Ein Superphone für 300 Euro gibt es nicht

Darum kommt das Xiaomi Mi 5 nicht nach Deutschland

Vollgestopft mit Highend-Technik und nur halb so teuer wie das Galaxy S7: Das gerade auf dem MWC in Barcelona vorgestellte Xiaomi Mi 5 lässt nicht nur Nerds ins Schwärmen geraten. Wenn die Chinesen damit nach Europa kommen, würden sie den Markt von unten aufrollen und es Samsung & Co. mal so richtig zeigen...wirklich? Ein Smartphone ist viel mehr als die Summe seiner Teile. Xiaomi hätte in Europa keinen guten Stand.

Xiaomi Mi5

© Xiaomi

Das Xiaomi Mi 5 wurde auf dem MWC 2016 in Barcelona erstmals präsentiert.

Innerhalb von nur sechs Jahren ist Xiaomi zum größten Smartphone-Hersteller in China und zur Nummer 5 weltweit aufgestiegen. Das Erfolgsrezept hat drei Säulen:

  • unschlagbar günstige Preise
  • Verkauf nur über Direktvertrieb
  • ein riesiges Dienste-Ökosystem, in das man mit dem Kauf des Smartphones quasi hineingezogen wird

Der neueste Streich der Chinesen ist das Mi 5, das umgerechnet weniger als 300 Euro kostet, obwohl es technisch hervorragend ausgestattet ist (Full-HD-Display, Snapdragon-820-Prozessor, 16-Megapixel-Kamera und 64 GB Speicher) und in einem edlen Gehäuse aus Glas und Aluminium steckt. Mehr Infos zur Ausstattung finden Sie in diesem Artikel auf connect.de.

Viele Technik-Fans fragen sich, wann Xiaomi mit seinen Preisbrechern endlich den Sprung nach Europa wagt, um den Markt hier aufzumischen. Die meisten Experten sehen das Unternehmen dagegen kritischer und zweifeln einen nachhaltigen Erfolg außerhalb Chinas an, weil das Xiaomi-Geschäftsmodell in ihren Augen nur dort lebensfähig ist. Und tatsächlich: In Europa und den USA werden die meisten hochpreisigen Smartphones über Netzbetreiber verkauft, was dem Direktvertrieb von Xiaomi diametral entgegen steht.

Ein weiterer Stolperstein ist das Betriebssystem: Auf den Xiaomi-Geräten läuft das Android-Derivat MIUI, bei dem nahezu alle Google-Dienste durch Alternativangebote des Herstellers ersetzt wurden, unter anderem ist ein eigener App Store installiert. Viele dieser Dienste funktionieren momentan nur in China. Es gibt zwar auch eine internationale MIUI-Version mit nativen Google-Services, aber die wird nicht so gut gepflegt wie das chinesische Original und ist nur rudimentär an einzelne Länder wie Deutschland angepasst. Kein Wunder, die eigenen Dienste stehen für Xiaomi an erster Stelle, sie sind ein wichtiger Teil des Geschäftsmodells und quersubventionieren wie bei Amazon-Tablets die niedrigen Hardware-Preise.

Der dritte große Stolperstein ist der fehlende Patent-Unterbau. Im Gegensatz zu Branchenschwergewichten wie Apple, Huawei oder Samsung hat Xiaomi kaum eigene Patente. Und was in China nur wenige Fragen aufwirft, kann in Ländern mit einem stärkeren Rechtssystem und einer höheren Wertschätzung von geistigem Eigentum schnell problematisch werden, das zeigt die Expansion von Xiaomi nach Indien. Das Unternehmen sah sich prompt mit einer Patentklage des Netzwerkausrüsters Ericsson konfrontiert, in deren Folge Ende 2014 ein Importverbot für Xiaomi-Geräte verhängt wurde. Beide Parteien haben sich dann später geeinigt. Aber man kann davon ausgehen, dass die Patentstreitigkeiten noch viel intensiver geführt – und damit auch kostspieliger – werden, wenn Xiaomi den Sprung in die USA oder nach Europa wagt. 

Halten wir also fest: Der märchenhafte Aufstieg von Xiaomi ist in erster Linie ein genuines chinesisches Phänomen. Man kann nicht behaupten, dass er in anderen Ländern nicht reproduzierbar ist, die Expansion in Indonesien und Indien läuft schließlich gerade. Aber auffällig ist, das Xiaomi bisher nur in Ländern erfolgreich ist, in denen eine gut ausgebaute Dienstleistungsinfrastruktur und ein starkes Rechtssystem fehlen.

Salopp formuliert: Bei uns um die Ecke wetzt der Patentanwalt die Messer, und vieles von dem, was Xiaomi in China bietet, nutzen wir bereits. In Deutschland wird es also erstmal nichts mit dem Superphone für 300 Euro.

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