Smart Home auf Rädern

Mobiles Smart Home: Vernetzt im Wohnmobil

Was sich viele zu Hause wünschen, ist in Wohnmobilen schon Realität: Die Vernetzung von Licht, Heizung und Photovoltaik-Anlage. So smart lässt es sich auf Reisen wohnen.

Wohnmobil Frontscheibe

© Hymer

Ein vernetztes Wohnmobil kann das Reisen angenehmer machen.

Über der Eingangstür hat der Camper sofort sein komplettes Wohnmobil im Blick: Ein Touch-Display zeigt, welche Lichter gerade an sind, wie warm es im Wohnmobil ist und wie viel Energie noch in den Batterien steckt. Eigentlich nicht viel anders als in einem komplett vernetzten Heim. Der Unterschied: Während ein zentrales Steuerdisplay zu Hause eher die Seltenheit ist, findet man es in den meisten neuen Wohnmobilen und Wohnwagen. „Egal, ob Einstiegs- oder Premium-Reisemobil, ein zentrales Bedienpanel gehört mittlerweile fast überall dazu“, erklärt Daniel Onggowinarso, Geschäftsführer des Caravaning Industrie Verbandes e.V. (CIVD).

Ein Grund, warum das Wohnmobil dem Heim so weit voraus ist: Der CIVD hat das etabliert, wovon man im Smart-Home nur träumen kann – einen einheitlichen Vernetzungsstandard. Der CI-BUS (Caravaning-Industrie-BUS) verbindet die verschiedenen Geräte miteinander, damit sie sich über ein zentrales Bedienpanel überwachen und steuern lassen. Oft ist das zentrale Bedienpanel zwar kein schickes Touch-Display. Der Funktionsumfang ändert sich jedoch nicht groß, wenn die Steuereinheit Tasten, Einstellrad und Anzeigefeld besitzt.​​​

Strom, Wasser und Gas überwachen

Eine der wichtigsten Aufgaben des Bedienpanels ist es, die Füllstände anzuzeigen. Im Gegensatz zum Zuhause steht im Wohnmobil nicht unbegrenzt Wasser, Strom und Gas zur Verfügung. Mit den Ressourcen haushalten, ist deshalb die Devise. Wenn ich weiß, wie viel Strom noch in der Batterie ist, kann ich meinen Fernseh-Konsum daran anpassen, die Klimaanlage entsprechend nutzen und den Stopp am nächsten Camping-Platz danach planen. Über den Wasserstand weiß ich, wie viel noch zum Duschen und Kochen da ist. Mittlerweile können Camper sogar über einen Ultraschall-Sensor sehen, wie voll die Gasflasche ist. Gas ist in Wohnmobilen ein mindestens genauso kostbares Gut wie Strom. Hier laufen nicht nur die Heizung und der Herd damit, sondern häufig ebenfalls der Kühlschrank.

Aber auch das, was man vom „klassischen“ Smart-Home kennt, bringen die Bedienpanels mit. Zum Beispiel die Anzeige der Temperatur im Wohnmobil, die sich über einen Tastendruck ändern lässt. Genauso können Camper hier das Licht zentral im ganzen Wohnmobil steuern.

Wer ein komplett vernetztes Wohnmobil will, das auch Musik und Fernsehen in die zentrale Steuerung integriert, tut sich momentan noch etwas schwerer. Zubehör-Lieferant Alphatronics bietet mit seiner „Mobile Home Automation“ eine solche Lösung bereits an, als Wohnmobil-Ausstattung ab Werk erhält man sie jedoch noch nicht.

Steuerzentrale

© Knaus

Steuerzentrale an Bord: Beim Wohnmobil Knaus SUN I 900 haben Camper ihr Wohnmobil über ein Touch-Display im Blick.

Luxus-Urlaub im Wohnmobil

Wie komfortabel und smart mobiles Wohnen sein kann, zeigt zum Beispiel der SUN I 900 von Knaus. Hier fährt der Fernseher im Wohnbereich auf Knopfdruck aus seinem Versteck, zwei weitere TVs gibt es auf Wunsch im Wohnzimmer und im Außenbereich. Damit genügend Strom für die drei Fernseher bereitsteht, empfiehlt es sich, drei Batterien einzubauen. Die komplette Technik haben die Besitzer über ein Touch-Display im Wohnmobil oder per Smartphone im Blick. Über das Smartphone können sie zum Beispiel schon vor der letzten Abfahrt auf der Ski-Piste die Heizung einschalten. Die Bedienung per App bleibt nicht Besitzern von Premium-Reisemobilen vorbehalten. „Die Steuerung per Smartphone ist mittlerweile bei vielen Wohnmobilen als Standardausstattung erhältlich oder optional möglich“, erklärt Daniel Onggowinarso vom CIVD.

Mann im Wohnmobil

© Truma

Wer mit dem Wohnmobil unterwegs ist, muss auf den komfort smarter Funktionen keinesfalls verzichten. Im Gegenteil.

Sicherheit auf Reisen

Wer sich vor Einbrüchen schützen will, kann auch eine Alarmanlage ins Wohnmobil integrieren. Es gibt spezielle Lösungen für Wohnmobile, die sich zum Teil über die Funkfernbedienung vom Autoschlüssel aktivieren lassen. Aber auch einige Alarmanlagen mit Bewegungsmeldern und Tür-Fensterkontakten, die eigentlich fürs Zuhause bestimmt sind, bieten sich fürs Wohnmobil an. Home Alarm GSM von tapHOME zum Beispiel. Das Alarmsystem braucht keinen Internet-Router, da es über sein integriertes GSM-Modul selbst eine Mobilfunkverbindung aufbauen kann. Es gibt als Zubehör sogar ein 12-Volt-Adapterkabel, um die Zentrale an den Zigarettenanzünder im Wohnmobil anzuschließen.

Gefragt sind auch GPS-Tracker. Sie bemerken, wenn von einem Dieb ein Wohnwagen oder Wohnmobil von seinem Platz bewegt wird. Die Besitzer erhalten in diesem Fall sofort eine Nachricht auf ihr Smartphone.

Fernsteuerung

© Truma

Mobile Fernbedienung: Bei Fahrzeugen von LMC mit integriertem iBus connect lassen sich Hauptschalter und Wasserpumpe über die App von Truma steuern und die Füllstände checken.

Fernsteuerbare Wohnwagen

Bei Wohnwagen ist nicht nur die Steuerung einzelner Geräte möglich, sondern des ganzen Wagens, etwa über sogenannte Mover.

„Mit einem Mover kann der Camper per Fernbedienung seinen Caravan genau an der richtigen Stelle parken. Das weckt Erinnerungen an die Kindheit, denn es funktioniert so ähnlich wie mit einem Spielzeugauto“, erklärt Daniel Onggowinarso vom CIVD. Als Alternative zu einer Fernbedienung ist zum Teil auch das Manövrieren per Smartphone möglich.

Wichtig ist, dass Wohnmobile und Wohnwagen gerade stehen. Dafür gibt es sogenannte Levelsysteme, welche die Wagen über Stützen an der Unterseite waagerecht ausrichten. Im Automatik-Modus genügt dafür ein Knopfdruck. Selbstständig kann sich zum Teil auch die Sat-Anlage bei einem Wohnmobil in Position bringen.

Camper müssen auf Reisen nicht auf den Komfort eines Smart-Homes verzichten. Eigentlich kommt man in neuen Modellen in den Genuss von mehr smarter Technik als in den meisten Sterne-Hotels.

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