Praxis

eSIM: Neue Anwendungen mit der fest verbauten SIM-Karte

Die SIM-Karte aus Plastik ist zu unpraktisch, zu störanfällig und zu groß für moderne Smartphones und Wearables oder das Internet of Things. Die fest verlötete eSIM ist angetreten, um diese Probleme zu lösen.

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eSIM: Neue Anwendungen mit der fest verbauten SIM-Karte

Bislang ist es meist noch klar: Wer einen neuen Telefonvertrag für sein Smartphone bucht, kann ihn erst nutzen, wenn die zugehörige SIM-Karte passenden Formates im Kartenslot steckt.

Kauft man im Laden, kann man sie wenigstens gleich mitnehmen, Onlinebucher müssen auf den Postboten warten. Das Einzige, was sich über die Jahre geändert hat, war, dass die Kärtchen immer kleiner wurden.

Mit der eSIM verändert sich alles. Das e in ihrem Namen steht für embedded, also eingebettet. Plastikkarten gibt es nicht mehr, denn der Chip ist auf die Platine des Smartphones aufgelötet. Für die Programmierung auf einen bestimmten Provider wird ein spezielles Datenprofil per Internet empfangen und darin gespeichert.​

Dafür muss in der Regel lediglich ein QR-Code gescannt werden, der sofort im Internetportal des Anbieters angezeigt werden kann. Manche Firmen bieten das Buchen und Ändern auch über eine App an. Nach der Produktwahl wird die eSIM dann direkt beschrieben. 

Im Gegensatz zur physischen Karte ist es mit der eSIM also grundsätzlich möglich, gleich nach einer Internetbuchung zu telefonieren oder zu surfen – und das selbst dann, wenn man sich in einem anderen Land befindet als der Provider. 

Falls es vom Gerät unterstützt wird, können sogar mehrere Profile auf einem Chip gespeichert und bei Bedarf einfach getauscht werden. Beim Wechsel auf ein anderes Gerät mit eSIM lässt sich das Profil direkt auf diesem aktivieren.

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Neuere Modelle der Apple Watch besitzen bereits eine eSIM und sind auch ohne iPhone im mobilen Netz.

eSIM ist noch wenig bekannt, aber im Kommen 

Momentan ist der Markt jedoch erst am Erwachen. Laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag des Providers sipgate besitzen zwar 6,9 Millionen Deutsche bereits ein eSIM-fähiges Smartphone, 86 Prozent davon wissen aber gar nicht, was der Begriff bedeutet. 

Das liegt mit daran, dass die Nutzer bislang nicht gezwungen sind, sich mit der neuen Technik zu befassen, da die aktuell damit erhältlichen Geräte zusätzlich einen klassischen SIM-Slot besitzen. 

Dabei handelt es sich auch nur um Premium-Modelle, wie die neueren Generationen des iPhones und des Google Pixel, Samsungs Galaxy S20 und die klappbaren Fold und Z Flip sowie das ebenfalls klappbare Motorola Razr (2019).

Überdies gibt es, besonders im Prepaid-Bereich, derzeit wenig Unterstützung seitens der Mobilfunkfirmen. Die meisten Angebote für die eSIM sind mit Laufzeitverträgen verknüpft. Insbesondere bei den Discountern lässt die Einführung auf sich warten. Dennoch gibt es schon den einen oder anderen Tarif. 

Den ersten seiner Art brachte sipgate für sein Angebot simquadrat heraus. Die Firma hat auch Plastikkärtchen im Programm, die Prozesse sind aber bereits für die eSIM optimiert. Alles geschieht online und sofort. Da beim Basistarif keinerlei Abschluss- oder Grundgebühren anfallen, lässt sich die neue Technik damit leicht und kostenlos testen und bei Bedarf mit Flat-Optionen ergänzen. 

Ein interessantes Feature, das zeigt, was mit der eSIM noch möglich wird, gibt es für die Cloud-Telefonanlage sipgate Team. Durch einfaches Scannen eines QR-Codes wird das Dual-SIMSmartphone zur vollwertigen Nebenstelle. Damit lässt sich zum Beispiel eine Kopie des Schreibtischtelefons mobil nutzen. 

Die Firmen Truphone und GigSky bieten über ihre Apps Datenpakete an, die der Kunde in zahlreichen Ländern weltweit nahtlos verwenden kann. Wer telefonieren will, muss dann Voice over IP einsetzen oder eine zusätzliche SIM im Gerät haben.

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Gegenüber den ersten SIM-Karten im Scheckkartenformat war die Mini-SIM schon vergleichsweise klein. Als in den Smartphones der Platz immer knapper wurde, wurde die noch halb so große Micro-SIM eingeführt und später dann die um weitere 40 Prozent in der Fläche geschrumpfte Nano-SIM, die zudem um 12 Prozent dünner war. Doch auch diese ist noch riesig im Vergleich zu aktuellen eSIM-Chips.

eSIM ist Raumsparwunder

Ein großer Vorteil der eSIM ist auch ihr geringer Bedarf an Platz, der in modernen Smartphones und Smartwatches sowie iOT-Geräten heute oft ein knappes Gut ist. Und der Unterschied ist deutlich: Schien uns die nanoSIM mit ihren rund 108 mm² Fläche und 0,76 mm Dicke recht klein, ist diese aber riesig gegenüber beispielsweise dem SLC37-Chip des Herstellers Infineon. 

Dieser ist gerade mal 7,25 mm² groß und 0,4 mm dick. Sein Raumbedarf beträgt damit lediglich 3,5 Prozent dessen der nanoSIM. Darüber hinaus entfällt der Slot, was neben dem Platz und Bauaufwand auch noch eine Gehäuseöffnung sparen kann. 

Besonders bei Wearables wie Smartwatches zahlen sich die Vorteile aus, weshalb es diese nur mit eSIM gibt. Beispiele sind die Apple Watch ab Series 3, die LTE-Versionen von Samsungs Galaxy Watch, die Huawei Watch 2 Pro und die TicWatch Pro. Auch intelligente Kleidung und Schuhe oder smarte Tierhalsbänder sind mögliche Einsatzgebiete. 

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die geringere Anfälligkeit für Fehler, die bei physischen Karten durch Verschmutzung bzw. Korrosion an den Kontaktflächen, Erschütterung oder mechanische Belastung entstehen können. Das und ihre direkte Bespielbarkeit macht sie ideal auch für den Einbau in internet- und vernetzungsfähige Kraftfahrzeuge. 

Alle Kfz-Modelle, die seit 1. April 2018 produziert wurden, besitzen auf jeden Fall eine eSIM für das EU-weit vorgeschriebene automatische Notrufsystem eCall. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Industrie 4.0, bei welcher der kleine Chip die 5G-Vernetzung in Fabriken übernimmt.

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Auch der EU-weit für neuere Kraftfahrzeuge vorgeschriebene eCall funktioniert über eine eSIM.

eSIM mit der Schneckenpost 

Nicht immer können die Vorzüge der neuen Technik allerdings schon voll genutzt werden. So kann selbst die Aktivierung einer eSIM momentan noch mit dem Warten auf den Briefträger verbunden sein. 

Denn manche Firmen verschicken den erforderlichen QR-Code per Post. Das passiert zuweilen aus Sicherheitsbedenken, macht jedoch den Vorteil der schnellen Anschaltung wieder zunichte.

Allerdings sind diese Bedenken nicht gänzlich unbegründet. Ist das Verfahren über das Webportal nicht hinreichend geschützt, wird das sogenannte SIM-Swapping vereinfacht. Bei dieser Betrugsmasche verschaffen sich Kriminelle eine Zweit- bzw. Ersatz-SIM eines Mobilfunkteilnehmers, um sich dann beispielsweise Mobile-TANs für dessen Onlinebanking oder Passwörter für Onlineportale senden zu lassen. 

Dafür wird üblicherweise die Adresse des Opfers geändert, etwa über ein gehacktes Kundenkonto. Als Reaktion auf die Angriffe haben die Provider in der Vergangenheit Adressänderungen besser abgesichert. Wird der QR-Code für die eSIM jedoch gleich angezeigt, können die Ganoven sofort loslegen. Auf jeden Fall ist es hier besonders wichtig,

den Zugang zum eigenen Account mit einem sicheren Passwort zu schützen. Ein Weg für den Provider, den Aktivierungsvorgang zusätzlich abzusichern, ist die Einrichtung der Zwei-Faktor-Authentifizierung mit einer ePIN. Diese wird beispielsweise per E-Mail empfangen. 

Alternativ kann die Nachricht einen Link enthalten, den es vor der Anzeige des QR-Codes anzuklicken gilt. Auf jeden Fall wird der Postweg früher oder später entfallen, weil kein Anbieter den Wettbewerbsvorteil der schnellen Onlineaktivierung wohl langfristig der Konkurrenz überlassen möchte.

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Vor- und Nachteile

Die eSIM ist im Anmarsch und mit ihr die weite Welt des Internet of Things. Das sind die Vor- und Nachteile der fest verbauten SIM-Karte.

eSIM im Wechselspiel 

Zumindest bislang können auch noch andere Hürden bei der neuen Technik auftreten. Ist etwa im Smartphone nur eine eSIM frei, lässt sich nicht einfach im Ausland eine billige SIM-Karte kaufen und neben dem Hauptvertrag verwenden. 

Schwierigkeiten kann es darüber hinaus beim Gerätewechsel geben: Besitzt das andere Gerät nur einen physischen Kartenslot, muss der Provider erst ein Plastikkärtchen schicken. Doch auch der Wechsel auf eine andere eSIM kann etwas länger dauern, falls dazu ein neuer Aktivierungscode per Post versendet werden muss. 

Fest steht aber, dass der eSIM die Zukunft gehört. Immer mehr Geräte werden sie unterstützen, und die Mobilfunkanbieter werden sich dem anpassen. Früher oder später werden Smartphones dann gar keine Plastikkarte mehr aufnehmen. Überdies wird der Markt attraktiv für neue Player. 

Denn die Möglichkeit, den gesamten Registrierungs- und Aktivierungsprozess online durchzuführen, eröffnet alternative Vertriebskanäle. Nicht zuletzt profitiert die Umwelt, wenn durch den Wegfall der SIMKarte bergeweise Kunststoff, Chips und Papierbriefe entfallen.

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