Qualitätsprobleme beim Premium-Streaming
Disney+: Dolby Vision wird Patentstreit zum Opfer - Verbraucherzentrale sieht Vertragsmangel
Beim Streamingdienst Disney+ sorgt ein Patentstreit für Einschränkungen bei Bild- und Tonformaten. Dolby Vision und andere HDR-Optionen wurden zeitweise abgeschaltet. Während einige Funktionen in Europa inzwischen zurückkehren, bleiben sie in Deutschland weiterhin deaktiviert. Die Verbraucherzentrale sieht Chancen für zahlende Premium-Nutzer.
Auslöser der aktuellen Situation ist ein Rechtsstreit zwischen Disney und dem US-Unternehmen InterDigital. Das Unternehmen verwaltet nach eigenen Angaben mehrere zehntausend Patente im Bereich Videotechnologie und sieht Rechte durch Streamingfunktionen von Disney+ verletzt.Das Landgericht München ...
Auslöser der aktuellen Situation ist ein Rechtsstreit zwischen Disney und dem US-Unternehmen InterDigital. Das Unternehmen verwaltet nach eigenen Angaben mehrere zehntausend Patente im Bereich Videotechnologie und sieht Rechte durch Streamingfunktionen von Disney+ verletzt.
Das Landgericht München gab InterDigital in einem Verfahren Recht. In der Folge musste Disney seine Streamingtechnik in Deutschland anpassen. Um mögliche Verbote zu vermeiden, entfernte der Anbieter mehrere Premium-Bildformate aus seinem Angebot. Betroffen waren unter anderem Dolby Vision und zeitweise auch andere HDR-Optionen.
HDR („High Dynamic Range“) erweitert den Kontrastumfang und die Farbdarstellung von Videos. Das dynamische Format Dolby Vision passt die Bildparameter zusätzlich Szene für Szene oder sogar Bild für Bild an.
Teilweise Rückkehr der Funktionen in Europa
Nach einer Phase mit eingeschränkter Bildqualität stellt Disney einige Funktionen inzwischen wieder bereit. So wurde das Basisformat HDR10 laut Unternehmensangaben nach einer Unterbrechung erneut aktiviert.
Auch Dolby Vision kehrt in mehreren europäischen Ländern wieder zurück. In Nachbarstaaten wie Österreich oder Dänemark steht das Format laut Berichten bereits wieder zur Verfügung.
Deutschland bildet dabei eine Ausnahme. Hier bleibt Dolby Vision weiterhin deaktiviert, während Disney nach eigenen Angaben nach einer rechtlichen Lösung sucht. Einen Termin für die vollständige Wiederherstellung der Funktionen nennt das Unternehmen bislang nicht.
Verbraucherzentrale sieht möglichen Vertragsmangel
Die Verbraucherzentrale Niedersachsen bewertet die Situation kritisch. Wer ein Premium-Abo abschließt, könne bestimmte Bild- und Tonfunktionen erwarten. Wenn diese Merkmale wegfallen, könne aus Sicht der Organisation ein Mangel vorliegen.
Da der Vertrag direkt mit Disney geschlossen werde, sei der Streamingdienst für die bereitgestellte Qualität verantwortlich – unabhängig davon, ob ein Rechtsstreit mit einem Drittunternehmen der Auslöser ist. Betroffene Kunden könnten daher eine Minderung des Abonnementpreises verlangen oder einen Teil der bereits gezahlten Gebühren zurückfordern.
Kritik auch an Dolby-Atmos-Werbung
Neben der Bildqualität beschäftigt sich die Verbraucherzentrale auch mit der Audioausstattung. Disney+ bewirbt das Premium-Abo mit dem Hinweis auf Dolby Atmos. Nach Ansicht der Verbraucherschützer werde jedoch nicht ausreichend deutlich gemacht, dass diese Tonspur nicht für alle Inhalte verfügbar ist.
Wegen dieser Darstellung hat die Organisation den Streamingdienst abgemahnt. Disney bestätigt die Einschränkungen bei den Bildformaten und verweist auf das Urteil des Münchner Gerichts.
Unklare Perspektive für deutsche Abonnenten
Während Nutzer in mehreren europäischen Ländern wieder Zugriff auf Dolby Vision erhalten, müssen Abonnenten in Deutschland derzeit weiterhin darauf verzichten. Alternativen wie HDR10+ stehen bei Disney+ in Europa nach Unternehmensangaben grundsätzlich nicht zur Verfügung.
Wann die erweiterten HDR-Formate auch hierzulande wieder aktiviert werden, ist offen.


