Kleinkino mit großen Klang: Soundcore Nebula P1 im Test
Die Marke Soundcore von Anker hat sich einen guten Namen bei innovativen Beamern erarbeitet. Der Nebula P1 ist nun der erste tragbare Smartprojektor weltweit, der durch abnehmbare Funklautsprecher den Filmspaß gehörig aufwertet.
Erst vor Kurzem hatten wir Soundcores mächtigen Partybeamer X1 Pro unter die Lupe genommen (zum Test) und schon beweist uns Anker nun, dass es auch viel kompakter und dezenter geht. Der Nebula P1 misst gerade mal 13 x 28,5 x 12,5 cm und lässt sich bei seinen nicht einmal zweieinhalb Kilo bequem am...
Erst vor Kurzem hatten wir Soundcores mächtigen Partybeamer X1 Pro unter die Lupe genommen (zum Test) und schon beweist uns Anker nun, dass es auch viel kompakter und dezenter geht. Der Nebula P1 misst gerade mal 13 x 28,5 x 12,5 cm und lässt sich bei seinen nicht einmal zweieinhalb Kilo bequem am Henkel mitnehmen. Die beiden Funklautsprecher machen dabei 6,5 Zentimeter seiner Höhe aus.
Anker musste beim Nebula P1 aufgrund der gehobenen Lichtleistung darauf verzichten, einen Akku zu integrieren, legt dafür ein 100W-Netzteil bei, das seine Power per USB-C einspeist. Wer stattdessen für vollste Mobilität eine Powerbank nutzen möchte muss schon ordentlich Leistung einplanen, oder gleich zu einer mobilen Kraftstation, beispielsweise von Anker (Powerstation) greifen.
Der Beamer zog sich während unserer Tests selten unter 60 Watt aus der Dose – während die beiden Funkboxen aufgeladen werden entsprechend mehr. Sie ziehen sich beim Aufsetzen auf den Beamer magnetisch zusammen, bevor eine Mechanik einklinkt und die Kontakte für die Betankung fixiert. Im Kinobetrieb haben die ausgesprochen gut klingenden Lautsprecher dann auch mehrere Stunden bei moderaten Pegeln durchgehalten, für die ganze Nacht des Superbowls hat es dennoch nicht ganz gereicht. Sie spielen aber natürlich weiter, wenn man sie zum Laden auf den Projektor rastet. Oder man nutzt für längerfristige Installationen ihren separaten USB-C-Eingang.
Gutes Bild gehört zum guten Ton
Sobald man allerdings die Funkboxen, wie es sich gehört, rechts und links unten am Rand der Leinwand platziert, spürt man, was allen All-in-One Kompaktbeamern bisher fehlte: ordentlicher Klang. Man kann Filmgrößen wie George Lucas nur zustimmen, die behaupten mindestens ein Drittel des Kinoerlebnisses würde auf dem passenden immersiven Sound basieren, und ergänzen, dass dies auch auf die Atmosphäre von Sportereignissen oder die Audiokulisse von Gaming zutrifft.
Wer einmal großes Heimkino erlebt hat, oder auch nur ordentliche Fernseher mit Soundbars kennt, kann sich nicht damit anfreunden, dass sich bei klassischen Smartbeamern die Soundstage niemals dort befindet, wo die Musik spielt, nämlich auf der Leinwand, sondern weit davon entfernt – am Beamer, und dann noch meist in Mono – wie im Kino zuletzt vor einhundert Jahren.
Es ist erstaunlich, wie viel besser das Erlebnis ist, und wie viel weniger man abgelenkt wird, wenn Bild und Ton richtungsweisend zusammenpassen. Und wenn dann auch noch, wie im Falle des Nebula P1, die Boxen verhältnismäßig zur Physik ihrer Größe dynamisch kraftvoll und gleichzeitig harmonisch, wenn auch in ihrer Spritzigkeit gemäßigt aufspielen, fühlt sich der anspruchsvolle Beamerfreund gleich zuhause.
Die Farbtreue ist erstaunlich hochwertig
Dabei wollen wir nicht verschweigen, dass es sich hier bildtechnisch für Heimkinoverhältnisse (nur) um ein Gerät der höchsten Einstiegsklasse handelt. Messungen und Praxistests haben dann aber gezeigt, das Soundcore bei Konzept und Abstimmung beste Arbeit geleistet hat.
Im Zentrum des Interesses steht der kleine DLP-Chip, der seine Full-HD-Auflösung wie üblich durch Pixelshifting erzielt. Er wird durch Vierfach-LEDs beleuchtet, die besonders lange halten sollen und ihre Grundfarben so schnell wechseln lassen, dass Regenbogeneffekte kaum ins Gewicht fallen. Die Optik besitzt einen festen Projektionsfaktor von 1,2, stellt sich aber präzise selbst scharf und korrigiert automatisch Trapezverzerrungen. Die Aufstellung des Nebula P1 gelingt also sehr schnell, auch bedingt durch die integrierte vertikale 130°-Schwenkbarkeit.
Eingeklappt verschwinden HDMI-Buchse, USB-A-Anschluss und Audioausgang. Dem HDMI-Eingang konnten wir selbst in der Einstellung „2.1“ keine Pixelraten jenseits der 18 Gbit/s entlocken, und auch beim Gaming war bei 60Hz Schluss, dafür aber mit Latenzen von unter 10 ms. Kurz gesagt verträgt der Nebula P1 auch Ultra-HD-Quellen und bringt dabei sogar prächtige HDR-Farben ans Licht – jedenfalls bei Rot- und Blautönen und mit einer DCI-Farbraumabdeckung von 89%.
Auch im Labor beeindruckt der Nebula P1
Die marketingtechnisch angedrohten 650 Lumen konnten wir im Labor nicht ganz nachvollziehen, unter unseren strengen Bedingungen lieferte der Standardmodus jedoch saubere 520 ab. Dabei zeigte sich eine nur leicht erhöhte Farbtemperatur bei Begrenzung der Farbluminanz und verstärkter Sättigung. Dieser maximal helle Bildmodus, der ab Werk voreingestellt ist, ist also durchaus brauchbar und macht durch eine Kontrast- und Farbsteigerung sogar etwas Spaß.
Große Augen haben wir dann allerdings gemacht, als wir den Filmmodus auswählten. Hier war die Bildabstimmung mit Delta-E-Werten unter Drei erfreulich neutral und absolut farbecht, bei sauberen 350 Lumen. Ein dermaßen natürliches Kinobild hätten wir nicht erwartet.
Alle Voreinstellungen überflügelten zudem mit In-Bild Kontrasten zwischen 450:1 und 570:1 die Herstellervorgabe deutlich. Durch seine hochwertige Farbwiedergabe bei tollem Kontrast kann sich der P1 also von den vielen kleinen Spielzeugbeamern im Markt massiv absetzen – er spielt in einer höheren Liga, und das nebenbei bemerkt unter angenehm dezentem Lüftergeräusch.
Höchste Kinoqualität, also 4k mit jenseits der 2000 Lumen bei nativ stotterfreier 24p-Kinowiedergabe darf man in dieser Klasse natürlich nicht erwarten, doch mit seiner Bewegungsglättung, guten Kalibrierbarkeit und vor allem dem satten Sound holt der Nebula P1 auf andere Weise gehörig Bonuspunkte.
Selbst die Filmquellen sind integriert
Erfreulich weil nicht selbstverständlich ist, dass das Betriebssystem Google-TV (auf Android 11) des smarten Kleinods auch von Netflix akzeptiert wurde. Im Gegensatz einigen asiatischen Mitbewerbern läuft die marktführende Streaming-App hier nativ, lizensiert und gibt als Schmankerl HDR frei. Da selbst diese Hürde genommen wurde, sind Apps wie Prime, Paramount, HBOmax, Apple-TV und Disney ein Kinderspiel für den P1. Wir haben zudem linear über die App von Magenta-TV ferngesehen und Musik über Spotify gehört, im Grunde also das volle Programm nutzen können.
Dank Quadcore A55 mit 1,5GHz, 2 GB RAM und über 20 Gig freiem Rom bleibt einiges an smartem Spielraum. Chromecast und Sprachsteuerung gehören zum Systempaket, zudem sind die Boxen im Alleingang als Bluetoothlautsprecher ansteuerbar.
Fazit
Alles in Allem sorgt der innnovative Nebula P1 als weltweit erster Kompaktbeamer mit abnehmbaren Stereo-Funklautsprechern für Furore. Er macht eine farblich hervorragende Projektionsfigur beim mobilen Film- oder Sportabend, vorausgesetzt man stellt genügend Saft für die Stromversorgung bereit. Mit 800 Euro ist er nicht ganz billig, doch bedenkt man seine Exklusivstellung inklusive des Wertes von zwei Funkboxen, passt der Kaufpreis bestens.