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Kiron: engagiert für Geflüchtete

Geflüchtete: die Fakten

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) identifizierte in seiner Education Strategy 2012 - 2016 vier zentrale Hindernisse zum Zugang zu Hochschulbildung für Geflüchtete: hohe Kosten, fehlende Dokumente und Zeugnisse, geringe Kapazitäten der Bildungsinstitutionen und Sprachkenntnisse. Als Folge dessen hindern lange Wartezeiten und bürokratische Hürden den Zugang zu Hochschulbildung für viele junge und motivierte Geflüchtete.

Aktuelle Statistiken von UNHCR verdeutlichen die Brisanz dieses Problems:

  • 65,3 Millionen Menschen weltweit wurden aus ihrer Heimat vertrieben durch Verfolgung, Konflikte, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen. Dies ist die größte Zahl an Vertriebenen seit dem Zweiten Weltkrieg.
  • Rund 51% dieser Menschen sind jünger als 18 Jahre
  • Etwas mehr als 54% stammen aus drei Ländern: Syrien, Afghanistan und Somalia
  • Weniger als 1% der Geflüchteten weltweit haben Zugang zu Hochschulbildung

Jeden Tag fliehen 34.000 Menschen vor Gewalt und Verfolgung, d.h. jede Minute kommen 24 Geflüchtete in einem ihnen fremden Land an, ohne Papiere, ohne Sprachkenntnisse und ohne Geld.

Hochschulbildung für Geflüchtete

Hochschulbildung ist eine wichtige und nachhaltige Lösung zur globalen Flüchtlingskrise. Sie erlaubt es Geflüchteten, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren und ein selbstständiges Leben zu führen. Sie ist ein Grundstein der Selbsthilfe und der Menschenwürde und essentiell für die Integration vieler junger Geflüchteter.

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Abgrenzung zu anderen Bildungsprojekten für Geflüchtete

Kiron bietet ein einzigartiges Programm zur Integration von Geflüchteten durch Hochschulbildung. Unsere Idee zeichnet sich besonders dadurch aus, dass sie weltweit skalierbar ist und nicht zeitlich oder geographisch beschränkt ist. Ein Online-Studium mit Kiron kann die Wartezeit bis zum Transfer an eine Hochschule für einen Geflüchteten wesentlich bereichern.

Kiron - von der Idee bis heute

Die Idee zu Kiron entstand im Sommer 2014 während eines Sommerprogrammes, bei dem Vincent Zimmer and Markus Kreßler sich zu ihrer Vision in Bezug auf University 2.0 auf einer Flüchtlingskonferenz austauschten. Beide Gründer waren zu dieser Zeit auch freiwillige Unterstützer in der Flüchtlingshilfe. Markus engagierte sich in der psychosozialen Beratung für Geflüchtete; Vincent unterstützte "Study without borders", eine Organisation gerichtet an Studierende in Krisengebieten. Markus und Vincent waren beide von dem Potential, das Hochschulbildung für die Verbesserung der Lebensumstände von Geflüchteten bieten kann, überzeugt.

Nach Gesprächen mit Anbietern von Online-Kursen, Bildungsträgern sowie Regierungs- und Wirtschaftsvertretern, waren Markus und Vincent zuversichtlich, eine Antwort auf die Herausforderung finden zu können. Im März 2015 wurde Kiron gegründet. Kurz darauf erhielt das Gründerteam, bestehend aus den Gesellschaftern der gGmbH Vincent Zimmer, Markus Kreßler und Christoph Staudt, ein Stipendium der Agentur Social Impact.

Heute hat Kiron seinen Hauptsitz in Berlin mit weiteren Büros in München, Istanbul, Paris, Brüssel und bald auch in Jordanien.

Das Team

Das Team von Kiron ist insbesondere durch den unermüdlichen Einsatz seiner engagierten Mitglieder geprägt, von denen ein wichtiger Anteil Freiwillige sind. Seit der Gründung Kirons im März 2015 ist das Team auf knapp 70 Angestellte und 300 Freiwillige angestiegen, die vorrangig in Deutschland, Frankreich und der Türkei verteilt sind. Es existieren ebenfalls Ambassador Groups im Libanon, den Niederlanden, Belgien und den USA.

Die verhältnismäßig große Zahl der Mitarbeiter und Freiwilligen lässt sich auf die große Anzahl der Programme zurückführen, die Kiron seinen Studierenden anbietet (Buddy-Programm, Counseling etc.)

Das Teammanagement unterliegt der Holokratiestruktur.

Blended Learning 2.0 für Geflüchtete

Wie funktioniert Kiron?

Kiron Open Higher Education gGmbH ist eine gemeinnützige Organisation mit der Mission, Barrieren auf dem Weg zur Hochschulbildung für Geflüchtete abzubauen. Ziel ist es, geflüchtete Menschen durch Hochschulbildung dazu zu befähigen, sich sowohl auf wirtschaftlicher Ebene in den Arbeitsmarkt, als auch auf sozialer Ebene in die Gesellschaft zu integrieren.

Kiron-Studierende nehmen an einem online und offline Studienprogramm teil, dieses Studienkonzept bezeichnen wir als Blended Learning 2.0. Kiron bietet ein zweistufiges Bildungsprogramm an: In den ersten ein bis zwei Jahren, wird ein Online-Studium durch sogenannte Massive Open Online Courses (MOOCs) ermöglicht. Das dritte und vierte Studienjahr absolvieren unsere Studierenden an einer Partnerhochschule, an der sie einen regulären, akkreditierten Studienabschluss erwerben (siehe Schaubild 1).

Die Inhalte der Online-Kurse wurden von Spitzenuniversitäten wie Harvard, Berkeley oder MIT produziert. Der Zugriff wird Studierenden über E-Learning Plattformen wie edX, Coursera oder FutureLearn ermöglicht. In Zusammenarbeit mit diesen Anbietern verbindet Kiron Online-Kurse mit der innovativen und maßgeschneiderten Lernplattform "Kiron Campus" und der neuesten E-Learning Technologie. Durch unser online Angebot kann sich jeder Geflüchtete bei Kiron anmelden - egal wo, egal wann. Unser Registrierungsmodell erlaubt eine hohe Anzahl von Studierenden und hat nur wenige Kapazitätsbeschränkungen. Dies macht eine weitreichende Skalierung von Kiron möglich. Zusätzlich werden unsere Online-Kurse in verschiedenen Sprachen angeboten.

Aktuell können sich unsere Studierenden für eines von vier Studienprogrammen entscheiden: Business, Engineering, Computer Science oder Social Sciences, welche sie auf die akkreditieren Studienabschlüsse an unsere Partnerhochschulen vorbereiten. Diese können einen Teil des Online-Studiums unserer Studierenden gemäß der Lisbon Recognition Convention anrechnen. Studierende können daher mit einem minimalen Zeitverlust an einer unserer 24 Partnerinstitutionen ihr Studium aufnehmen.

Transfer zur Partnerhochschule

Erst nach Erfüllung der offiziellen Aufnahmekriterien der Hochschule und dem erfolgreichen Abschluss von möglichst vielen Online-Kursen (bis zu 60 ECTS) kann der/die Studierende sein Studium an einer Partnerhochschule fortsetzen. Kiron kooperiert mit 24 Partnerhochschulen, um den Übergang von Online-Studium zur Hochschule zu vereinfachen.

Student Services

Um einen erfolgreichen Abschluss des Online-Studiums zu gewährleisten, ist es das Ziel von Kiron eine holistische Lösung anzubieten. Durch unsere Kooperation mit Partnern der Wirtschaft und des öffentlichen Sektors versuchen wir die Bereitstellung von Hardware, Software und Internetzugängen in verschiedenen Regionen zu verbessern und somit die Basis für eine Teilnahme an Kiron zu schaffen.

Des Weiteren bietet Kiron Dienstleistungen, welche unter dem Namen "Student Services" zusammengefasst werden (siehe Schaubild 2):

  • Sprachschulen: Die Sprache des Gastgeberlandes zu lernen bildet die Basis für erfolgreiche Integration und ist zudem eine Voraussetzung für den Transfer an die Partneruniversität. Aufgrund dessen hat Kiron den Anspruch, allen Studierenden hochwertige Online-Sprachkurse anbieten zu können. Diese Kurse werden von etablierten Programmen, wie dem Klassenzimmer 2.0 der Leuphana Universität Lüneburg, angeboten.
  • Job Plattform: Zusammen mit unserem Partner Workeer bemühen wir uns um die Vermittlung von Studierenden in den deutschen Arbeitsmarkt durch Jobangebote und Praktika.
  • Direct Academics: Studierende erhalten direkten Zugriff auf zusätzliche Tutorials, Vorbereitung von Grundkompetenzen (wie z.B. Mathematik) und Training von Soft-Skills. Ermöglicht wird dies über Google Hangouts seit Dezember 2015.
  • Study Hubs: Study Hubs dienen als physische Orte, wo Studierende sich treffen und miteinander austauschen können. Hier finden sie auch Zugriff auf Laptops und Internet.
  • Buddy-Programm: Kiron Studierende werden mit Studierenden an einer deutschen Hochschule in Verbindung gebracht.
  • Mentoring-Programm: Partner aus der deutschen Wirtschaft nehmen an einem online oder offline Mentoring-Programm teil und betreuen so einen Kiron Studierenden während seines Studiums. Hierbei erhalten unsere Studierenden Einblicke in Unternehmen und knüpfen Kontakte zu Firmenmitarbeitern.
  • Psychosoziale Beratung: Die psychosoziale Beratung hilft Studierenden, auch mit studiumsfernen Problemen fertig zu werden. Geflüchtete haben häufig mit schwierigen Erinnerungen sowie mit der Herausforderung des Ankommens im neuen Land zu kämpfen, und können sich bei Kiron an ein erfahrenes Team mit psychologischer, medizinischer sowie interkultureller Expertise wenden.

Kosten

Um Kosten für Ressourcen und Infrastruktur für einen Studierenden mit Kiron und der anschließenden Partneruniversität zu decken, benötigt Kiron ein Stipendium für den/die Studierende in Höhe von 3.000 EUR. 

Herausforderungen & Lösungen 

Finanzierung

Die gesicherte langfristige Finanzierung unserer Aktivitäten für eine nachhaltige Entwicklung der Organisation und das letztendliche Erreichen finanzieller Unabhängigkeit stellt Kiron vor eine besondere Aufgabe. Diese Herausforderung überwinden wir mit dem Aufbau breitgefächerter und diversifizierter Finanzquellen, die u.a. öffentlichen Gelder, Firmenpartnerschaften und Spendengelder einschließen.

Proof of concept

Mit seinem einzigartigem Bildungsprogramm für marginalisierte und sozial benachteiligte Gruppen wie Geflüchtete ist Kiron Vorläufer im Hochschulbereich. Den Proof of Concept sehen wir nicht nur am Erfolg unserer Crowdfunding-Kampagne, der bisher erfolgreichsten Crowdfunding Kampagne Europas im sozialen Bereich, sondern insbesondere an der großen Nachfrage unserer Studiengänge bei unserer Zielgruppe. Seit der ersten Aufnahme von Studierenden im Herbst 2015 haben wir es geschafft, mehr als 5000 Studieninteressenten zu erreichen. Mehrere Hochschulen sind mit uns nicht nur in eine langfristige Kooperation getreten, sondern haben auch Anrechnungs-Vereinbarungen abgeschlossen.

Internationalisierung und Lokalisierung

Weltweit sind mehr als 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Obwohl Industrieländer wie Deutschland eine wichtige Rolle in der Aufnahme von Flüchtlingen spielen, sind andere Länder, oft noch selbst Entwicklungs- oder Schwellenländer, diejenigen, die die meisten Geflüchteten aufnehmen. Dennoch stellen diese Länder oft nur eine Zwischenstation für all die Geflüchteten dar, die hoffen, in die reicheren Industriestaaten weiterzureisen.

Auch wenn Kiron wichtige Lösungsansätze für Integration und Kompetenzentwicklung liefert, ist es aufgrund der Neuartigkeit unseres Konzeptes wichtig, das Wachstum der Organisation unseren finanziellen, sowie internen Kapazitäten anzupassen. Auch gilt es, auf spezielle gesetzliche Vorgaben einzugehen, die teilweise eine lokale Anpassung des Kiron Programms erfordern. Deswegen liegt unser Fokus zunächst auf vier Ländern: Deutschland, Frankreich, Türkei und Jordanien. Langfristig wird Kiron in den Ländern zu finden sein, wo die Integration von Geflüchteten eine Herausforderung darstellt.

Student Support

Ein Online-Studium erfordert sehr viel Disziplin, Motivation und Willenskraft. Unsere eingeschriebenen Studierenden finden sich in einem anderen Lernumfeld wieder als solche, die beispielsweise an einer Berliner Universität ihrem Studium nachgehen. Desweiteren müssen viele Studierende mit konflikt- und fluchtbedingten Problemen kämpfen.

Um unsere Studierenden so gut wie möglich zu unterstützen, haben wir verschiedene Student Support Programme ins Leben gerufen. Diese reichen von unseren Buddy- und Mentoring- Programmen über psychosoziale Betreuung, Study Center und Direct Academics bis zur Hilfe bei der Job- und Praktikumssuche. Wir ermöglichen unseren Studierenden somit eine vereinfachte Integration in die Gesellschaft und die Teilhabe am lokalen Leben.

Unsere Ziele für die Zukunft

Kirons derzeitiger Fokus liegt darin, Geflüchteten kostenlosen Zugang zu Hochschulbildung zu ermöglichen. Wir sind davon überzeugt, dass die Kombination von Online- und Offline-Lern-Elementen die Zukunft der Bildung bestimmen sollte und wird.

Kurz- und mittelfristiger Ausblick

In der nahen Zukunft planen wir den Ausbau von Firmenpartnerschaften und die Entwicklung weiterer Student Services. Diese sollen unseren Studierenden verstärkt Hilfe bei der Praktika- und Arbeitssuche helfen. Die bereits existierende Kooperation mit der Plattform Workeer soll ausgebaut werden.

Unsere Pläne auf mittelfristiger Ebene schließen die Einführung des Kiron-Modells auf allen Kontinenten mit Hilfe eines Franchise-Modells wie z.B. in Frankreich ein. Wir planen mittelfristig ebenfalls die Integration weiterer Studienprogramme bei Kiron wie z.B. Lehramt oder Mathematik. Des Weiteren arbeiten wir daran, dass unsere Module fester Bestandteil von akkreditierten Studienprogrammen an Partnerhochschulen im Sinne einer pauschalen Anrechnung werden können.

Langfristiger Ausblick

Langfristig planen wir die Ausweitung des Kiron Konzeptes in all den Ländern, die sich mit den Herausforderungen der Integration von Geflüchteten konfrontiert sehen. Dies schließt eine Lösung ein, die es ermöglichen wird, das Kiron-Modell innerhalb von wenigen Wochen einsetzbar zu machen. Darüber hinaus wird sich Kiron auf weitere lokale Dienstleistungen ausweiten und ebenfalls digitale Infrastruktur und Hardware-Zugang anbieten. 

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