Testbericht

Lautsprecher B&W CM 9

Bei der neuen CM 9 von B&W bekommt man für vergleichsweise faire 2500 Euro reichlich Nautilus-Technik in einem äußerst edlen Gehäuse. Klingt verdächtig nach einem Schnäppchen. Der Exklusivtest.

  1. Lautsprecher B&W CM 9
  2. Datenblatt
Lautsprecher B&W CM 9

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Lautsprecher B&W CM 9
Lautsprecher B&W CM 9

© Julian Bauer

Der äußerlich unauffällige CM-Hochtöner hat rückseitig ein angeflanschtes Rohr. Sein Frequenzgang reicht über die 40-kHz-Messgrenze hinaus.

Bei B&W lässt man sich gern bitten. Obwohl die Engländer längst auf dem gesamten Globus die unangefochtene Nummer 1 im anspruchsvollen Lautsprecherbau sind, obwohl ihre Entwicklungsabteilung in Steyning mittlerweile auf über 20 Mann angewachsen ist und obwohl die Vertriebskanäle so perfekt ausgebaut sind wie noch nie, ändern sie ihre Produktphilosophie einfach nicht. Man bleibt bedächtig und führt neue Modelle oder gar ganze Linien erst nach langer Entwicklungs- und Erprobungszeit ein. Auf die neuen 600er-Typen mussten wir sechs, auf die neue 800er-Linie (mit Diamant-Hochtöner) gar sieben Jahre warten. Und die 700er-Serie von 2002 bekommt wahrscheinlich gar keinen Nachfolger.

Muss sie auch nicht. Weil die klassischen B&W-Lautsprecher manchem Musikliebhaber zu technisch daherkamen, hatten die Briten seit 2006 mit der CM 1 und der CM 7 zwei optisch schlichtere, aber edlere Lifestyle-Alternativen im Programm. Die beiden waren klanglich etwas sanfter abgestimmt - was von den Testern zwar nicht, von den stereoplay-Lesern aber sehr wohl goutiert wurde: Bei den Leserwahlen wurden sie stets auf die vorderen Rängen gewählt.

Diese CM-Modelle werden jetzt durch die Kompaktbox CM 5, den CM Center 2 und die prachtvolle Standbox CM 9 erweitert. "Und damit", munkelt man hinter vorgehaltener Hand bei B&W, "ist die preislich vergleichbare 700er-Linie eigentlich überflüssig." Aber doch bitteschön nur, wenn sie deutlich mehr zu bieten hat.

Lautsprecher B&W CM 9

© Julian Bauer

Der Kevlar- Mitteltöner ist ein technisches Meisterwerk und der deutlich teureren Nautilus-Serie entliehen.

Nun, zumindest optisch und haptisch überzeugt die CM 9 auf ganzer Linie. Der Hochglanzlack (es gibt neben der schwarzen auch noch die Ausführung Nussbaum und Wenge) ist von erlesener Qualität, und die doch eher zierliche Erscheinung bringt es auf immerhin 26,6 Kilo - ein Hinweis auf ihren robusten Aufbau. Das ist typisch B&W: Immerhin geben die Briten auch auf auf die CM-Modelle zehn Jahre übertragbare Garantie.

Technisch haben die Entwickler ebenfalls einen sehenswerten Aufwand betrieben. Vor allem der 6,5 Zoll große Mitteltöner mit B&W-typischer Kevlarmembran sticht ins Betrachterauge. Dieser Traum-Mitteltöner, der ja auch in fast allen Modellen der Nautilus-Serie für allerfeinste Mitten sorgt, ist  jetzt erstmals in Boxen für etwas mehr als 2000 Euro zu haben. Sein Erkennungsmerkmal: Er arbeitet, um Resonanzen zu vermeiden, quasi ohne Sicke. Weil ohne flexible Einspannung der mögliche Hub sehr gering ist, sind seine Tieftonfähigkeiten trotz der stattlichen Größe von 17 Zentimeter stark eingeschränkt. Unterhalb 350 Hertz kommen deshalb zwei langhubige Bässe mit Membranen aus einem Kevlar-Papier-Mix zum Einsatz. Der obere Arbeitsbereich des Mitteltöners endet bei knapp 4000 Hertz; hier setzt die bewährte Alu-Kalotte ein. Das angeflanschte Rohr, ebenfalls der Ur-Nautilus entliehen, vermeidet kurze Reflexionen des nach hinten abgestrahlten Schalls und bedämpft über die Länge des Rohrs gleich auch die Eigenresonanz des Hochtöners.

Und sogar auf der Frequenzweiche findet sich fast überall Nautilus: "Flache" 6-Dezibel-Filter und Top-Kondensatoren vom deutschen Edel-Zulieferer Mundorf - das liest sich schon wie eine 800er-Beschreibung.

Was aber macht die CM 9 mit diesen vielen Nautilus-Anleihen? Zunächst einmal eine ziemlich gute Figur im Messlabor. Der Wirkungsgrad von 84,5 Dezibel ist zwar nicht eben rekordverdächtig und erfordert kräftige Verstärker der "Mehr als 100 Watt pro Kanal"-Liga. Doch die Bandbreite von 30 bis über 40000 Hertz ist schon aller Ehren wert - wie auch die geringen Verzerrungen fast über den gesamten (nicht ganz glatten) Frequenzgang.

Lautsprecher B&W CM 9

© Julian Bauer

Wenig Bauteile, dafür aber höchst erlesene: die Frequenzweiche der CM 9 mit impulsgenauen 6-Dezibel-Filtern.

Im Hörraum dann erinnerte mich die CM 9 erst einmal nachdrücklich an die Grundtugenden des Boxentestens: einspielen, einspielen, einspielen sowie - ebenso wichtig - den Lautsprecher exakt waagerecht stellen und die Spikes (hier im Sockel) anschließend fest anziehen. Natürlich konnte ich meine Neugierde nicht zügeln und hatte die B&W gleich nach dem Auspacken "mal eben schnell" angeschlossen und gehört.

Aber damit kann man einer CM 9 nicht kommen. Sie klang gleichzeitig matt und unwirsch. Doch schon mit der exakten Justage der Spikes verlor sie einen Teil der Unschärfe. Und nach einem Tag des Einspielen wachte sie förmlich auf. Traumwandlerisch sicher löste sie die komplexen Strukturen großer Orchsterwerke wie etwa Beethovens "Missa Solemnis" (Gardiner/Archiv) auf und blieb auch in den kritischen Chorlagen fein, sauber und klar.

Dabei ist die CM 9 keiner dieser "blitzschnellen" Schallwandler, die einem jedes Detail direkt vor die Nase modellieren, dafür aber in den oberen Bässen gern etwas blutleer klingen. Die 9er spielte wunderbar vollmundig und konnte trotz ihres enorm offenen und strahlenden Mitteltonbereichs die CM-Zugehörigkeit nicht verleugnen. Heißt: Manchmal fehlte es ihr am dynamischen Kick. Nicht, dass es ihr bei den großorchestralen Tutti an Maximalpegel gemangelt hätte. Aber Sie wirkte bedächtiger, scheinbar "langsamer" als etwa eine 703 (Test 11/03) aus gleichem Hause. 

Lautsprecher B&W CM 9

© Julian Bauer

Am Anfang waren CM 1 und CM 7 (beide nicht im Bild), die lediglich eine Design-Alternative zu den klassischen Modellen darstellen sollten. Mit dem neuen Center 2 (vorn), dem Subwoofer ASW 10 CM, der kompakten CM 5 (auf Ständern links) und der CM 9 aus diesem Test entsteht eine richtige Serie: die CM-Familie. Die neuen Modelle kommen ab April in den Handel und ersetzen dann peu a peu die in die Jahre gekommenen Typen der 700er Serie.

Aber auch viel homogener. Gerade bei Stimmen wie der von Lizz Wright ("Speak Your Heart"/"stereoplay Ultimate Tunes") gelang der CM 9 eine elektrisierend echte Darbietung. Da waren nicht (wie so oft bei Mehrwegelautsprechern) Einzelchassis zu hören. Nein, hier zauberte nur eine Schallquelle die Frau Wright äußerst glaubhaft dreidimensional in den Hörraum.

Glaubhaft auch deshalb, weil die neue CM nichts, aber auch gar nichts von der ruchigen, charakteristischen Stimme unterschlug und den bewegenden Moll-Unterton genau richtig traf. Oder Gitarrenmusik von Jack Johnson: Auch hier zeigte sie jeden noch so kleinen Oberton, jedes kleine Fingergeräusch und ließ dem Zuhörer dennoch Zeit, das Ganze in Ruhe aufzunehmen.

Die CM 9 hat dadurch etwas Ganzheitliches. Sie bietet weder den Tiefton-Punch einer T+A TS 300 noch die Agilität einer Audio Physic Yara II Superior. Doch im Vergleich zu diesen Klassenreferenzen zieht die CM 9 ihre Zuhörer unaufgeregt viel tiefer in die Musik und in die Aufnahmen.

Ich bekenne gern, dass ich mit diesem Lautsprecher viel länger gehört habe als eigentlich geplant. Aber es machte doch soviel Spaß... Und außerdem ergab sich so die Gelegenheit für einige Kombinationsversuche. Da die CM 9 am liebsten an "schnellen", somit eher hell klingenden Verstärkern mit ausreichend Dampf hängt, muss ich von der Kombination mit kleinen Röhren wie der Lyric Ti 60 dringend abraten. Dafür harmonierte sie mit zwei anderen Verstärkern bestens: dem Exposure XXXV und dem Surrounder Yamaha Z 7.

Gerade das feine Zusammenspiel mit dem Yamaha unterstreicht, wie universell diese CM 9 eigentlich ist. Und mit ihrer Homogenität liegt sie selbst unter den als homogen gerühmten B&W-Lautsprechern ganz weit vorn...

B&W CM 9

HerstellerB&W
Preis2500.00 €
Wertung55.0 Punkte
Testverfahren1.0

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