Aktivboxen

Linn Akubarik im Test: Auf zu neuen Woofern

Aktivlautsprecher sind im Studio erfolgreicher als bei Privatnutzern - das sieht man ihnen dann oft auch an. Linn hat mit der Akubarik jetzt eine aktive Standbox speziell fürs Wohnzimmer gebaut: bildschön, relativ kompakt - und mit Isobarik-Basskonzept.

Linn Akubarik Test

© Linn

Linn Akubarik Test

Pro

  • Superpräziser, ehrlicher und hochmusikalischer Klang

Contra

  • Für extreme Lautstärken weniger geeignet

Fazit

Ich hatte mit Linn-Lautsprechern in der Vergangenheit auch schon meine Schwierigkeiten - bei der Akubarik dagegen stimmte die Chemie auf Anhieb: Wundersamer Detailreichtum trifft auf absolut stimmige Musikalität - in einer kompakten Standbox mit exquisitem Design und perfekter Verarbeitung.

Linn Products aus Glasgow sind nicht nur Analog- sondern auch Aktiv-Pioniere. So stellte die Firma aus Glasgow schon im Jahr 1978 mit der Isobarik PMS ein vollaktives Dreiwege-System vor, das mangels eigener Verstärker-Elektronik (Linn wurde erst später zum Vollsortimenter) bevorzugt mit Endstufen von Naim betrieben wurde. Seither gab es von nahezu jedem Linn-Lautsprechermodell auch eine Aktiv-Variante, und die Schotten wurden nicht müde, deren technische Vorteile und generell die der Aktivtechnik zu preisen.

Was die Linn von anderen Aktivspezialisten unterschiedet, ist konsequente Zweigleisigkeit: Ähnlich wie die Lautsprecher der Kollegen von Naim sind Linn-Boxen stets so konstruiert, dass eine Passivversion ohne viel Aufwand zur Aktivbox mutieren kann. Mit wenigen Handgriffen ist die Passivweiche außer Gefecht gesetzt, und seit Linn auch Verstärker baut, werden diese Ampsdank maßgeschneiderter kleiner Aktivweichen-Steckboards im Nu zu präzise angepassten Spezialisten jeweils für Bass, Mitten oder Höhen eines ganz bestimmten Boxenmodells.Dieses offene Konzept hat natürlich nicht nur Vorteile. Es ist zum Beispiel recht teuer, weil es eben nicht auf anonymen Leistungs- und Weichenmodulen aus China basiert, sondern auf vollwertigen Linn- Stereo- oder Monoendstufen. Die Aktivierung einer erschwinglichen Dreiwege-Standbox wie der Majik 140 kostet dadurch schnell ein Mehrfaches des Passiv-Preises. Auch ist es psychologisch knifflig, technisch weniger versierten Kunden zu erklären, warum sie für eine Aktivbox dennoch separate Verstärker kaufen müssen - und davon sogar noch mehr als zuvor! Der Irrglaube, "Aktiv" habe etwas mit eingebauten Verstärkern zu tun, mit Platz- und womöglich sogar Geldersparnis, sitzt unausrottbar tief.

"Macht nichts", meint man Linn-Boxenentwickler Philip Budd frohlocken zu hören. Offenbar haben die Schotten in ihrer Produktplanung jetzt einen jener Schalter umgelegt, die eine neue Ära starten. Denn auch wenn für später eine Passivvariante geplant ist, kommt die neue Akubarik zuerst als vollaktive Box. Sie braucht, ganz wie es moderne Kunden wünschen, nichts um sich herum außer genau einem Zuspieler, etwa einen der Netzwerkspieler- Vorverstärker aus Linns DSM-Serie.

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Linn Akubarik
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Einer der zwei Tieftöner ist auf der Metall- Grundplatte montiert und schaut nach innen, der andere sitzt ihm gegenüber.

Vollaktiv, vollintegriert

Dass die Linn für eine Box ihrer Größenklasse nicht ganz billig ist, wird bei genauerer Betrachtung schnell verständlich. Denn die Schotten sind zwar den Schritt zum Einbau der Elektronik in die Box gegangen, haben sich dabei aber auf keinen noch so kleinen Kompromiss bei der Qualität eingelassen. So sitzen in der Akubarik ausschließlich hauseigene "Chakra"-Endstufen - eine sehr effiziente, dabei rein analoge Verstärkerschaltung, die durchs ganze Linn-Programm bis hoch zu den Amps der Klimax-Serie zum Einsatz kommt. Wobei "hauseigen" bedeutet, dass jede, wirklich jede Platine, von der Aktivweiche bis hin zum Schaltnetzteil, nicht nur in Glasgow entwickelt, sondern dort auch bestückt, geprüft und zu fertigen Geräten zusammengebaut wird.

Als Fünfwege-Aktivbox beschäftigt die Akubarik pro Paar allein zehn Chakra-Züge: je Box ein 200-Watt-Modell für den Bass und vier 100-Watt-Exemplare für die restlichen Treiber. So langsam beginnen sich die 18.500 Euro pro Paar ein wenig zu relativieren. Diese edle Elektronik einfach lieblos an einem Blech in die Boxen-Rückwand zu versenken, war schon aus räumlichen und thermischen Gründen ausgeschlossen - wir haben es hier mit je fünf ausgewachsenen Monoendstufen und entsprechendem Kühlluft-Bedarf zu tun.

Die schottischen Entwickler haben sich stattdessen eine technisch überlegene und bildschöne Lösung in Form eines maßgeschneiderten Alu-Stranggussprofils ausgedacht, das die sanft geschwungene Form des eigentlichen Boxengehäuses elegant nach hinten abschließt. So erhält die Aktiveinheit nicht nur eine gute Abschirmung gegen elektrische Störfelder, sondern auch ihren eigenen, hoch effizienten Kühlkamin. Nebenbei fällt ein weiteres Problem eingebauter Amps weg: die massiven Vibrationen, die ihnen normalerweise an ihrem Arbeitsort zu schaffen machen. Das Alu-Rückgrat der Akubarik dagegen ist zwar formal ein Teil des Gehäuses, mechanisch jedoch dank schwimmender Aufhängung weitestgehend davon entkoppelt.

Der Holzkorpus selbst ist dank gerundeter Seiten größer, als er zunächst aussieht. Für eine noch wirksamere akustische Vergrößerung sorgt jedoch das isobarische Bassprinzip, dem die Box einen Teil ihres Namens verdankt: Zwei identische 20er-Tieftöner sind dabei so im Sockel der Box montiert, dass sich ihre Körbe gegenseitig anschauen. Da sie gegenphasig angeschlossen sind, bewegen sich ihre Membranen parallel und das zwischen ihnen eingeschlossene Luftvolumen bleibt konstant.

Das Ganze hat zwei akustische Auswirkungen: Erstens arbeitet der resultierende Kombitreiber sauberer, weil sich Nichtlinearitäten der Chassis durch deren exakt spiegelbildliche Auslenkung teilweise auslöschen. Und zweitens erscheint das eigentliche Boxenvolumen hinter dem inneren Treiber doppelt so groß, wie es tatsächlich ist. So lassen sich aus gegebenem Volumen viel tiefere Bässe herausholen, allerdings auf Kosten des Verstärkers, dem die doppelte Belastung droht - kein Wunder, dass isobarische Bässe nicht nur bei Linn seit jeher bevorzugt in aktiven Systemen eingesetzt wurden.

Ohnehin ist ein Fünfwege-System eine filtertechnische Herausforderung, der man aktiv am ehesten gerecht wird. Und so ist es trotz der vielen Treiber zuallererst die sagenhafte, völlig homogene Geschlossenheit, die an der Akubarik auffällt. Wer "geschlossen" liest und den leicht fallenden Frequenzgangschrieb sieht, erwartet einen eher dunklen Klang, aber auch das ist ein Irrtum - der Detailreichtum der Akubarik ist immens, der tonale Eindruck ausgewogen mit sehr direktem Mitteltonund Stimmbereich. Zu direkt wird es nur wenn bei übertriebenen Lautstärken einsetzender Klirr den Mittelhochton exponiert klingen lässt - die Linn ist offenbar auf Genauigkeit bei maximaler Bandbreite, nicht auf Rockkonzert-Pegel optimiert.

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Zu Hause dürfte man ohnehin Mühe haben, auch nur die in Tests zitierten "mittleren" Lautstärken je zu erreichen. Und so steht nichts mehr zwischen dem Hörplatz und einer weiten Welt voller harmonischer und dynamischer Präzision: Gitarren und Klaviere wirkten wie frisch gestimmt, ihre Töne schienen sich begieriger als sonst aneinander zu reiben, zu Akkorden zu paaren und neue Harmonien hervorzubringen.

Der vielschichtige Percussionteppich von "Babel" (Massive Attack - "Heligoland") löste sich dagegen mit überraschendem 3D-Effekt in seine Einzelereignisse auf, von denen sich jedes mit exakten Raumkoordinaten verfolgen ließ. Das Ganze fußte auf einem Bass, der zwar aktiv-typisch, aber längst nicht in jeder Aktivbox so zu finden ist: Ultrapräzise im Ein- und Ausschwingen, markanter, druckvoller und auf fast arrogante Weise konturierter als der der meisten Passiv-Konkurrenten - und dies umso mehr, wenn raumakustische Besonderheiten ein Gegenlenken erforderten und die Akubarik ihre Tiefton-Feinanpassung zu ihrem Vorteil einsetzen konnte.

Einerseits nie künstlich aufgebläht, andererseits auch riesigen Klangwänden nie einschränkend im Weg, hielt sich die Linn extrem dicht an die Vorgaben der gespielten Aufnahmen - was die Reise durch unseren Musikserver umso abenteuerlicher machte. Der Autor jedenfalls konnte von dieser Direktheit nicht genug kriegen.

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