Amazon Fire TV QL65F602D im Test: Solide Oberklasse
Mit der Fire TV Omni QLED-Serie bietet Amazon alltagstaugliche Fernseher in vier Größen. Wir haben uns das 65-Zoll-Modell angeschaut.
Als Amazon 2023 seinen ersten Fernseher eher einfacher Bauart nach Europa brachte, mag mancher an ein One-Hit-Wonder geglaubt haben. Doch der Online-Gigant meint es ernst und hat seine Expertise in diesem Bereich sukzessive ausgebaut. Nach dem aktuellen Amazon-Flaggschiff Fire TV Omni-Mini-LED in 55...
Als Amazon 2023 seinen ersten Fernseher eher einfacher Bauart nach Europa brachte, mag mancher an ein One-Hit-Wonder geglaubt haben. Doch der Online-Gigant meint es ernst und hat seine Expertise in diesem Bereich sukzessive ausgebaut.
Nach dem aktuellen Amazon-Flaggschiff Fire TV Omni-Mini-LED in 55-Zoll (hier unser Test) haben wir nun den Fire TV QL65F602D, wie der 65-Zöller der Omni QLED-Serie korrekt heißt, auf dem Testtisch. Er kostet aktuell schlanke 770 Euro und unterstützt mit HDR10, HLG, Dolby Vision, HDR10+ Adaptive alle wichtigen Standards. Auch anschlussseitig ist er bestens aufgestellt und bietet ausreichend Connections für Peripheriegeräte und Internetanbindung
- 3 x HDMI 2.0
- 1 x HDMI 2.1 mit eARC
- Wi-Fi 6 + 1 Ethernet-Anschluss
- 1 x USB 3.0
Ansonsten ordnet sich die Omni QLED-Serie im internen Ranking unter den Omni-Mini-LEDs ein, vor allem was Panel, Dimming und Helligkeit betrifft. So liefert der Omni QLED mit Full‑Array‑Local‑Dimming je nach Größe rund 80 bis 96 Zonen und eine Peak‑HDR‑Helligkeit um ca. 500 cd/m². Zum Vergleich: Der Omni‑Mini‑LED kann je nach Größe ca. 512 bis 960 Dimmingzonen mit über 1.000 LEDs und bis zu rund 1.400 cd/m² Spitzenhelligkeit vorweisen. Damit erreicht er einen deutlich tieferen Kontrast, weniger Blooming und ein wesentlich spektakuläreres HDR‑Bild.
Hoher Kontrast, aber stark blickwinkelabhängig
Doch auch der Fire TV QL65F602D muss sich nicht verstecken. Im Test bleibt er zwar unterhalb echter Spitzengeräte, präsentierte sich insgesamt aber als solide Oberklasse. Das 60-Hz-Panel wirkt im Betrieb eher träge, was sich bei Bewegungen bemerkbar macht – für Gamer ist er nicht die beste Wahl. Das eingesetzte „QLED“ (mehr zu sogenannten Fake QLEDs erklärt dieser Artikel) arbeitet eher auf Mittelklasseniveau, liefert aber dennoch einen respektablen DCI-HDR-Farbraum. Der native Kontrast ist hoch, allerdings ist der Fernseher sehr blickwinkelabhängig – schon bei kleinerem seitlichem Versatz lassen Farben und Kontrast sichtbar nach. Wer eh nur frontal schaut, kann hier abwinken. Wenn sich häufig mehrere Personen in größerem Kreis um den TV sammeln, ein bedenkenswerter Aspekt.
Positiv fällt das Local Dimming mit 14 x 11, also 154 Zonen, auf, das für ein insgesamt kräftiges Bild mit ordentlichem Schwarzeindruck sorgt. Problematisch sind dagegen einige ab Werk hinterlegte Bildeinstellungen: Der Film Maker Mode ist nicht wirklich neutral abgestimmt, arbeitet im falschen Farbraum und setzt in HDR die Mitteltöne zu hell, wodurch die Bildbalance leidet. Außerdem ist in HDR meist zu wenig Brillanz voreingestellt, sodass das Potenzial in Spitzlichtern und Strahlkraft nicht voll ausgeschöpft wird. Unser Tipp: Entweder im Film-Maker-Modus den Farbraum auf "Auto" stellen und weitere Parameter nach eigenem Geschmack anpassen. Oder noch besser: Den Modus "Film dunkel" wählen, der interessanterweise heller ist als "Film hell".
Einfache Bedienung, flüssige Abläufe
Auch bei diesem Modell setzt Amazon auf smarte Features: Der Fernseher passt die Farben auf Wunsch an die Raumhelligkeit an. Zudem wacht das Gerät wenn gewünscht automatisch aus dem Schlafmodus auf, wen jemand das Zimmer betritt, und zeigt wahlweise eigene Fotos aus der Amazon-Cloud oder Kunstwerke. Ist niemand in der Nähe, wechselt der Fire TV QL65F602D zurück in den Standby-Modus, um Energie zu sparen.
Dass ein Amazon-Fernseher mit der Sprachassistenz Alexa ausgestattet ist, versteht sich von selbst. Damit kann man Funktionen, Programme, Mediatheken sowie Filme und Serien oft auf Zuruf starten, ohne die Fernbedienung zu bemühen – dies hängt aber auch vom Anbieter ab. Als Betriebssystem nutzt Amazon das hauseigene Fire TV, das auf Android aufsetzt. Das läuft flüssig und lässt sich gut bedienen. Andere proprietäre System sind zwar teils schneller, doch mit Fire TV kommt man im Alltag gut klar. Über einen langen Druck auf die "Home"-Taste der übersichtlichen Fernbedienung öffnen sich aus jeder Lage die wichtigsten Einstellungen zu Quelle, Bild und Ton. Shortcuts zu Prime Video, Netflix, Disney+ und die Apps sparen Zeit, auch für die Einstellung der Untertitel gibt es eine eigene Taste.
Fazit: Macht viel richtig, lässt aber Potenzial liegen
Unterm Strich ist der Amazon Fire TV QL65F602D ein gut ausgestatteter 60-Hz-LCD mit lokalem Dimming und ordentlich erweitertem HDR-Farbraum, der technisch vieles richtig macht, aber durch mäßige Bewegtbild-Performance, Blickwinkel-Schwäche und teils missratene Bild-Presets kein echtes Top-Modell ist. Wer einen preiswerten 65-Zöller sucht und mit ein bisschen Handarbeit nachhilft, bekommt hier aber ein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis.
