Handelskonflikt zwischen USA und China

Huawei: Ausnahmegenehmigung erneut verlängert

US-Bestimmungen zwingen Google dazu, Huawei die Android-Lizenz zu entziehen. Was sind die Folgen für Besitzer von Huawei-Smartphones? +++ Update: US-Regierung gewährt weiteren Aufschub +++

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© Huawei

Huawei im Visier der US-Behörden: Ein neues Dekret verbietet US-Firmen Geschäftsbeziehungen zum chinesischen Smartphone-Hersteller.

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China spitzt sich weiter zu. Google stellt die geschäftliche Zusammenarbeit mit dem chinesischen Smartphone-Hersteller Huawei ein und entzieht ihm die offizielle Android-Lizenz. Damit können künftige Huawei-Smartphones nur noch auf die Open-Source-Version von Android zurückgreifen. Das bedeutet: langsamere Updates und keine Google-Apps und -Dienste mehr - unter anderem kein offizieller Play-Store-Zugang. Wir erklären die Hintergründe und die Folgen für Verbraucher.

USA setzen Huawei auf Schwarze Liste

Mit dem Entzug der Android-Lizenz setzt Google Vorgaben der US-Regierung um. Am Mittwoch, 15. Mai, hatte Präsident Donald Trump den nationalen IT-Notstand ausgerufen. Via Dekret verfügte er, dass US-Firmen nur noch mit Sondergenehmigung Telekommunikations-Hardware und -Software mit Ländern handeln dürfen, die ein Risiko für die US-Cybersicherheit darstellen. 

Der Schritt war wenig versteckt auf Huawei abgezielt. Und so kam es auch: Die Huawei Technologies Co Ltd wurde einen Tag später, am 16. Mai, auf eine Schwarze Liste des US-Handelsministeriums gesetzt. Geschäfte mit US-Unternehmen sind dadurch extrem eingeschränkt und nur mit Sondergenehmigung möglich.

Google folgt diesen Vorgaben nun, wie Reuters bereits am Sonntag berichtete. Auch weitere US-Unternehmen wie Qualcomm und Intel müssen den Bestimmungen nachkommen.

+++ Update (21. Mai): Die US-Administration hat Huawei in Bezug auf die Handelsrestriktionen einen 90-tägigen Aufschub gewährt. Bis 19. August hat der chinesische Hersteller eine Lizenz erhalten, um seine Geschäfte für Smartphone-Nutzer und ländliche Netzbetreiber fortzuführen. Damit wolle man eine entsprechende Übergangsphase schaffen, in der die betroffenen Nutzer und Provider reagieren können. +++

+++ Update (20. August): Wie Reuters berichtet, wurde die Ausnahmegenehmigung für Huawei um weitere 90 Tage verlängert. Bis zum 19. November 2019 kann Huawei nun also weiterhin Geschäftsbeziehungen zu US-Unternehmen aufrecht erhalten. Bis dahin sind also auch Sicherheitsupdates für Huawei-Smartphones gesichert und auch Android Q könnte bereits auf den ersten Geräten landen. Gleichzeitig hat das Handelsministerium aber mehr als 40 Schwestergesellschaften von Huawei auf die Schwarze Liste gesetzt.

Zwar hatte US-Präsident Trump bereits im Juli auf dem G20-Gipfel eine Lockerung der Sanktionen in Aussicht gestellt. Eine finale Entscheidung hängt aber auch vom Ausgang der Verhandlungen zwischen China und den USA ab. Somit ist weiterhin unklar, wie es nach Ablauf der Frist weitergeht.  +++

+++ Update (18. November): Das US-Handelsministerium hat die Ausnahmegenehmigung für Huawei erneut um 90 Tage verlängert. Bis zum 16. Februar können US-Unternehmen unter Einschränkungen nun weiterhin mit dem chinesischen Konzern Handel betreiben. Für Nutzer von Huawei-Smartphones ändert sich bis dahin nichts, die Google-Dienste laufen wie gewohnt und auch Android-Updates sollen planmäßig erscheinen.

Wie es danach weitergeht, ist aber weiterhin unklar. Auf neuen Smartphones, die nicht unter die aktuelle Ausnahmegenehmigung fallen, kann Huawei bereits jetzt keine Google-Dienste mehr anbieten. Allerdings hatte der US-Handelsminister in Aussicht gestellt, dass die Anträge für Sondergenehmigungen bald bearbeitet werden sollen. Diese könnten das Handels-Embargo etwas lockern. +++

Was sind die Folgen für Huawei-Kunden?

Mittlerweile hat Google über den offiziellen Android-Account auf Twitter die Schritte bestätigt. Man versucht aber zugleich, Nutzer von Huawei-Smartphones zu beruhigen. So sollen Google Dienste wie Google Play und Google Play Protect auf aktuellen Huawei-Geräten weiterhin ohne Probleme funktionieren.

Deutlich spürbarere Folgen könnte die Präsidentenverfügung für zukünftige Huawei-Produkte haben. Gemäß dem aktuellen Wissensstand kann Huawei ab sofort nur noch die Open-Source-Variante von Android (bekannt als Android Open Source Project, AOSP) nutzen. Dies hätte langsamere System-Updates zur Folge, da nicht alle Änderungen von Google direkt ins AOSP wandern. 

Für Huawei-Nutzer heißt das konkret: Das Android Q Update sowie die monatlichen Sicherheitsupdates könnten sich in Zukunft zeitlich verzögern.

Dazu werden Google-Dienste wie der Play Store oder aber YouTube, Gmail, Chrome und Co. von zukünftigen Huawei-Geräten verschwinden. Während das in China selbst bereits der Fall ist, dürfte die Einschränkung für Huawei in anderen Märkten wie Europa einen deutlichen Wettbewerbsnachteil darstellen.

+++ Update (20. Mai, 11:15 Uhr): Huawei hat in einer offiziellen Stellungnahme auf den Entzug der Android-Lizenz reagiert. Darin heißt es, man werde auch in Zukunft alle Huawei- und Honor-Smartphones sowie -Tablets mit Sicherheitsupdates und Softwareaktualisierungen versorgen - egal ob bereits verkauft oder noch im Handel.

Darüber hinaus hebt Huawei hervor, dass man als einer der Schlüsselpartner von Android großen Anteil am Erfolg des Betriebssystems habe. Man werde weiterhin an einem sicheren und zukunftsfähigem Software-Ökosystem arbeiten, um allen Anwendern weltweit die beste Nutzererfahrung zu bieten. +++

Wie geht es weiter?

Die aktuelle Präsidentenverfügung ist ein Schachzug im andauernden Handelskonflikt zwischen den USA und China. Bereits im vergangenen Jahr hatte die US-Regierung Sanktionen gegen ZTE verhängt und den chinesischen Hersteller damit zur zeitweisen Einstellung verschiedener Geschäftsbetriebe gezwungen. Hintergrund waren in diesem Fall illegale Technologieverkäufe in den Iran und nach Nordkorea.

ZTE wie auch Huawei wird von den USA immer wieder die Nähe zum chinesischen Militär zur Last gelegt. In den Augen der US-Behörden stellen die Hersteller als verlängerter Arm der chinesischen Spionageeinheiten eine Bedrohung für die nationale Sicherheit dar. 

Im Fall von ZTE wurden die Sanktionen nach einiger Zeit wieder aufgehoben. ZTE musste dafür jedoch Auflagen der US-Behörden erfüllen und eine Milliardenstrafe zahlen.

Wie es nun im Fall Huawei weitergeht, dürfte zu großen Teilen davon abhängen, wie die chinesische Regierung auf die Maßnahmen seitens der USA reagieren wird. Eskaliert der Handelskonflikt weiter oder finden die Kontrahenten eine Lösung? Verbraucher in Europa können hier nur zusehen.

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