Boxenselbstbau - Basshorn

Bass aus der Ecke

Eckhörner gehören ohne Zweifel zu den komplexesten Lautsprecherkonstruktionen. Dafür entschädigen sie mit einem unnachahmlich satten, verzerrungsarmen Tiefbass. Nach dem Klassiker von Paul Klipsch aus dem Jahre 1946 und der kompakteren Alternative von Berndt Stark anno 2000 wurde es nun Zeit für eine neue, ultimative Version. Bitteschön: Das Eckhorn 18 ist da.

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Basshörner sind klanglich ein Erlebnis, das man nicht vergisst. Leider nimmt das Gehäuse für eine angemessene Tiefbasswiedergabe derart riesige Ausmaße an, dass es für normale Wohnräume völlig ungeeignet ist. Da hilft nur ein Kunstgriff: Der gesamte Raum wird zum Horn erklärt. Das klappt, wenn das Horngehäuse in einer Raumecke steht. An der Stelle, wo der Schall das Horn verlässt, übernehmen die Zimmerwände die Fortsetzung des Hornverlaufs - und schon ist eine mehrere Quadratmeter große Hornmund-Öffnung Realität.

Was sich im Prizip so simpel anhört, steckt im Detail voller Tücken. Erst dank moderner Simulationsprogramme gelingt es, Basshörner so zu konstruieren, dass sie auf Anhieb funktionieren - ohne langwierige Experimente, die nur den Brennholzvorrat für den Winter vergrößern.

Der optimale Treiber

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Treiber des Eckhorn 18 ist der mächtige Mivoc AWX 184 für 149 Euro.

Bezüglich des Horntreibers trafen wir eine Wahl, die auf den ersten Blick verwundert: Ein 18-Zoll-Bass, also fast ein halber Meter Korbdurchmesser - das gibt doch ein riesiges Gehäuse? Bei Hornlautsprechern stimmt das so nicht; die Eigenschaften der Box werden in erster Linie nicht durch die Größe des Treibers, sondern durch die Mündungsfläche des Horns bestimmt. Der Querschnitt am Hornanfang hängt dagegen von der Größe des Basses ab.

Ein großer Hornhals bedeutet, dass das Horn kürzer und damit kleiner ausfallen kann, denn der Unterschied von der Hals- zur Mündungsfläche ist geringer. Damit kompensiert es zumindest teilweise das größere Volumen der geschlossenen Kammer. Diese Kammer ist erforderlich, da das Eckhorn als so genanntes frontgeladenes Horn arbeitet. Dabei strahlt eine Seite der Membran in ein geschlossenes Gehäuse hinein, ist also nach außen wirkungslos, und die andere Seite beschallt das Horn. Damit gibt es keinen Direktschall und folglich auch keine Interferenzen zwischen Membran- und Hornschall - für ein Basshorn die optimale Lösung.

Das geschlossene Gehäuse wurde so dimensioniert, dass der Tieftöner im eingebauten Zustand eine Gesamtgüte von 0,66 annimmt. Es ergibt sich eine Einbau-Resonanzfrequenz von 60 Hertz. Damit ist auch die Frage beantwortet, ob und welche Alternativen hinsichtlich des Horntreibers bestehen: Bedingung ist, dass der Treiber in die geschlossene Kammer eingebaut eine Güte von etwa 0,7 besitzt und auf eine Einbauresonanzfrequenz von 60 Hertz kommt - und natürlich zu den 18-Zöllern zählt.

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Die erstklassige Aktivweiche von Thel hat drei Equalizerstufen eingebaut und klingt hervorragend. Kostenpunkt des Bausatzes: 900 Euro.

Toleranzen von zehn Prozent sind ohne weiteres zulässig. Damit kommen alle 46-Zentimeter-Tieftöner in die nähere Wahl, deren Quotient aus Resonanzfrequenz und Güte zwischen 80 und 100 liegt. Das Volumen des Gehäuses muss, falls es zu groß ist, reduziert werden. Ein zu kleines Volumen ist ein K.O.-Kriterium. Da bleibt nur, die Kammer nach oben hin aufzustocken. Aber Vorsicht: Dieses Horn ist schwer, sperrig und unhandlich. Es noch zu vergrößern ist ein gewagtes Unterfangen, das man sich genau überlegen sollte.

Verstärkerempfehlung

Der Subwoofer-Verstärker sollte den Tiefstbass etwas anheben. Das Verstärkermodul Mivoc AM 120 (129 Euro) erledigt dies mit einer fest eingebauten Anhebung von 6 Dezibel automatisch.

Noch besser (aber auch teurer) war die Lösung mit Aktivweiche von Thel (mit drei eingebauten Equalizerstufen) plus dem Monoblock SP 997 (550 Euro) von Vincent. Die Kraft dieser exzellenten Endstufe plus die gut klingenden Tiefpass-Filter und die richtig gesetzten Equalizer-Punkte des Thel zeigen, wieviel Information ein wirklich guter Subwoofer aus den CDs herausholen kann.

Klangbeschreibung

Optimale Partner für das Eckhorn zeichnen sich durch hohen Wirkungsgrad und große Pegelfestigkeit aus. Deshalb sind unsere Hurricane (siehe Ratgeber "Boxenselbstbau - Turbo-Satellit") die ideale Ergänzung. Mit ihnen produzierte das Eckhorn 18 einen unglaublich tiefen und dabei knockentrockenen Bass. Es mag am extremen Wirkungsgrad liegen, der dem Verstärker selbst bei drastischer Lautstärke nur wenige Watt abverlangt. Jedenfalls klingt der Bass ungeachtet des sehr hohen Rms-Werts des Tieftöners so sauber und präzise, wie man es nur sehr, sehr selten erlebt. Dass dieser Subwoofer kaum 400 Euro kostet, darf man fachkundigen Zuhörern nicht verraten - die glauben es einfach nicht.

Eckhorn 18

Das Eckhorn 18 ist komplex und sollte nur von geübten Boxenbauern angegangen werden. Ein gewisses Geschick und die richtige Werkzeugausstattung vorausgesetzt, gelingt der Bau aber reibungslos. Für alle, die sich das Eckhorn nicht zutrauen, gibt es den Schreiner um die Ecke oder die Holz-Profis von CNC (Tel.: 02452 / 3524).

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