Testbericht

Standlautsprecher ATC SCM 40

Die Studioaufnahme von Wagners "Lohengrin" präsentierte die ATC SCM 40 ((3400 Euro, Paarpreis) mit mehr neutralen als schwelgerischen Klangfarben, dabei zauberte sie einen weiten Raum, fast wie eine reale Bühne.

  1. Standlautsprecher ATC SCM 40
  2. Datenblatt
Standlautsprecher ATC SCM 40

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Standlautsprecher ATC SCM 40

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Volle Kraft: Der 18er muss im geschlossenen Gehäuse spielen und braucht deshalb große Hubreserven wie Stabilität der Membran. Die erreicht man durch eine großzügige Staubschutzkalotte, die gegen Knicke ultimativ steif ist.

Profis aus Tradition

Unter den Organisationen, welche die Abkürzung ATC tragen - von einer Universität bis zu militärischen Spezialkommandos -, könnte der englische Lautsprecherhersteller in Branchenverzeichnissen oder bei Google beinahe untergehen. Dabei steht ATC einfach für Acoustic Transducer Company, also Hersteller für akustische Wandler. Jahrelang konzentrierte man sich auf aktive Studiomonitore. Mastering- und Producer-Legenden wie Bob Ludwig und Peter Walsh schworen ebenso wie die ehrwürdige BBC auf die gern kastenförmigen und meist ungewöhnlich teuren Speaker aus Gloucestershire in Südengland. Dass die Briten seit geraumer Zeit auch passive Standboxen mit gutem Gegenwert im Portfolio haben, blieb den meisten HiFi-Fans dagegen verborgen.

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Doppelpack: Der Größenabstand zwischen Hochton- und Mitteltonkalotte wirkt noch gigantischer als die rechnerischen 3:1. Die 76-mm-Schwingspule des Mitteltöners wird von einem gigantischen Ferritmagneten angetrieben, die kleine des Hochtöners mit kompaktem Neodym.

Die klassische Riesenkalotte fungiert in der SCM 40, einer klassischen 3-Wege-Passivbox, als reiner Mitteltöner von 380 bis 3500 Hz und übernimmt damit bruchlos alle für die Klangfarben und Vokalfärbungen wichtigen Frequenzen, den sogenannten Formantbereich. Tiefer kann sie nicht spielen, höher soll sie nicht aufgrund der dann zunehmenden Eigenbündelung - sie ist wie jede Kalotte außen durch eine hier 7,6 cm große Spule angetrieben. Den Brillanz- und Hochtonbereich übernimmt eine Einzoll-Kalotte, die wie ihre große Schwester mit einer leichten Schallführung zur Homogenisierung des Abstrahlverhaltens versehen ist. Bass und Grundton darf ein relativ kompakter 17er managen, der im geschlossenen Gehäuse ohne Bassreflex spielt. Das wiederum ist eine Philosophie des Hauses, denn laut Firmengründer Billy Woodman passt zu transparenten Mitten ein entsprechend präziser und trockener Bass.

Natural high

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Passt zu Verstärkern mit Dampf: Aus zwei Volt Eingangsspannung produziert die ATC nur dezente 79 dB Kennschalldruck - wer sie ausfahren will, sollte einen Verstärker mit kräftig Dampf ordern. Zu ihrem schlank-präzisen Monitorcharakter passt zudem ein Amp, der auch in oberen Leistungsregionen noch Fundament und Autorität vermittelt. Partner von Vincent oder Rotel harmonierten hier perfekt.

Dass "trocken" in diesem Zusammenhang nicht "kraftlos" bedeutet, bewies die SCM 40 eindrucksvoll. Allerdings  erst, als die Redakteure für entsprechend autoritäre Endstufen gesorgt hatten. Denn mit schwächlichen Verstärkern oder gar Röhren agierte die ATC eindeutig zu zart und wenig dynamisch. Dabei gehörte sie selbst mit entsprechender Befeuerung nicht zu den effektheischenden, auf Dynamik versessenen Lautsprechern, sondern spielte sich hauptsächlich mit einer unglaublichen Natürlichkeit in die Herzen der Redakteure. Die Studioaufnahme von Wagners "Lohengrin" präsentierte sie mit mehr neutralen als schwelgerischen Klangfarben, dabei zauberte sie einen weiten, perfekt in die Tiefe gestaffelten Raum, fast wie eine reale Bühne.

Besonders beeindruckte die transparente und unglaublich realistisch in den Raum eingebundene Darstellung der Stimmen, die zwar im Vergleich mit der KEF XQ 40 etwas an Ortungsschärfe einbüßten, dafür aber immer auch etwas freier und offener tönten. Bei Popmusik wirkte die ATC etwas nüchterner, eben ganz Studiomonitor, und stellte das typisch nahmikrofonierte und knackig-perkussive Album "Piece By Piece" von Katie Melua so dar, wie es eben auf Band respektive CD vorliegt. Doch im Gegensatz zu anderen Monitoren, denen man schon mal die Eigenschaft akustischer Lupen nachsagt, war auch diese Darbietung immer von frei tönenden Stimmen und einem typisch britischen Respekt der Künstlerin gegenüber geprägt.

ATC SCM 40

HerstellerATC
Preis3400.00 €
Wertung93.0 Punkte
Testverfahren1.0

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