Testbericht

Motorola Moto Q 9h

20.9.2007 von Redaktion connect und Bernd Theiss

Breite PDA-Phones bieten viel Platz für Tastatur und Display, flache tragen in der Tasche wenig auf. Diese Erkenntnis hat Motorola im MOTO Q 9h umgesetzt und auf die Spitze getrieben. Ist dem Neuzugang damit der große Erfolg beschert?

ca. 3:20 Min
Testbericht
  1. Motorola Moto Q 9h
  2. Die Bedienung
Motorola Moto Q 9h
Motorola Moto Q 9h
© Archiv

"Die Technologie versprach, die Dinge leichter zu machen" verrät uns die Anleitung ganz zu Anfang. Dann wird empfohlen: "Es ist Zeit, wieder die Kontrolle zu übernehmen." Und das Mittel zu diesem bedeutenden Vorhaben ist natürlich das MOTO Q 9h von Motorola, das für rund 500 Euro die Wiedererlangung der Herrschaft verspricht. Was die Wunderwaffe aus den USA neben gekonnter Handbuch-Rhetorik sonst noch zu bieten hat? Das klärt wie immer der unbestechliche Labor- und Praxistest von connect.

Windows Mobile 6 und mehr

Speicherkarte
Auch wenn das MOTO Q 9h großzügig mit Speicher versorgt ist, findet sich schnell ein Grund für die Zusatz-MicroSD-Karte.
© Archiv

Bei der Software setzt das PDA-Phone mit Windows Mobile 6 auf die neueste Betriebssystem-Version aus dem Hause Microsoft. Wobei Motorola an einigen Stellen Hand angelegt hat. So bringt das Q 9h statt der Pocket-Versionen des Internet-Explorers und Office-Pakets den Opera-Browser und Documents To Go von DataViz mit. Beide Produkte gelten zu Recht als leistungsstarke mobile Applikationen, erfordern vom Windows-Mobile-affinen Anwender aber eine gewisse Eingewöhnungszeit. Besonders der Opera-Browser verwirrt durch eingedeutschte Menüeinträge, deren Sinn sich teilweise erst durch Probieren erschließt.

Mit Probieren nicht zu lösen ist das Problem, dass es beim MOTO Q weder eine Notizen-Verwaltung mit Outlook-Synchronisation noch eine übergreifende Suche gibt. Wer solche Hilfsmittel beim Personal Information Management gerne nutzt, gibt hier ein Stück Kontrolle über seine Daten ab.

Einfache Bedienung

Doch davon abgesehen ist der Zugang zu den Daten über Qwertz-Tastatur und Navigationsknöpfe bequem möglich, die hohe und breite Front des Gehäuses schafft Platz für ordentlich große Bedienelemente. Zudem sind die alphanumerischen Tasten stark gewölbt - das sichert das taktile Feedback, über welchem Knopf man sich gerade befindet. Dass so viel Luxus nicht zu Nachteilen in Sachen Handlichkeit führt, liegt am extrem flachen Gehäuse. 12 Millimeter  Bauhöhe kann sonst nur noch das deutlich kleinere Samsung SGH-i600 bieten. Das gehört auch vom Gerätetyp - Windows-Mobile-PDA-Phone mit Qwertz-Tastatur und ohne Touchscreen - zum direkten Umfeld des neuen Motorola. Auch beim Gewicht zählen beide zu den leichtesten ihrer Gattung; die 130 Gramm des MOTO Q sind mehr als tragbar. Das bringt ihm unterm Strich eine gute Handhabungsnote.

Geballte Hardware-Packung

Hardkeys
User finden wichtige Navigationsknöpfe im Einflussbereich des Daumens, wenn die rechte Hand das Handy hält.
© Archiv

Die Handlichkeit hat allerdings ihren Preis: Eine typische Ausdauer von knapp sechs Stunden ist gerade noch mit "gut" zu bewerten. Bei den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des PDA-Phones muss man sich unter Umständen schon in Zurückhaltung üben, um den Tag bis zur nächtlichen Pause an der Steckdose ohne Energiekrise zu überstehen.

Ansonsten ist von allem reichlich vorhanden: Allein an Speicher werkeln 96 Megabyte RAM und 256 Megabyte ROM im Innern des Gerätes. Erweiterbar ist das Ganze über MicroSD-Cards, wobei der entsprechende Slot praktischer-weise von außen zugänglich ist. Auch bei den unterstützten Funkstandards kommt einiges zusammen.

Neben dem Kurzstreckenfunk Bluetooth und vier GSM-Bändern inklusive EDGE unterstützt das Motorola auch HSDPA bis 3,6 Mbit/s. Auf WLAN verzichten die Amerikaner, was die meisten deutschen Zeitgenossen aber kaum stören dürfte. Dabei kann man dem Funkteil des Motorola ein gutes Zeugnis ausstellen. Es erreicht zwar keine Top-Platzierung, mischt aber in der Spitzengruppe mit.

Auch akustisch liegt das Q 9h gut im Rennen. Der kräftige Sound bietet selbst bei erhöhtem Umgebungslärm eine gute Basis für die Verständigung. Einzig die bei modernen Windows-Mobile-Geräten nicht ganz so hohe Systemleistung sorgt dafür, dass das MOTO Q 9h die Leistungsnote "gut" um zwei Punkte verpasst. Doch die PDA-Phones, die diese Hürde bisher genommen haben, lassen sich an einer Hand abzählen. Wenig zu kritisieren gibt es an dem sehr hellen und kontraststarken Display. Mit 320 x 240 Pixeln liefert es die normale Windows-Mobile-Auflösung, mehr wäre bei knapp über sechs Zentimetern Diagonale auch nicht sinnvoll.

Bluetooth ersetzt

Auf der Sollseite steht beim MOTO Q die Infrarot-Schnittstelle. Deren Fehlen ist ein Trend, der der langsamen Ablösung der Infrarot-Kommunikation durch den Kurzstreckenfunk Bluetooth geschuldet und auch bei Notebooks vermehrt zu beobachten ist. Auf der Habenseite kann das Motorola mit einer 2-Megapixel-Kamera punkten, die in dunklen Lichtverhältnissen zumindest näher gelegene Objekte mithilfe eines LED-Lichtes aufhellen kann.

Fazit

Das Motorola MOTO Q 9h verbindet ein modernes Betriebssystem mit einer Ausstattung, die an praktischen Erwägungen orientiert ist. Wer auf eine maximierte Feature-Liste aus ist, wird anderswo sicher eher fündig. Wer jedoch bisher nur PDA-Phones kennt, deren Tastaturen entweder zu klein oder deren Gehäuse zu groß sind, sollte sich das neue Motorola einmal genauer angucken. Es bietet maximale Fläche für Keyboard und Display, bei minimalem Volumen für bequemen Transport. Dabei ist es solide verarbeitet und mit seiner gummierten Rückseite auch angenehm anzufassen. Die Bedienung geht - hat man sich an kleine Eigenheiten erst mal gewöhnt - durchaus in Ordnung, nur die Ausdauer könnte besser sein.

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