Mobilfunk-Technik

Internet im Flugzeug - bald auch in Europa

Seit Anfang Februar ist das „European Aviation Network“ (EAN) in Betrieb. Es verspricht Flugpassagieren schon bald Internetzugang auch auf innereuropäischen Flügen.

Inhalt
  1. Internet im Flugzeug - bald auch in Europa
  2. Deutsche Funkturm - was steckt dahinter?
Internet im Flugzeug

© British Airways

Internet im Flugzeug

Während eines Flugs im Web surfen, Social-Media-Dienste nutzen, chatten oder E-Mails beantworten – diesen Komfort kennen europäische Fluggäste bislang nur von Interkontinentalflügen. Doch das soll sich in Kürze ändern – dank des European Aviation Network (kurz EAN), das Anfang Februar seinen Betrieb aufgenommen hat. Dieses spezielle Netz dient der Internetversorgung von Verkehrsflugzeugen und wurde als Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Telekom und des Satellitenbetreibers Inmarsat umgesetzt.

Das EAN besteht zum einen aus dem von Inmarsat betriebenen EAN-Satelliten, der im Juni 2017 vom Weltraumzentrum Guayana in Kourou, Französisch-Guayana, gestartet wurde. Seit September 2017 ist er voll einsatzfähig. Zum anderen basiert das Netz auf rund 300 über ganz Europa verteilten Bodenstationen. Letztere versorgen die Flugzeuge über eine spezielle LTE-Variante vom Boden aus. Die Realisation der speziellen LTE-Komponente für EAN übernahm zu großen Teilen die Telekom-Tochterfirma Deutsche Funkturm in Zusammenarbeit mit Nokia.

Stark modifizierte LTE­-Technik 

Auch wenn die Bodenverbindung auf LTE-Technik basiert, musste sie zur Versorgung von Flugzeugen im Reiseflug doch erheblich modifiziert werden. Schließlich beträgt die relative Geschwindigkeit der Maschinen zum Boden bis zu 1200 km/h. Und die Signale müssen sie in Flughöhen zwischen drei und zwölf Kilometer erreichen. Die „Funkzellen“ haben Durchmesser von bis zu 150 Kilometer.

Das Konzept des EAN sieht vor, dass die Verbindung im Flugzeug ständig gleichzeitig zum Satelliten als auch zum LTE Bodennetz besteht. Das System an Bord der Flugzeuge entscheidet, wann es den Verkehr zusätzlich zur Satellitenverbindung auch über die LTE-Komponente leitet. Dies gilt gleichermaßen für den Downlink wie auch für den Uplink (also den Rückkanal).

Das EAN-Netz verspricht jedem versorgten Flugzeug zu Beginn eine Bandbreite von 75 Mbit/s, die alle teilnehmenden Passagiere untereinander teilen müssen. Die Latenz ist mit unter 100 Millisekunden im Vergleich zu herkömmlichen rein Satelliten-gestützten Systemen sehr gering. Nehmen Nutzerzahlen oder die Anforderungen an die Datenrate zu, soll die Kapazität schnell skalierbar sein.​

Internet im Flugzeug - EAN-Antennen

© Anbieter

Links: Die EAN-­Bodenstatio­nen, wie hier in Norwe­gen, wurden bevorzugt auf Bergen und ande­ren hohen Standorten errichtet. Mitte: Der von Inmarsat betriebene geo­stationäre S-­Band­-Satellit ist seit September 2017 voll einsatzfähig. Rechts: Zum Teil wurden für die EAN­-Bodenstationen auch vorhandene Antennenstandorte genutzt. Doch die EAN­-Antennen strahlen nicht auf den Boden, sondern Richtung Himmel.

Sowohl Satellit als auch EAN-Bodenstationen nutzen für die Übertragung das „S-Band“: Der Downlink wird im Frequenzbereich von 2170 bis 2200 MHz übertragen, der Uplink von 1980 bis 2010 MHz. Für die zentrale Steuerung des Kommunikationsverkehrs und die Abrechnung seiner Nutzung ist ein in Amsterdam betriebener EAN-Server zuständig.​

Bevor die Projektpartner das EAN vor wenigen Wochen für voll einsatzbereit erklärten, führten sie eine Vielzahl von Testflügen durch, mit denen sie die Leistung und Funktionsfähigkeit des Netzes überprüften. Nun beginnen erste Fluggesellschaften damit, ihre Maschinen für die kommerzielle Nutzung auszurüsten. Dazu müssen die Techniker EAN-Antennen unten am Rumpf und oben auf dem „Dach“ des Fliegers installieren, außerdem einen Bord-Server und mehrere über die Kabine verteilte WLAN-Access-Points.​

Ein einzelnes Flugzeug soll sich innerhalb einer Nacht bestücken lassen, die Aufrüstung ganzer Flotten soll innerhalb weniger Monate möglich sein. Als ersten Kunden hat das Betreiberkonsortium die International Airlines Group (IAG) angekündigt, in der Fluggesellschaften wie British Airways, Iberia, Aer Lingus und Vueling organisiert sind. Aber auch die Deutsche Lufthansa mit ihren verschiedenen Tochtergesellschaften und weitere Airlines sind an einer Nutzung des EAN hoch interessiert und befinden sich bereits in entsprechenden Verhandlungen.​

Internet im Flugzeug - EAN LTE basiertes Bodennetzkarte

© Anbieter

Rund 300 EAN-­Boden­stationen sind über ganz Europa verteilt und bieten Flugzeugen Internetverbindung im europäischen Luftraum.

Bald im kommerziellen Betrieb 

Passagiere können sich also darauf freuen, dass Airlines, die das EAN nutzen, noch im Lauf des Jahres 2018 Internetverbindungen auf innereuropäischen Flügen anbieten dürften. Aussagen zu den Kosten hat noch keine Fluggesellschaft getroffen – es ist jedoch anzunehmen, dass sie in ähnlichen Größenordnungen liegen werden wie bei der Internetnutzung auf Interkontinentalflügen. 

Dort berechnet etwa die Lufthansa für ihr „Flynet“ 10,95 Euro pro Stunde oder 19,95 Euro für 24 Stunden. Vielflieger können die Netzanbindung über den Wolken alternativ auch mit gesammelten Meilen bezahlen.

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