Geheimniskrämerei bei Apple

Geleakte Aufnahme verrät, wie Apple Leaks verhindern will

Eine geleakte Aufnahme gibt Einblicke in Apples Vorgehen gegen Leaker und den großen Aufwand, der betrieben wird, um Projekte geheim zu halten.

Apple Store, Palo Alto, Kalifornien

© Apple

Apple Store in Palo Alto. Apple unternimmt viel, damit neue Produkte nicht schon vorher in der Öffentlichkeit bekannt werden.

Ironischerweise ist die Information, wie Apple gegen Leaks vorgehen will, genau auf dem Weg in Umlauf geraten, den Apple verhindern will: Eine Aufnahme aus einem Vertraulichkeits-Briefing bei Apple wurde The Outline​ zugespielt. Sie gewährt Einblicke in die aufwändigen und weltweiten Maßnahmen, die der Konzern aus Cupertino unternimmt, um seine Projekte, Produkte und Patente geheim zu halten.

Die einstündige Präsentation trug laut The Outline den Titel "Stopping Leakers - Keeping Confidential at Apple". Offenbar beschäftigt Apple eine Anzahl von Ermittlern, die weltweit agieren, um zu verhindern, dass Informationen in die Hände von Wettbewerbern, Fälschern oder der Presse gelangen. In deren Aufgabengebiet fällt auch das Aufspüren der Quellen, wenn Informationen preisgegeben wurden. Einige der Ermittler waren zuvor bei US-amerikanischen Sicherheitsbehörden wie der National Security Agency (NSA), dem FBI, dem Secret Service oder beim Militär beschäftigt.

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In der Präsentation werden laut The Outline Angestellte über Apples Bemühungen informiert, Leaks zu verhindern. Ebenso ist ein Thema, wie Informanten bei Apple erwischt werden. In Video-Botschaften kommen auch Angestellte zu Wort, die ihre Meinung zu Leaks im Unternehmen kundtun. Es kommen darin Zitate vor, wie: "Wenn du diese Information leakst, lässt du uns alle hängen", oder: "Wenn ich einen Leak in den Nachrichten sehe, dreht sich mir der Magen um."

Auch zu Zeiten von Steve Jobs setzte man bei Apple stark auf Geheimnistuerei. Im Jahr 2004 versuchte der Konzern eine Gruppe von Technik-Bloggern zu unterwandern, um deren Quellen ausfindig zu machen - erfolglos. Nachfolger Tim Cook kündigte unterdessen im Jahr 2012 an, die Sicherheitsmaßnahmen gegen Leaks verdoppeln zu wollen. Für Tim Cook sei dies ein wichtiges Anliegen, zitiert The Outline Greg Joswiak, Vice President im Product Marketing von iPod, iPhone und iOS. Joswiak erklärte außerdem: "Ich habe vollstes Vertrauen, dass, wenn wir kluge Leute einstellen, sie am Ende auch das Richtige tun und ihren Mund halten."

Die meisten Leaks kommen vom Apple-Campus

​David Rice, ehemaliger NSA-Mitarbeiter und Kryptologe bei der US Navy​, stellte in der Präsentation ein Team für Produktsicherheit vor, das er leitet. Dieses Team konzentriere sich vor allem auf Schwachstellen in der Zuliefererkette. Die größten Leaks, die man bei Apple bisher erlebt hat, passierten, als Teile von Produkten aus Fabriken in China gestohlen wurden. Schnell landen solche Informationen bei der Presse oder werden auf dem Schwarzmarkt verkauft. Auf diese Weise wurden beispielsweise im Jahr 2012 Fotos des iPhone 5 geleakt.

Eine Bedrohung für Apple stellen demnach auch die hohen Prämien dar, die Schwarzmarkt-Händler Apple-Mitarbeitern für gestohlene Teile bieten. Vor allem, wenn das Gehäuse in Umlauf gelangt kann man daraus bereits viele Informationen über das nächste Apple-Gerät ableiten. Mitarbeiter verstecken Teile in Toiletten, spülen sie gar runter, um sie später wieder aus dem Abwasserkanal zu fischen oder werfen sie über Zäune. Apple versucht, selbst so viele Teile wie möglich vom Schwarzmarkt aufzukaufen, um zu verhindern, dass irgendwo auf der Welt ein Bild davon auf einem Blog landet.

Apple hat laut Rice die Situation in den Fabriken inzwischen aber so weit unter Kontrolle, dass nun mehr Leaks direkt aus Kalifornien stammen, wo Apple beheimatet ist. Laut Rices Aussage in der Präsentation wurden im vergangenen Jahr zum ersten Mal mehr Informationen vom heimischen Apple-Campus aus geleakt als von Fabriken im Ausland.​

Wenn ein Mitarbeiter Geheimnisse verrät, passiere das meist nicht in böser Absicht, so Rice. Stattdessen werde in der Begeisterung über eine Neuentwicklung versehentlich zu viel verraten. Ein Problem für Apple sei es, wenn Informationen über unveröffentlichte Produkte zu früh bekannt werden. So glaube Apple-Chef Tim Cook, dass die Verkaufszahlen aktueller Produkte, beispielsweise beim iPhone, stärker zurückgehen, wenn im Vorfeld zu viel über die Nachfolger bekannt werde. Entsprechend sollen sich die Mitarbeiter ihrer Verantwortung bewusst sein, so Rice.

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