Kompaktboxen

Kii Audio Three im Test: Close to perfection

Newcomer Kii Audio hat mit seiner Three eine volldigitale Aktivbox entwickelt, die die Boxenszene auf den Kopf stellen wird. Das angenehm kompakte Tonmöbel begeistert mit einzigartiger Authentizität und zeigt sich obendrein enorm anpassungsfähig.

  1. Kii Audio Three im Test: Close to perfection
  2. Kii Audio Three: Funktionsweise, Optik und Fazit
KiiThree

© Kii

Aktivbox mit digitaler Bassniere

Pro

  • Extrem natürlich mit einem Maximum an Klangfarben und Rauminformationen
  • stupende Feindynamik
  • genialer Bass

Contra

  • -

Fazit

Klangurteil: 104 Punkte, Preis/Leistung: Überragend
Hervorragend

Antriebe mit erhöhter Signaltreue und präzisere Frequenzweichen ergeben immer mal wieder kleinere Fortschritte beim Lautsprecherklang, doch der große Durchbruch ist in den letzten Jahren ausgeblieben. Daran nicht unbeteiligt ist auch die Abneigung vieler Anwender gegenüber aktiven Konzepten mit integrierten Endstufen und elektronischen Filtern, obwohl deren Überlegenheit seit Jahren bekannt ist und wir Tester bei jeder passenden Gelegenheit darauf hinweisen.

Kein Kraftfahrzeugspezialist käme auf die Idee, einen Motor für Stadtfahrzeuge in einem Lastwagen zu betreiben, doch in der HiFi-Szene sind solche rational nicht immer nachvollziehbaren Kombinationen weit verbreitet. Nicht selten werden Verstärker und Boxen einfach nach Lust und Laune gekoppelt, getreu der Devise "Der Weg ist das Ziel".

Dieses Stochern im Nebel könnte nun aus der Mode kommen, denn mit der kompakten Three von Kii Audio betritt eine in vielerlei Hinsicht neuartige Aktivbox die Bühne. Ihre Verstärkerzweige sind exakt auf die Treiber abgestimmt. Die DSP-gesteuerten Frequenzweichen erzeugen mit ausgesuchten Treibern eine einzigartige Zeit- und Frequenzlinearität, hart an der Grenze des physikalisch Machbaren. Obendrein wird der Themenkreis Raumakustik hochwirksam angegangen.

Soviel sei vorab verraten: Die wohnraumfreundliche Kii Three erzielt in den für Audiophile wichtigsten Teilbereichen das mit Abstand beste Testergebnis einer Kompaktbox in mehr als 30 Jahren AUDIO-Historie und deklassiert mühelos weitaus teurere Boxen-Verstärker-Kombinationen. Doch bevor wir in Superlativen schwelgen, gilt es Konzept und Technik zu durchleuchten.

Kii Audio ist ein Zusammenschluss von fünf Enthusiasten mit langjähriger Erfahrung in der Studiotechnik und High-End-Szene. Mastermind der 2014 gegründeten Firma mit Sitz im westfälischen Wermelskirchen ist kein Geringerer als Bruno Putzeys, der beim holländischen Verstärker- und Filterspezialisten Hypex für zahlreiche Grundlagenentwicklungen verantwortlich zeichnet. Aus seiner Feder stammt letztlich auch das Konzept der LS 1 von Grimm Audio, die beim Test in der Ausgabe 5/2013 einen grandiosen Eindruck hinterlassen hatte.

KiiThree Tieftöner

© Kii

Vier Tieftöner (je zwei seitlich und hinten) werden so angesteuert, dass auch Bassfrequenzen bevorzugt nach vorne abgestrahlt werden. Für Mitten und Höhen sind separate Treiber verbaut.

In der Three stecken Verstärkermodule der allerneuesten Generation, die erstmalig über eine Art Impedanz-Gegenkopplung verfügen. Die hochgradig energieeffizienten und platzgenügsamen Module erfahren so eine Anpassung an die spezifische Last der Treiber und ihren Frequenzbereich.

In der Three stecken sechs Chassis und ebenso viele Verstärkereinheiten mit jeweils 250 Watt Ausgangsleistung. Wie jede anständige Aktivbox ist die Three im Bass elektronisch entzerrt, sprich Impulsverhalten und untere Grenzfrequenz werden durch die Programmierung der Filter bestimmt, weniger durch das spärliche Gehäusevolumen und die Thiele-Small-Parameter der Chassis. Dabei wird den Treibern mit sinkender Frequenz zunehmend Leistung zugeführt und so der physikalisch bedingte Schalldruckabfall kompensiert.

Gegenüber einer nicht entzerrten Box erhöht sich der Leistungsbedarf im Bass leicht um Faktor zehn, auch weil bei der Three im Interesse maximaler Klangpräzision auf wirkungsgradfördernde Reflexrohre verzichtet wurde. Das nötige Verschiebevolumen liefern vier extrem hubstarke Basstreiber. Zwei sitzen seitlich, zwei hinten. Das Datenblatt verspricht 20 Hertz ohne Verluste, doch nach den Messungen (siehe letzte Seite) liegt die untere Grenzfrequenz sogar bei 19 Hertz. Allein mit ihrer Frequenzbandbreite lässt die Kii die allermeisten Passivboxen alt aussehen, auch deutlich größere Standlautsprecher.

Doch es kommt noch besser: Die DSP-Steuerung betreibt die Basschassis wie auch den Mitteltöner in Teilbereichen gegenphasig, was zu raumwinkelabhängigen Pegelabsenkungen führt. Während gewöhnliche Boxen nur Mitten und Höhen gerichtet abstrahlen, Bass- und Grundtonbereich aber größtenteils kugelförmig, erzielt die Three eine Richtwirkung bis etwa 40 Hertz hinunter. In der virtuellen Sicht von oben wird aus dem gewohnten Kreisdiagramm eine Niere mit einem ausgeprägten Schalldruckminimum hinter den Boxen.

Die gerichtete Abstrahlung bei großen Wellenlängen ist ein lang ersehnter Geniestreich, denn so wird der Klang auch bei tiefen Frequenzen vorwiegend von der Box bestimmt und kaum noch vom Raum und seinen vielfältigen Moden. Überbetonte und schwammige Bässe sind damit Schnee von gestern.

KiiThree 16 Klangstufen

© Kii

Der XLR-Eingang links nimmt wahlweise digitale oder analoge Signale entgegen. Das Boundary-Drehpoti dient zur Anpassung an die Art der Boxenaufstellung. Der Contour-Regler erlaubt den Abruf von 16 vorprogrammierten Klangeinstellungen für geschmackliche Zwecke. Die Netzwerkbuchsen dienen der Kommunikation zwischen den Boxen.

Über ein Drehpoti lassen sich Bassmenge und Winkelverhalten variieren. Die Maximalstellung ist für Freifeld-ähnliche Bedingungen (große Räume und wandferne Boxenposition) gedacht und führt zu dem im Messlabor-Kasten abgebildeten, schnurgeraden Frequenzgang. Die Minimalstellung ist für Raumecken gedacht, wo gleich drei schallharte Grenzflächen im Spiel sind. Die Anpassung erfolgt in 16 feinen Stufen, damit auch Mischformen abgedeckt werden.

Mit dieser Technik lässt sich die Three an nahezu jede Umgebung anpassen und klingt im Idealfall stets gleichermaßen neutral und präzise. Eine wandnahe Aufstellung hat keine Nachteile und wirkt im Gegenteil sogar dynamikfördernd, weil Treiber und Amps weniger Energie aufwenden müssen. Es darf sogar eng werden, denn der empfohlene Mindestabstand zwischen Bässen und Wand beträgt nur acht Zentimeter.

Gewöhnliche Ortsfilter in konventionellen Boxen senken den Basspegel für alle Raumwinkel und bekämpfen bei raumakustisch bedingten Aufdickungen nur die Symptome, weil die Raumbereiche neben und hinter der Box lediglich weniger angeregt, aber nicht wirksam ausgeblendet werden. Die Three packt dieses highfidele Standardproblem an seinen Wurzeln, weil die kritischen Zonen erst gar nicht großartig angeregt werden. Der Bassbereich klingt durch die Niere keineswegs dünner, wohl aber um Welten präziser.

Ein weiterer Teil der Kii-Philosophie ist das Streben nach einem perfekten Zeitverhalten. Eine leichte Verzögerung der Mittel-Hochtoneinheit egalisiert den mechanischem Versatz zwischen den Treibern und lässt trotz komplexer Filterung alle Frequenzen zeitgleich beim Hörer eintreffen. Eine exakte Sprungantwort als Indiz der Zeitrichtigkeit gelingt nur den wenigsten Dreiwegeboxen, doch die Kii absolviert auch diese Prüfung mit Bravour.

Weil maximale Neutralität nicht immer gefallen muss, gibt es neben der Raumanpassung einen ebenfalls sechzehnstufigen "Geschmacksknopf" mit diversen Frequenzgangspielereien.

Die sechs Treiber bezieht das Startup von renommierten Herstellern. Die gut 16 Zentimeter großen Tieftöner arbeiten, wie auch der etwas kleinere Mitteltöner, mit hochfesten Alumembranen. Für die Höhen ist ein flächenbündig eingelassenes Kalottensystem zuständig. Kleinere Serienstreuungen werden bei jeder Box über den DSP egalisiert.

Das nur 20 Zentimeter breite Kunststoffgehäuse besteht aus zwei aus klangneutralem Kunststoff gegossenen Halbschalen, die vielfach versteift sind. Standardfarbe ist Weiß in Kombination mit dunkelgrauen Blenden. Gegen Aufpreis ist der Farbton wählbar, so sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Die Ansteuerung erfolgt über XLR und vorzugsweise digital mit bis zu 24 Bit und 192 Kilohertz. Nach Umlegen eines kleinen Schalters werden auch analoge Signale entgegengenommen. In nicht zu ferner Zukunft sollen zwei Controller hinzukommen. Die kleine Lösung, die bereits im kommenden Jahr erscheint, versteht sich mit USB oder S/PDIF, bietet ansonsten nur eine Lautstärkeregelung. Der für später angedachte "große" Controller soll mehr Eingänge bieten und drahtlos mit der Three kommunizieren. Doch im Grunde reicht ein Notebook mit einem gängigen Audioplayer.

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