Vollverstärker

Cambridge Audio Minx XI im Test

Dieser Streaming-Amp bedient nicht nur alle gängigen Formate und trägt die Klang-DNS von Cambridge in sich. Er lässt sich auch gut bedienen und sieht klasse aus. Wie schlägt sich der Vollverstärker im Test?

Cambridge Audio Minx XI

© Cambridge Audio

Cambridge Audio Minx XI
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EUR 499,00

Pro

  • sehr spritziger
  • konturierter Klang
  • informatives Display
  • WLAN an Bord

Contra

Fazit

Cambridge Audio kenne ich noch aus den 80ern, wo Engländer den ersten 32-fach-Oversampling-CD-Player fabrizierten. In meiner Sammlung befindet sich der kleine Bruder ein 16-Fach-Oversampler mit vier parallelgeschalteten Philips-DAC s. Was die Briten die letzten Jahre machten, fand ich schon allein vom Design her weniger spannend. Doch mit dem kleinen Minx Xi setzen sie in meinen Augen und Ohren wieder ein großes Ausrufezeichen.

Kaum kommt auf Massenspeichern archivierte Musik aus der Schmuddelecke der "zerhackten Klange" hervor, gibt es schon einen unüberschaubaren Markt an Streaming-Lösungen. Genau betrachtet fällt allerdings ein großer Teil durch den Rost, weil es sich dabei nicht wirklich um Lösungen handelt, die geeignet sind, audiophilen Ansprüchen zu genügen. Vom Rest verscherzt es sich ein nicht unerheblicher Teil mit Frauen und anderen Ästheten. Doch nun tritt Cambridge Audio an, um Klang, Aussehen und Bedienung unter einen modischen Hut zu bringen. Mit dem Minx Xi lassen sich der britischen Traditionsmarke ganz neue Seiten abgewinnen. Der Einteiler erweist sich als besonders stylische und fortschrittliche Möglichkeit, einen ganzen HiFi-Tum zu ersetzen.

Nachdem UKW trotz mehrfacher Gnadenfrist kein ewiges Leben beschert sein dürfte, das "Digitalradio" DAB aber keine würdige Alternative bietet, kann man bei einem stationären Gerat problemlos ganz auf einen konventionellen Tuner verzichten. Schließlich besitzt der Minx ein rundum gut gemachtes, potentiell auserst klangstarkes Webradio. Das große, vierzeilige Display ist zwar monochrom, liefert aber nützliche Infos inklusive der Datenrate. Zudem lassen sich die Stationen nach hoher und niedriger Übertragungsqualitat sortieren.

Cambridge Minx XI

© Cambridge

Innere Werte: Die Kühlkörper schmiegen sich förmlich an den zentralen Ringkerntrafo an.

Radio 2.0 an Bord

Darüber hinaus unterstützt der Cambridge Online-Musikdienste wie Aupeo, MP3 Tunes und Live 365. Um die Inhalte auf die Anlage zu streamen, braucht der Benutzer kein Netzwerk-Kabel ins Wohnzimmer zu verlegen. Neben einem Ethernet-Anschluss ist auch ein WLAN-Netzwerk mit der typischen Antenne auf der Rückseite vorhanden. So kann der Minx Xi via UPnP auch auf das zentrale Musikarchiv des Hauses zurückgreifen. Das gelingt dank einer nicht einfach lieblos zugekauften, sondern richtig schicken Fernbedienung und der kostenlosen Smartphone- und Tablet-App "Stream Magic" (Android oder iOS) relativ reibungslos. Der Allesfresser verdaut die wichtigsten Formate wie MP3, AAC, WMA, Apple Lossless, AIFF, Ogg Vorbis, FLAC oder WAV bis 24 Bit/96 kHz.

Musik aus dem Blauen

Die Musik muss aber nicht unbedingt aus dem Netzwerk kommen: Der Entertainer verfügt über zwei USB-Eingänge (der dritte ist für den mitgelieferten Bluetooth-Adapter BT100). Dort lassen sich Festplatten oder USB-Sticks einstöpseln. Und wer mal schnell ein Paar Popsongs vom Handy abspielen möchte, der kann sie direkt via Bluetooth ans System funken. Der Cambridge stellt dafür den hochwertigen, nahezu CD-Qualität bietenden AptX-Standard zur Verfügung. Wer lieber auf konventionelle Strippenzieherei vertraut, findet immerhin zwei Stereo-Cinch-Anschlüsse und einen Klinkeneingang vor. Außerdem lässt sich ein Subwoofer anschließen, falls der Minx Xi mit kleinen Lautsprechern in einem großen Raum betrieben werden soll. Schließlich bietet Cambridge Audio sogar ein passend gestyltes Subwoofer-Satelliten-Set im Hochglanz-Design an.

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Das Konzept kann inklusive der Ausstattung bis ins Detail überzeugen. Besonders hervorzuheben wären dabei die Tasten auf beiden Seiten des Frontdisplays. Dazu zählt zum Beispiel ein Play-Pause-Button, wie vom CD-Player bekannt, zum Starten oder Stoppen der Streamingwiedergabe. Viele Anwender solcher neumodischen Gerätschaften kennen solche Funktionen nur als zweidimensionale, gefühllose Screendarstellung. Apropos Gefühl: Beim Kombiknopf für Lautstärke und Navigation sollte Mann oder Frau nicht zu kleinlich sein, denn er besteht aus Kunststoff und hat reichlich Spiel. Letztlich handelt es sich dabei um Luxussorgen: Viele Hersteller sparen schließlich Lautstärkeregler am Gerät ganz ein und delegieren diese Funktion nicht selten an primitive Scheckkarten-Fernbedienungen oder gar an Handys, die erst aufgeweckt werden wollen, bevor sich mit ihnen etwas regeln lässt.

Cambridge Minx XI

© Cambridge

Antenne Angelsachsen: Neben LAN- kann der Cambridge auch WLANVerbindungen aufbauen. Für weitere Digitalquellen stehen optische und Koax-Inputs bereit.

Hörtest

Klangseitig ließen sich die Entwickler auf jeden Fall nicht lumpen. Sie spendierten dem Kompaktsystem einen stattlichen Ringkerntrafo, der bauartbedingt wenig Streufelder produziert, und kunstvoll geschwungene, kanalgetrennte Kühlkörper aus Massiv-Aluminium. So können die beiden Class-AB-Amps, die von einer Abschaltautomatik auf verantwortungsvollen Umgang mit Energie getrimmt wurden, ohne thermische Sorgen ihrer Arbeit nachgehen.

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Damit sie sorgfältig konvertierte Klänge zum Verstärken vorfinden, engagierte Cambridge einen WM8728 vom Wandler- Spezialisten Wolfson. Dessen digitale Lautstärke-Option verschmähen die Engländer zugunsten eines klassischen Widerstandsleiter-Pegelstellwerks - mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass analog zugespielte Signale einen vollständig analogen Signalweg ohne zweifelhafte Zwangs-Digitalisierung vorfinden. Hier regierte nicht Convenience-Denken, sondern reiner HiFi-Geist, was auch der sehr breitbandige Frequenzgang (-1dB bei 100kHz) eindrucksvoll belegt.

Bereits mit Webradio produzierte der Cambridge an einer ganzen Reihe verschiedener Lautsprecher äußerst frische und knackige Klänge - zumindest solange man Stationen mit einigermaßen würdevoller Datenrate aus dem Netz fischte. Mit Songs in CD- oder gar HD-Qualität aus dem Hörraum-Server oder vom USB-Stick wurde der Klang so spritzig-klar in den Höhen und knackig im Bass, dass man an einer Box vom Kaliber der um ein Vielfaches teureren Sonics Allegra II von explosiver Tieftonwiedergabe und vorbildlicher Offenheit sprechen konnte. Das hätte beim Anblick des Minis niemand für möglich gelten.

Nur wer mit England noch primär warme, einschmeichelnde Grundtöne verbindet, könnte das Dynamik-Bündel als etwas nüchtern empfinden. Dank der Flexibilität im Zusammenspiel mit unterschiedlichsten Lautsprechern, kann sich allerdings jeder die Gesamtperformance noch etwas nach eigenem Gusto abschmecken, auch in Richtung lieblich mild. An der Stabilität der Abbildung, dem Fokus und den Instrumentenkonturen gab es jedenfalls rein gar nichts auszusetzen. Für deutlich unter 1.000 Euro schuf Cambridge einen regelrechten Lady-Thriller mit Killer-Punch.

Boxen-Empfehlung

Die Canton SLS 720 (780 Euro) und die Monitor Audio Silver 1 (600 Euro) passen mit ihrem Glanzlack optisch perfekt. Allerdings brauchen beide etwas Luft im Rücken, sonst brummeln sie. Wer die Boxen direkt an die Wand stellt, findet mit der Nubert Nuline 34 (670 Euro) eine klangstarke Alternative.

 

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