Testbericht

AV-Receiver Arcam AVR 500

16.2.2011 von Johannes Maier

Der Musikfreund, der sich nach dem klanglichen Fels in der Surround-Brandung sehnt, sollte den Test des Arcam AVR 500 (3200 Euro) intensiv studieren.

ca. 3:20 Min
Testbericht
  1. AV-Receiver Arcam AVR 500
  2. Datenblatt
AV-Receiver Arcam AVR 500
Der Arcam offeriert einen Klinken-Line-Eingang auf der Front. Mit Spezialkabel lässt er sich auch als Digital-In nutzen. Via Schlitz auf der Vorderseite saugt der AVR 500 zusätzliche Kühlluft an - im Hitze-Notfall auch mit Ventilatorhilfe.
© Hersteller
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Für Surround-Back, Bi-Amping oder Nebenraumboxen gibt es nur ein Paar Klemmen. Nach Einbau einer Netzwerk-Option schauen auch eine Ethernet- und eine USB-Buchse hinten raus.
© Archiv

Außer Frage steht, dass der 3200 Euro teure und 22 Kilo schwere Multikanaler von Arcam einen besonders widerstandsfähigen Korpus besitzt. Doch er besticht nicht gerade mit großer Schönheit. Viel mehr als ein Display-Fensterchen und ein paar Linsenknopf-Äuglein bringt der AVR 500 auf seiner silberfarben oder schwarz eloxierten Alu-Frontplatte nicht mit. Mag sein, dass einige die Einfräsung auf der Unterseite als schick empfinden - de facto dient sie der vermehrten Kühlluft-Konvektion.

Mit dem eitlen KunsthallTand, den andere AV-Receiver für sich reklamieren, hat der Engländer auch nicht viel am Hut. Kein virtuelles Irgendwas, keine Arena, kein Audyssey rauf und runter oder hin und her. Den Puristen kann der Receiver allenfalls damit ärgern, dass sein Dolby Leveller und sein Modeller - wenn aus Versehen nicht abgeschaltet - sich an Dynamiksprüngen und am Frequenzgang vergreifen. Fast verschämt baute Arcam eine Einmessautomatik ein - unter dringendem Hinweis, das Setup-Ergebnis inklusive Equalizing doch bitte einem einzelnen (weniger wichtigen) Eingang beizuordnen.

So bietet das On-Screen-Bedienmenü, das an ein artig geführtes Schulheft erinnert, auch nicht mehr als englische Pflichtlektüre. Immerhin nimmt der AVR 500 die Boxenabstände gleich zentimetergenau zur Kenntnis. Bei der Siebenkanal-Verräumlichung von Stereo via Pro Logic IIx wendet er gern einen subtilen Feinabgleich an. Mit der Möglichkeit, für die Analog-Digital-Wandlung im Eingang (mit einem Wolfson WM 8805) einen Takt von 48 oder 96 Kilohertz auszuwählen, findet sich sogar eine audiophile Besonderheit.

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Die bis 10 Watt in Class A arbeitenden Endstufen verteilen sich auf Ober- und Unterbau. Der Ausgangs-Stromfluss läuft über die Seitenplatine.
© Archiv

Die wahren Vorzüge lassen sich aber erst aus dem Schaltplan herauslesen. Etwa, dass der AVR 500 nicht alle Signalankömmlinge durch ein Universal-IC presst, sondern für die Quellenwahl deutlich ordentlichere Halbleiterschalter von Philips einsetzt. Ein Shark-Prozessor kümmert sich in Ruhe um die Surround-Dekodierung, ein weiterer erledigt das relativ simple Postprocessing mit links. Und obwohl Arcam die D/A-Wandlung und die Lautstärkestellung Achtkanal-Chips überlässt, gilt es zu bedenken, dass der CS 4385 im highendigen Doppelausgangs-Differentialmodus läuft und der Hersteller Cirrus den CS 3318 stolz sein Pegelregler-Flaggschiff nennt.

Aua, spätestens jetzt stößt auf, dass der AVR 500 keine Pre-Outs besitzt (im Gegensatz zu seinem 1400 Euro teureren Bruder AVR 600). Doch dann weisen weitere Details darauf hin, dass der AVR 500 auch ohne externe Nachbrenner auskommen kann.

Die erste Verstärkung übernehmen Profi-Bausteine des Typs LM 4702, die National Semiconductor liebevoll mit dem Beinamen Ouverture auflistet. Darauf folgt eine dreistufige Gegentaktanordnung mit bereits 50 Watt kräftigen Treibertransistoren. Die Ausgangs-Halbleiter stemmen nicht nur ein Vielfaches mehr, sie besitzen eingebaute Sensordioden, die über eine Regelung für blitzschnelle Anpassung an Temperaturänderungen sorgen.

Gut zu wissen, denn der mächtige, mit sichtlich dickem, widerstandsarmem Kupferdraht bewickelte Ringkern-Netztrafo und die vier umfänglichen Haupt-Speicherelkos mit je 10000 Mikrofarad Kapazität lassen ahnen, dass hier einiges an Spektakel stattfinden kann.

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Der etwas krumme Frequenzgang, die Fehltreffer im Farbkreisel und zuletzt die Praxis zeigten, dass der AVR 500 nicht sonderlich gut videokonvertieren kann. Bei HDMI/HDMI-Umsetzungen klappten Vollbildherstellung und Skalierung brauchbar.
© Archiv

So zu hören bei den lustvoll feisten Titeln der CD "Truth Be Told" von Mark Egan. Der AVR 500 machte jedoch nicht nur beliebig dicke Fässer auf. Er beließ den Bässen vielmehr eine für AV-Amps ungewöhnliche Substanz und Strukur - und nicht nur Druck und Schwärze, sondern bei schönen warmen Farben eine behende, eigenständige Lebendigkeit.

Nicht nur die Unterwelt, auch ein komplettes Schlagzeug versah der Arcam mit geradezu highendiger Stofflichkeit. Herrlich, wie die Holzstöcke die weichen Felle massierten oder die messingschweren Becken auf ihren Stahlständern luftig-zingernd schaukelten. Ebenso nahm das Saxofon das probate Kannen-Volumen und die fetzige Strahlkraft an, mit der Bill Evans wie nur selten das Hörraum-Publikum elektrisierte. Weil der AVR 500 bei alledem  stets locker und natürlich blieb und sich trotz höchster Eindringlichkeit jegliche krätzliche Nerverei verkniff, heimste er mit Fug und Recht fantastische 45 Stereopunkte ein.

Die Medeski-Band rockt, die Stimmen von X 2 erscheinen wie im richtigen Leben - so hieß es bei der Hörprobe mit der bewährten DTS-Demo-DVD. Der Pat Metheny Group schenkte der Brite schon mit der datenreduzierten Dolby-Digital-Tonspur erhabenen Glanz - der sich nach dem Umschalten auf DTS HD Master zu einem Feuerwerk steigerte.

Sein Meisterstück lieferte der Arcam mit dem von der San Francisco Symphony in Dolby HD eingespielten "Appalachian Spring" ab. Im Vergleich mit anderen nicht ganz billigen Multikanalern wirkte der AVR 500 auf Anhieb etwas dezenter, unauffälliger. Doch bald fiel den Testern auf, dass der Arcam die Instrumente klarer positionierte und auch klanglich besser auseinanderhielt: Ja, so schwelgen Geigen im feinsten Firnisglanz. Wärmer, voller fielen die Bratschen dazu ein, die Celli lieferten wunderbar hölzern-brummig den Kontrapunkt dazu.

Gibt's auch Kritik? Ja! Die Videosektion mit dem Pixel-Works-Prozessor taugt nicht viel. Das Tunerteil klingt und empfängt toll, bekommt aber wegen seiner 100-kHz-Abstimmschritte nicht jede Kabelfrequenz rein. Was soll's?

Arcam AVR 500

Arcam AVR 500
Hersteller Arcam
Preis 3200.00 €
Wertung 55.0 Punkte
Testverfahren 1.0

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