Smartphone-Betriebssystem von Huawei

Huaweis Harmony OS könnte Android ersetzen

Anlässlich der Huawei-Entwicklerkonferenz HDC 2019 hat CEO Richard Yu verkündet, dass das Betriebssystem Harmony OS bereit für den Einsatz auf Smartphones sei. Bei Huawei könnte es auf längere Sicht Googles Android ersetzen.

Alternative zu Google Maps

© connect

Parallel zu Harmony OS arbeitet Huawei auch an einem eigenen Kartendienst.

In seiner Präsentation betonte der Huawei-Chef die Vorteile von Harmony OS gegenüber anderen Betriebssystemen. Namentlich genannt wurden die beiden auf Linux basierenden Systeme iOS und Android. So sollen in den mittlerweile 100 Millionen Code-Zeilen von Android rund 20 Millionen Zeilen Linux-Code stecken, von denen aber nur etwa 8 Prozent regelmäßig zum Einsatz kämen. Das stellt an die Geräte auf denen es läuft, eine hohe Eingangshürde, etwa in Bezug auf Fest- und Arbeitsspeicher.

Eine Plattform für viele Geräte

Bei Harmony OS redet Huawei von einer Distributed Architecture, die sowohl auf Highend-Smartphones, als auch auf kleinen, preiswerten Wearables eingesetzt werden kann. Die Hardware wird im Betriebssystem virtualisiert und über einen virtualisierten Bus mit anderen Geräten verbunden (Shared Ecosystem). Das bedeutet, dass ein Harmony-OS-Smartphone auch auf die Kamera zugreifen kann, die in einem Auto mit diesem Betriebssystem eingebaut ist, um etwa Aufzeichnungen der Fahrt zu machen, die sich dann per Mobilfunk auf den Fernseher zuhause streamen lassen. Die Head-Unit des Autos wiederum kann sich des Audio-Players im Smartphone bedienen und die dort vorhandenen Streaming-Dienste steuern. Der hierzu verwendete virtuelle Daten-Bus kann bei Latenzen von weniger als 20 Millisekunden bis zu 1,2 Gigabyte pro Sekunde übertragen, das ganze bei gesteigerter Zuverlässigkeit.

Um eine hohe Performance auf dem Smartphone zu gewährleisten, sind Übertragungsstrecken in verschiedenen Geschwindigkeitsklassen definiert, Yu sprich analog zum Straßenverkehr von Fahrradwegen, langsamen, schnellen und Überholspuren. Je nach Notwendigkeit der Übertragungsgeschwindigkeit werden jeder Aufgabe die nötigen Ressourcen zugeordnet (Born Smooth). Das führt nicht nur dazu, dass die Latenz wichtiger Aufgaben laut Huawei um über 25 Prozent zurückgeht, es bewirkt ebenfalls, dass die Zeiten die zur Lösung einer Aufgabe nötig sind, deutlich weniger schwanken. Die Zeiten, wo man nicht sicher war, ob nach einer Eingabe noch etwas geschieht, könnten damit der Vergangenheit angehören.

Neben diesen die Bedienung betreffenden Optimierungen will Huawei auch die Sicherheit des Betriebssystems deutlich verbessert haben. So soll bei kritischen Prozessen eine etwa in der Luftfahrtechnik bekannte Methode mit Namen Formal Processing eingesetzt werden (Secure Kernel), die Angriffe von außen gar nicht erst erkennen können muss.

Android bleibt erste Wahl – noch

Das neue System soll in diesem Jahr erstmals auf smarten Bildschirmen zum Einsatz kommen, danach sollen Smartwatches, Fahrzeugsysteme und smarte Lautsprecher folgen. Und was ist mit Smartphones? Interessant ist, dass auf einem späteren Vortrag auf dem HDC Huaweis Präsident für Software-Produkte, Pingan Zhang, den ab Oktober für Entwickler verfügbaren Map-Kit vorstellte, mit dem unter anderem eine auf Floating-Phone-Daten basierende Echtzeit-Navigation möglich sein soll. Auch der Huawei-Ads-Dienst, der es Software-Entwicklern erleichtern soll, über Werbung Geld zu verdienen, lässt spontan an Google-Dienste denken.

So scheint der chinesische Smartphone-Hersteller seine Zukunft fest in der Hand zu haben. Richard Yu erklärte, dass man sofort auf Harmony OS umschwenken könnte, und dass dieser Prozess wahrscheinlich innerhalb von einem oder zwei Tagen vollzogen wäre. Unter Bezugnahme auf bestehende Partnerschaften und Ökosysteme will Huawei aber auf diesen Schritt verzichten. Die Botschaft an die USA dürfte ankommen.

connect-Podcast zum Thema Harmony OS von Huawei

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