwenden - solange die Trennfrequenz zum Woofer korrekt auf 80 Hertz steht, müssen die Boxen auch am RX-V 2700 keinen Deut schlechter spielen. Zumindest wäre daran nicht das Fehlen des THX-Wiedergabemodus schuld. 

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© Foto: H.Härle

Drei HDMI-Inputs (ganz links) für Blu-ray & Co.

Hinter der Frontklappe der erste Neuzugang: ein USB-Port. Kann man immer brauchen, etwa um MP3-Dateien von kleinen Mobilplayern, Speichersticks oder Kartenlesern in den Receiver zu saugen. Für den iPod gibt's natürlich ein maßgeschneidertes Dock als Zubehör (80 Euro), das am Heck des Receivers mit voller Fernbedien- und On-Screen-Unterstützung Anschluss findet. Erschließt das Dock eine neue, üppige Musikquelle, sprudelt über die ebenfalls neue Ethernet-Buchse gleich eine ganze Datenflut: Der 2700 ist Netzwerk-tauglich.

Wozu Netzwerk?

Der unscheinbare Anschluss führt im Yamaha zu einem kleinen Computer, der den Receiver mit anderen Computern, Netzwerk-Speichern oder auch dezidierten Musik-Servern (wie dem Yamaha-eigenen MusicCast) kommunizieren lässt. Das öffnet potenziell nahezu unendlich große Festplatten-Musikbibliotheken für den Zugriff via Fernbedienung und On-Screen-Display.

Ist ein schneller Internet-Zugang vorhanden, öffnet sich das Ethernet-Tor nicht nur ins heimische Computernetz, sondern in die ganze Welt: Der Yamaha kann das eigene Musikmenü dann noch mit ein paar tausend Webradio-Stationen anreichern. Da diese zumeist nicht besonders vollwertige Datenkost liefern, hält der 2700 ein DSP-Programm namens "Compressed Music Enhancer" bereit, das speziell darauf programmiert wurde, die klanglichen Auswirkungen drastischer Datenreduktion zu lindern. Wer kein Verständnis dafür hat, dass Speicherkapazitäten, Rechen- und Datentransfergeschwindigkeiten zwar rasant steigen, die allgemein für noch zumutbar gehaltene Audioqualität aber exakt im gleichen Maße sinkt, dem geht es wie der AUDIO-Redaktion - die ist erfreut, dass sich auch am anderen Ende der Qualitätsskala etwas tut. Mit seinen drei (der 2600 hatte nur zwei) HDMI-Eingängen nach dem jüngsten Standard 1.2a ist der Yamaha noch besser als sein Vorgänger für Hochauflösendes in Mehrkanal gerüstet.

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© Foto: H.Härle

Versteiftes Gehäuse, klassische Konvektionskühlung statt Lüftertunnel.

Den größten Anteil an der HDMI-Datenfracht hat freilich das Bild. Wie schon der 2600 schaltet der 2700 digitale Videosignale um, wandelt analog ankommendes Material in HDMI und passt es sogar in der Bildzeilenzahl an die verfügbare Bildschirmauflösung an (Skalierung). Das digitale Bild-Handling - wegen des komplexen HDMI-Standards notorisch zickig - läuft beim neuen Yamaha jedoch glatter, flotter und problemloser.

Lüfterlos leise

Die neuen Features hätte man auch ohne Änderungen am Verstärker-Grundgerüst einbauen können. Dennoch konstruierte Yamaha praktisch den kompletten Amp neu. Die Endstufen kommen nun endlich ohne den beim Vorgänger nervenden Lüfter aus, die Vorstufe bekam eine noch störungsärmere Stromversorgung. Praktisch keine Baugruppe übernahmen die Japaner eins zu eins.

Hörtest

Im Hörtest interessierte vor allem der Vergleich mit dem Vorgänger RX-V 2600. In Stereo nahmen sich die äußerlich so ähnlichen, innerlich so verschiedenen Brüder nichts. Auch der 2700 zauberte - für Receiver-Verhältnisse - verblüffend weite Räume und klare, unaufdringlich natürliche Klangfarben, kombiniert mit einem wohlproportionierten, dynamikstarken Tiefton-Fundament.

Im Hörvergleich mit Mehrkanalton in DTS und Dolby Digital trat der Bass über den neuen Yamaha nochmals deutlich dominanter in Erscheinung als über den RX-V 2600, der für Yamaha-Verhältnisse auch schon recht kräftig klang. Film-Soundtracks konnten ihre dramaturgische Aufgabe damit noch besser erfüllen, nur bei Mehrkanal-Musik bevorzugten die Tester den reineren, feineren Obertonbereich des Vorgängers. Frauenstimmen, Stahlsaiten oder Percussion-Instrumente stellte der Ältere noch unverwechselbarer dar, die Klangbalance des Neuen wirkte zwar weicher, aber eben auch einen Hauch weniger authentisch.Eine Abwertung der Surround-Note auf 85 Punkte rechtfertigt der feine Unterschied nicht. 88 Punkte passen besser. Filmfans können auf 90 aufrunden, auch für Mehrkanal-Musikhörer dürfte der unter allen Bedingungen geräuschlose Betrieb schwerer wiegen als diese Differenz.

Fazit

Einen so guten Receiver wie den 2600 komplett umzukrempeln, bedeutet ein gewisses Risiko. Umso eindrucksvoller, dass der RX-V 2700 in seinen wesentlichen Qualitäten exakt an den Vorgänger anknüpft - und ihn mit besseren Praxiseigenschaften sowie zusätzlichen verlockenden Features sogar distanziert.

Yamaha RX V 2700

HerstellerYamaha
Preis1500.00 €
Wertung57.0 Punkte
Testverfahren1.0

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