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Kopfhörer

Clear und Elear von Focal im Vergleich

Mit dem Utopia setzte Focal ein Ausrufezeichen in Sachen Kopfhörer. Clear und Elear sehen ihm zum Verwechseln ähnlich. Was die Kopfhörer unterscheidet, zeigt der Test.

Clear und Elear von Focal

© Focal

Der graue Elear (links) und der schwarze Clear (rechts) vertrauen beide auf die ergonomisch optimierte Form und das maximal offen gestaltete Gehäuse, die für das Spitzenmodell Utopia entwickelt wurden.

Ein Verweis auf den jetzt schon legendären Utopia lässt sich bei den beiden weiteren Modellen aus Focals aktueller High-End-Kopfhörer-Serie kaum vermeiden. Dieser ist auch sinnvoll, denn schließlich tragen der schon Mitte 2016 parallel zum Utopia erschienene Elear sowie der brandneue Clear viel von der wegweisenden Technologie des Topmodells in sich. 

Schon äußerlich sind sich alle drei Modelle auffallend ähnlich und haben dieselbe, von Focal ergonomisch optimierte Grundform. Der Kopfbügel und die Halterungen für die beiden Hörmuscheln sind so gestaltet, dass der Kopfhörer stabil sitzt und immer denselben Anpressdruck erzeugt, egal, wie groß der Kopf ist. Das klingt lapidar, war in der Praxis aber gar nicht so einfach zu bewerkstelligen und erforderte während der Entwicklungsphase das akribische Justieren aller geometrischen Parameter anhand aufwendiger Studien. 

Clear und Elear Schallwandler

© Focal

Die ovale Form sorgt dafür, dass die Kapsel rund um das Ohr bequem sitzt und dicht abschließt.

Auch das maximal offene Gehäuse haben beide Modelle, Elear und Clear, vom Utopia übernommen. Im Prinzip ist der Schallwandler fast völlig frei vor dem Ohr aufgehängt und wird nur von einigen schmalen Streben in Position gehalten.

Ähnlich wie ein Mikrofonkorb besteht die Gehäuserückseite aus einem luftdurchlässigen Drahtgitter, ansonsten ist die Treibereinheit nur noch durch eine hauchdünne Stoffhülle vor Staub geschützt. Dadurch muss die Membran nicht gegen ein komplett oder teilweise abgeschottetes Luftvolumen arbeiten, was für Focal als Schlüssel zu einer besonders realistischen und lebhaften Wiedergabe gilt.

Allerdings gibt es bei einer so offenen Konstruktion keine akustische Barriere gegen Störgeräusche. Am besten eignen sich die Kopfhörer daher für den Gebrauch in einer ruhigen Umgebung, wo man weder gestört wird noch selbst jemanden stören kann.

Clear und Elear Aufbau Schallwandler

© Focal

Der dynamische Schallwandler besteht nur aus den elementarsten Komponenten: Korb, Sicke, Membran, Schwingspule und Magnet.

Gut gemacht 

Von der Farbgebung einmal abgesehen, liegen die wesentlichen Unterschiede zwischen Elear und Clear eher im Detail. In beiden Modellen kommt eine vereinfachte Version des Utopia-Treibers zum Einsatz, bei der die Membran nicht aus Beryllium, sondern aus einer Aluminium-Magnesium- Legierung gefertigt ist. Sie lässt sich deshalb etwas einfacher und günstiger herstellen, reicht in ihren Materialeigenschaften aber trotzdem nahezu an die Edelversion aus Beryllium heran.

 Außerdem ist das Magnetsystem nicht aus Segmenten, sondern aus einem durchgehenden Ringmagneten aufgebaut. Großen Aufwand hat Focal in die Entwicklung der Schwingspulen gesteckt. Sie kommen ganz ohne Träger aus, bestehen also nur aus dem eigentlichen Leiterdraht und sind daher trotz des großen Durchmessers von 25 mm sehr leicht. Beim Elear ist die Spule beachtliche 5 mm lang und aus kupferkaschiertem Aluminium gefertigt, beim Clear wurde sie noch einmal um einen halben Millimeter verlängert und besteht sogar aus reinem Kupferdraht. Dadurch sank die Impedanz beim Clear von 80 Ohm auf 60 Ohm, was ihn noch etwas tauglicher für den Betrieb an mobilen Abspielgeräten macht. Anders als dem Elear liegt ihm daher auch ein passendes Anschlusskabel mit 3,5-mm-Klinkenstecker bei.

Etwas offensichtlicher als beim Treiber sind die Unterschiede bei den Ohrpolstern,die bei Kopfhörern maßgeblichüber den Klang mitbestimmenkönnen. Obwohl sie in beiden Fällen aus dem gleichen Materialgemacht sind, einem formhaltenden Schaumstoff mit Mikrofaserüberzug, weisen sie eine unterschiedliche akustische Wirkung auf und fühlen sich auch anders an. Zudem ist der Überzug beim Clear perforiert und beim Elear nicht. Letztlich können die beiden Kopfhörer ihre Ähnlichkeit allerdings kaum verhehlen.

Clear und Elear Verpackung

© Focal

Während der Elear in einer großzügig gestalteten und dick gepolsterten Schatulle gebettet ist, bringt der Clear eine kompakte und praktische Tragetasche mit.

Elear oder Clear? Das ist hier die Frage!

Wer unbedingt das Wundermaterial Beryllium auf den Ohren haben möchte oder über unbegrenztes Budget verfügt, müsste konsequenterweise zum Utopia greifen. Wer diese Preisklasse allerdings nicht ganz im Blick hat, dem bietet Focal mit dem Elear und dem Clear zwei hervorragende Alternativen, die dem Spitzenmodell selbst bei Impulstreue und Feinauflösung schon sehr nahe kommen. Beide trumpfen mit ihrer präzisen präsenten Basswiedergabe auf. 

Der Elear ist insgesamt etwas wärmer und weicher, der Clear eher etwas kontrastreicher und lebhafter abgestimmt. Die Abbildung ist bei beiden Modellen jedoch eher kompakt, Focal verzichtet auf übertriebene Räumlichkeit. Der Clear zieht mit seinem modernen Design sicherlich mehr Blicke auf sich als der Elear im schlichten Schwarz und wurde so ausgelegt, dass er auch mobil gut genutzt werden kann – und zwar weniger wegen der unwesentlich niedrigeren Impedanz, sondern eher wegen der kompakten Tragetasche und des zusätzlichen Kabels, das beim Clear mitgeliefert wird.

Wegen des offenen Gehäuses sind aber weder Clear noch Elear wirklich mobiltauglich. Am Ende bleibt die Qual der Wahl. Jedes Modell hat seine Stärken; einen Fehler macht man nur, wenn man sich für keines der beiden entscheidet.

Clear und Elear Herzstücke

© Focal

Das Herzstück der beiden Modelle ist ein Breitbandtreiber mit speziell geformter Aluminium-Magnesium-Membran, Nitrilkautschuksicke und einem kräftigen Ringmagneten, der von Focal selbst gefertigt wird.

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