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Ratgeber Zattoo – überall Fernsehen

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Zattoo – überall Fernsehen
Zattoo – überall Fernsehen
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Alle Fernseher wollen ins Netz, es geht aber auch umgekehrt: Die Firma Zattoo packt das TV-Programm ins Internet – völlig legal, abrufbar am Computer wie auch auf Smartphone oder Tablet.

Auf der IFA kam man um ein Schlagwort nicht herum: „Smart TV“. Gemeint waren Fernseher, die dank Internetanbindung zusätzliche Services bieten – beispielsweise Video on Demand, den Zugriff auf Mediatheken und teils sogar das freie Surfen im Netz.

Während die großen TV-Hersteller damit versuchen, den eher traditionellen Konsumenten auf dem Sofa abzuholen, geht Zattoo den ent­gegengesetzten Weg und zielt auf die internetaffine Klientel. Allerdings nicht auf der Mattscheibe, sondern auf PC, Mac, Windows Phone, iPhone oder iPad; Android soll bald folgen. Auf all diesen Plattformen bietet Zattoo das Liveprogramm verschiedener Sender.

Auf legalem Terrain

Zattoo auf dem iPad
Zattoo auf dem iPad ©

Apps und Programme, um TV-Streams zu empfangen, sind nicht neu – aber in der Regel alles andere als legal. Dass die 2005 gegründete Schweizer Zattoo GmbH ihren Service seit 2007 in Deutschland anbieten kann, liegt daran, dass sie schlicht und einfach Vereinbarungen mit den Sendern abgeschlossen hat, die sie ausstrahlt.

In Deutschland beschränkt man sich diesbezüglich vor allem auf die Öffentlich-Rechtlichen, sprich ARD, ZDF, 3sat, Arte und die dritten Programme. Die privaten Sender hat man bis auf Sport1 bisher nicht ins Boot holen können. Zumindest in Deutschland, denn dass es auch anders geht, zeigt ein Blick über die Grenze in die Schweiz: Hier werden auch Sender wie Pro7, Sat1 oder RTL gestreamt. Konsequent ist das nicht – und schade für deutsche Zuschauer. Offensichtlich wollen die Privaten hierzulande die Einnahmen lieber komplett allein generieren, beispielsweise RTL mit seiner App, für die nach Ablauf der Testphase jährlich rund zehn Euro anfallen.

Gratis mit Werbung

Apropos Einnahmen: Zattoo finanziert sich unter anderem aus Werbung, die beim Start der Software und beim Wechsel der Sender läuft. Da Zattoo das Liveprogramm eins zu eins weitergibt, kommt noch die Werbung hinzu, die sowieso über den Äther geht.

Um den vollen Senderumfang und einen elektronischen Programmführer (EPG) nutzen zu können, ist eine Registrierung nötig, Kosten entstehen dabei aber keine. Das TV-Programm bekommt man je nach Endgerät in einer Auflösung von 625 x 352 Pixeln (PC, iPad, Windows Phone 7) oder mit 426 x 240 Pixeln (iPhone). Wichtig zu wissen: Zattoo lässt sich nur über WLAN auf mobilen Geräten nutzen, der Empfang über UMTS bleibt wegen lizenzrechtlichen Gründen bislang außen vor.

Zattoo

Über den auch bei uns verfügbaren EPG können Schweizer Nutzer komfortabel einzelne Sendungen aufzeichnen.

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Höhere Auflösung im Abo

Eine bessere Bildqualität gibt’s via HiQ-Mitgliedschaft. Die kostet für einen Monat vier, für drei Monate zehn und als Jahresabo 30 Euro. Mit High Definition hat dies allerdings nicht wirklich etwas zu tun. Immerhin steigt die Auflösung auf 938 x 528 Pixel auf allen Plattformen, was bei einer Datenrate von 1 Mbit/s ein sichtlich besseres Bild liefert.

Das Abo gilt für alle Geräte, dank der wegfallenden Werbung liegt die Umschaltzeit bei rund zwei Sekunden, also etwa auf dem Niveau des digitalen Fernsehempfangs. Zusätzlich zum normalen Abo lassen sich auch spezielle Pakete wie Türkei oder Kroatien buchen, seit Kurzem gibt’s zudem ein Pay-TV-Angebot, das aus Sendern wie dem Auto Motor Sport Channel oder Kinowelt TV besteht und rund zehn Euro monatlich kostet.

Wichtig zu wissen: Der zeitliche Versatz, der durch das Einspielen des Satellitensignals, die Umcodierung und die Übertragung anfällt, lag im Praxistest in allen Fällen bei rund zehn Sekunden im Vergleich zum Fernsehbild via DVB-C. Schießen also Jogis Bundeskicker ein Tor bei einer Weltmeisterschaft, hört man die Nachbarn bereits jubeln, bevor man den Treffer sieht. Die Einspeisung der Programme in den Internet-Stream erfolgt in Zürich, andere Städte in Europa empfangen das Programm als Backup auch via Satellit oder terrestrisch via DVB-T.

Schweizer Mehrwert

Zattoo auf dem iPad
Zattoo auf dem iPad ©

Nicht nur, weil Zattoo ein Schweizer Unternehmen ist, sondern wohl auch wegen der komfortableren Rechtslage können die Eidgenossen umfangreichen Komfort nutzen. Allen voran die Recording-Funktion, die jedoch derzeit auf die Software- oder Browser-Ver­sion von Zattoo beschränkt ist. Per App sollen Aufnahmen im Laufe des Jahres möglich sein. Dabei lassen sich wahlweise einzelne Sendungen über den EPG oder gleich das ganze Programm einzelner Sender aufzeichnen. Allerdings bleiben die Aufnahmen nicht dauerhaft verfügbar.

In der kostenlosen Variante sind maximal die letzten 30 Tage nach Start der Aufzeichnung zugängig, mit dem HiQ-Abo erweitert sich dies auf drei Monate. Praktisch ist auch die Suchfunktion, mit der bestimmte Sendungen auffindbar sind. Dauerglotzer können sich zudem eine Playlist anlegen. Allerdings bleiben auch diese Aufnahmen nur via Streaming zugänglich und lassen sich nicht unabhängig von einer Internetverbindung anschauen, wie es beispielsweise über die App „Dailyme“ möglich ist. Ob die Recording-Funktionalität auch in Deutschland verfügbar sein wird, lässt sich derzeit nicht sagen, Lizenzprobleme und eigene Mediatheken der Sender dürften dies erschweren.

Fazit

Zattoo ist beliebt, davon zeugen die bislang über neun Millionen registrierten Nutzer in den sechs versorgten europäischen Ländern. Zu Recht: Denn bislang gibt es kein Angebot, das Fernsehen so einfach und komfortabel übers Internet streamt. Auch wenn die Auflösung nicht dazu angetan ist, den TV-Anschluss abzuschaffen, reicht die Qualität fürs Gucken zwischendurch.

Vor allem die Möglichkeit, das TV-Programm per Smartphone- oder Tablet-App mitzunehmen, dürfte in manchem Haushalt den Haussegen wieder gerade rücken: Wenn im Wohnzimmer eine Schmonzette läuft, lässt sich das Fußballspiel notfalls im Hobbykeller oder im Garten in der Hängematte verfolgen. Einzige Wermutstropfen: Auf Privatsender und Aufnahmen wird man in Deutschland auf absehbare Zeit wohl verzichten müssen.
 

 
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