Hersteller-Garantie

Wasserdichte Smartphones: Wer zahlt bei Wasserschäden?

Viel versprechen, wenig halten - das ist die Realität in Sachen „wasserdichte Handys“. Geht das Handy aufgrund eines Wasserschadens kaputt, können Apple, Samsung und Co. die Garantie bequem verweigern. Wir zeigen, wie Sie sich schützen.

Smartphone im Wasser

© kelly marken / Fotolia.com

Viele aktuelle Smartphones sind laut Herstellerangaben wasserdicht. Dennoch sind Wasserschäden häufig von der Garantie ausgeschlossen.

Neben gesprungenen Displays zählen Wasserschäden zu den größten Gefahren für Handys. Da überrascht es nicht, dass sich Handys besonders gut verkaufen, wenn sie als „wasserdicht“ beworben werden. Besonders beliebte Motive: Mit Wassertropfen benetzte Handys und fröhliche Menschen im Pool, die sich unbesorgt mit dem teuren Top-Smartphone fotografieren.

Ein kritischer Blick ins Kleingedruckte von Apple, Huawei, LG, Samsung und Sony zeigt aber, dass dieses Versprechen nur wenig wert ist. Unter Berufung auf die Garantiebedingungen können alle fünf Hersteller die kostenlose Reparatur beziehungsweise den Austausch des Geräts verweigern, wenn es tatsächlich zu einem Flüssigkeitsschaden kommt.

LG G7 ThinQ

© LG

Smartphone-Hersteller, wie hier LG beim G7 ThinQ werben gerne damit, dass ihre Geräte wasserdicht sind.

Das verspricht die Werbung

In der Werbung arbeiten viele Hersteller gerne mit der Angabe von Schutzklassen. Das verspricht Sicherheit und die verkauft sich gut. „Zertifiziert nach IP67“ oder „wasserdicht nach IP68“ sind gängige Formulierungen. Dabei steht „IP“ für „International Protection“ (Internationaler Schutz). Die „6“ an der ersten Stelle kennzeichnet komplett staubdichte Geräte. Wichtig in Sachen Flüssigkeit ist die zweite Ziffer. Eine „7“ steht hier für den Schutz bei „zeitweiligem Untertauchen“, eine „8“ für den bei „dauerhaftem Untertauchen“.

Aber aufgepasst, die Hersteller interpretieren bereits die Schutzklassen viel enger, als es Otto Normalverbraucher tun würde. „Dauerhaft“ bedeutet üblicherweise nur „bis zu 30 Minuten“. Weitere Einschränkungen kommen hinzu, zum Beispiel hinsichtlich der Tiefe (typischerweise maximal 1 Meter) und der Wasserart (kein Chlorwasser, kein Salzwasser). Dass Pool- und Strandfotos in der Werbung etwas anderes nahelegen - egal.

Lesetipp: wasserdichte Smartphones- eine Übersicht

Huawei Garantiebedingungen

© Huawei

In ihren Garantiebedingungen schließen viele Smartphone-Hersteller Flüssigkeitsschäden aus, wie hier bei Huawei.

Das steht in den Garantiebedingungen

Selbstverständlich ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ein „wasserdichtes“ Handy robuster ist als ein Gerät, dem diese Auszeichnung fehlt. Es wird den Regenguss beim Open-Air-Konzert, Spritzer beim Fotografieren im Pool oder die Überflutung durch ein umkippendes Wasserglas mit einer höheren Wahrscheinlichkeit unbeschadet überstehen. Nur verlassen sollten Sie sich darauf nicht. Geht das Smartphone durch Feuchtigkeit kaputt, lässt der Hersteller Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auf dem Schaden sitzen.

Das steht im Kleingedruckten:

  • Apple: „Der Schutz vor Spritzern, Wasser und Staub ist nicht dauerhaft und kann mit der Zeit als Resultat normaler Abnutzung geringer werden. Die Garantie deckt keinen Flüssigkeitsschaden ab.“ (Quelle)
  • Huawei: „Diese Garantie deckt Defekte oder Schäden durch Folgendes nicht ab: … Defekte oder Schäden durch Verschütten von Essen oder Flüssigkeiten …“ (Quelle)
  • LG: „Die Garantie schließt aus … Schäden (z.B. Kratzer, Dellen), hervorgerufen durch äußere Einwirkungen, Flüssigkeiten …“ (Quelle)
  • Samsung: „In folgenden Fällen werden von Samsung keine Garantieleistungen erbracht: … Das Produkt wurde Flüssigkeiten/Chemikalien jeglicher Art und/oder extremen Temperaturen, Nässe oder Feuchtigkeit ausgesetzt.“ (Quelle)
  • Sony: „Diese Garantie deckt nicht: … Schäden oder Veränderung am Produkt verursacht durch … Unfälle, Feuer, Flüssigkeiten, Chemikalien, andere Substanzen, Überflutung …“ (Quelle)

Feuchtigkeitsschäden lassen sich übrigens recht leicht nachweisen. Im Inneren vieler Geräte sitzen Messstreifen, die sich bei Kontakt mit Feuchtigkeit dauerhaft verfärben. Natürlich können Hersteller aus Kulanzgründen auf die allzu strenge Durchsetzung ihrer Garantiebedingungen verzichten. Aber ein Anspruch darauf besteht nicht.

Yosh wasserdichte Handyhülle

© Yosh

Wasserdichte Handyhüllen wie die Yosh können auch bei IP-zertifizierten Smartphones als zusätzlicher Schutz beim Einsatz am Strand oder Pool sinnvoll sein.

So schützen Sie sich

Was nutzt ein Schutz, zu dem nicht einmal der Hersteller steht? Smartphones sind nicht wasserdicht - anders lassen sich die Garantiebedingungen der großen Hersteller nicht interpretieren. Demzufolge gilt, dass sie im oder in der Nähe von Wasser nichts verloren haben. Eine Ausnahme von dieser Regel gibt es nur für Handys, die in einer wasserdichten Hülle stecken. Zum Beispiel bei Amazon finden Sie die DiCaPac Action WP-2CA​, die EOTW IPX8​ und die Yosh, die sich für viele verschiedene Smartphone-Modelle eignen. Die Hülle Ihrer Wahl sollten Sie im Waschbecken testen, bevor Sie ihr das Smartphone anvertrauen.

YouTube-Suche iPhone wasserdicht

© YouTube

Wie viel Wasser ein Smartphone aushält muss man nicht selbst ausprobieren. Zahlreiche YouTuber haben das bereits mit diversen Geräten getestet.

Wie gut ein „wasserdichtes“ Smartphone Wasser tatsächlich standhält sehen Sie auf Youtube. Dort gibt es zahllose Videos, in denen iPhones, Samsungs und Huaweis im Pool versenkt, mit dem Geschirrspüler bearbeitet oder einfach nur in einer Karaffe voller Wasser untergetaucht werden. Suchen Sie einfach auf Youtube nach dem Begriff „waterproof“ (wasserdicht) in Verbindung mit der Typenbezeichnung (zum Beispiel „iPhone XS“ oder „Samsung Galaxy S9“).

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