Testbericht

JBL LS 80

Hifi-Qualität mit Bühnen-Dynamik: Die LS 80 von JBL lässt Rockkonzerte so live wie in der Arena klingen.

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In der Beschallungstechnik, der Keimzelle der Traditionsmarke JBL, geht ohne Hornlautsprecher wenig. Firmengründer James B. Lansing feilte bereits 1936 an diesem System.  Mit der neuen LS-Serie wollen die Kalifornier nun die lang vermisste Brücke schlagen zwischen ihren HiFi-Boxen und der knapp 50_000 Euro teuren Project Everest .

Kein Spielzeug

Die LS_80 hat typische Beschallungstechnik eingebaut: Titan-Membranen mit 50-Millimeter-Schwingspule, Druckkammer und Biradial-Trichter findet man auch in Profi-JBLs. Anders als in der gut doppelt so teuren Array 1000 (AUDIO 11/06) arbeitet das Horn allerdings quer statt hoch stehend. Auch muss es erst ab 2200 Hertz einsetzen, was in puncto Sauberkeit von Vorteil sein dürfte. Um Interferenzeffekte zwischen den beiden darunter montierten 20er-Bässen zu verhindern, fungiert nur das obere Exemplar zugleich als Mitteltöner. Wer es herausschraubt, spürt schon am Gewicht, dass JBL mit Material klotzt: Der Korb besteht aus Alu-Guss, der Magnet erreicht PA-typische Maße, Gummisicke wie Zentrierspinne sind auf allerhöchste Hübe hin ausgelegt.

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Auch der 20er-Bass nimmt Anleihen bei JBLs Profi-Chassis; das Reflexrohr bewegt noch einmal soviel Luft.

Bei der Membran mag man es konventionell: Ultrahartes Papier schleudert die Basswellen nach vorn. Im Tiefbass tun sich damit allerdings selbst zwei 20er schwer: Die Luft im Reflexrohr sorgt deshalb für Unterstützung. Mit 18 Zentimetern Außendurchmessern und 38 Hertz Abstimmfrequenz spielt die Konstruktion schon in der Everest-Liga, während der ab 8000 Hertz schwingende Superhochtöner mit Ringmembran eher an die Einstiegsserien von JBL erinnert.

Viel Glanz

Mit Hochglanz wartet die KEF XQ__40 (AUDIO 3/08, 3000 Euro) auf, die im Hörraum neben der dominanten JBL beinahe niedlich wirkte. Zumindest während des ersten Teststücks, Charly Antolinis "Knock Out", war der Klangeindruck entsprechend: intim-fein und räumlich weit, im Bass jedoch etwas schludrig die KEF, maskulin-druckvoll und vollständig die JBL. Jeder Schlag auf die Drums animierte Hörer der LS__80 zum mitwippen. Klarer Fall: In der Grundabstimmung ähnelt die Box der überragenden Everest.

Ohne grobtonale Fehler lieferte die LS__80 bei "Knocked up" (Kings of Leon, "Because Of The Times", Sony BMG ) ein schnörkelloses, gigantisches Rockkonzert ab, das trotz aller Direktheit nie aufdringlich wirkte. Die KEF stellte mit einer deutlich highendigeren Abstimmung das Gegenkonzept dar: homogener, feiner, mit körperhafter in den Raum gestellten Stimmen und mehr Atemluft. Was bringt mehr Hörspaß? Schwer zu sagen. Auch die etwas forsche JBL mit ihrer Neigung, musikalische Energie grundsätzlich in reinen Vorwärts-Druck zu verwandeln, fand in der Redaktion ihre Freunde.

Boris Blachers "Paganini-Variationen" (AUDIO Pure Music 3, Bose) bremsten den  Höhenflug der LS___80 dann aber doch ein wenig: Während die KEF mit ihrem holographischen Klangbild die einzeln ansteigenden Orchesterreihen der Berliner Philharmonie fein in der Tiefe abbildete, fiel das Bühnenbild beim Umschalten auf die JBL minimal zusammen, wirkte flach und flächig; alle Musiker drängelten sich eher an der Bühnenkante. Wo die KEF facettenreiche Klangmischungen und warm timbrierte Bilder malte, nutzte die JBL eine kleinere Farbpalette und stellte gerade Bläser recht schlank mit übertriebenem Anblasgeräusch dar.

Etwas verunsichert wirkte auch Tenor Scott Weir in seiner Darbietung von Schumanns "Dichterliebe" ("Frei aber einsam", Tacet), dem die LS___80 ein etwas gequetschtes Forte und leicht lispelnde Aussprache andichtete. 

Fazit

Ganz klar, die JBL ist weder Spielzeug noch audiophile Erweckungsbox. Eher eine klassische Rock-Röhre mit der Extra-Portion Druck - und mit der Lizenz zum Rocken in ganz großen Arenen.

JBL LS 80

HerstellerJBL
Preis3200.00 €

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