DJI Avata 360 im Test
DJI besetzt mit der Avata 360 eine spannende Marktlücke im Drohnensegment. Doch wie schlägt sich die 8K-Panorama-Drohne in der Praxis?
Die DJI Avata 360 tritt mit einem Gewicht von rund 450 Gramm an und besetzt eine Nische, die bisher kaum bedient wurde. Das Besondere ist die Kameraausstattung: Sie umfasst zwei gegenüberliegende Fotoeinheiten mit stark weitwinkligen Linsen. Dadurch sind Foto- und Filmaufnahmen mit einem 360-Grad-B...
Die DJI Avata 360 tritt mit einem Gewicht von rund 450 Gramm an und besetzt eine Nische, die bisher kaum bedient wurde. Das Besondere ist die Kameraausstattung: Sie umfasst zwei gegenüberliegende Fotoeinheiten mit stark weitwinkligen Linsen. Dadurch sind Foto- und Filmaufnahmen mit einem 360-Grad-Blickwinkel möglich. Der Markt für 360-Grad-Drohnen ist überschaubar, sodass DJI mit der Avata 360 eine interessante Lücke füllt.
Die Avata 360 kostet allein 460 Euro. DJI bietet zudem mehrere Kits an, etwa mit der Fernsteuerung RC2 oder der Goggles N3 FPV-Brille sowie dem Motion 3 Controller. Die Kit Preise reichen von 720 bis 940 Euro je nach Set.
Kompakt und geschützt
Das Gehäuse wirkt robust und ist dank des integrierten Propellerschutzes gut gegen leichtere Abstürze gewappnet – im Lieferumfang sind mehrere Ersatzpropeller enthalten. Vorrichtungen für zusätzliches Equipment fehlen hingegen vollständig. Geliefert wird die Drohne mit einem Akkuladegerät und drei Akkus. Ein Akku reicht für etwa 20 Minuten Flugzeit; die tatsächliche Laufzeit hängt von den Manövern und äußeren Bedingungen ab. Bei einem Akkustand von 15 Prozent erfolgt eine Warnung mit Aufforderung zur Rückkehr. Standardfunktionen wie der automatische Rückflug zum Startpunkt bei Verbindungsabbruch sind ebenfalls an Bord. Durch ihre Einstufung in die EASA-Klasse A1 ist für den Betrieb eine entsprechende Qualifikation erforderlich.
In der Luft
Das Fliegen der Avata 360 ist auch für Einsteiger leicht zu erlernen, da sich die Drohne automatisch in der Luft stabilisiert, wenn keine Steuerbefehle erfolgen. Das erhöht spürbar den Spaßfaktor. Es stehen mehrere Geschwindigkeitsmodi zur Verfügung: C (Cine), N (Normal) und S (Sport). Im Sportmodus reagiert die Drohne besonders agil, während sie im Cine-Modus am langsamsten unterwegs ist. Konkret bedeutet das: Im C-Modus beträgt die maximale horizontale Geschwindigkeit 6 m/s, im S-Modus bis zu 18 m/s.
Der Cine-Modus ist in erster Linie für ruhige, geschmeidige Filmaufnahmen konzipiert, eignet sich aber auch hervorragend zum Erlernen der Steuerung. Entsprechend empfiehlt es sich, mehrere Akkuladungen zum Üben einzuplanen.
Eine äußerst praktische Hilfe ist die omnidirektionale Hinderniserkennung (im C- und N-Modus). Sie misst kontinuierlich die Entfernung zu Objekten rund um die Drohne, warnt akustisch und bremst bei Bedarf automatisch ab. Diese Funktion lässt sich zwar deaktivieren, erweist sich in der Praxis jedoch als sehr nützlich.
Auf die Automatik sollte man sich dennoch nicht blind verlassen. Bei wenig Licht – insbesondere nachts unter 1 Lux – erkennt das System nicht alle Strukturen zuverlässig, vor allem seitlich oder ober- bzw. unterhalb der Drohne. Der präzisere LiDAR-Entfernungsmesser deckt nur den vorderen Bereich ab.
Für Solo-Piloten besonders interessant sind das von der Inspire 3 übernommene Spotlight-Feature. Dabei handelt es sich um Funktion zur Erkennung und Verfolgung von Motiven (z. B. Menschen, Autos oder Radfahrern), während sich der Pilot auf das Manövrieren konzentrieren kann. Die Kamera hält das Objekt zuverlässig im Fokus.
Steuerung
Die Steuerung erfolgt entweder über die FPV-Brille in Kombination mit dem RC Motion 3 Controller oder klassisch über den RC2 Controller. Im Test kam überwiegend die zweite Variante zum Einsatz. Welche Steuerungsmethode besser geeignet ist, hängt stark vom Einsatzzweck und den persönlichen Vorlieben ab. Man wird mit beiden recht schnell vertraut.
Die FPV-Brille trumpft mit einem besonders immersives Fluggefühl. Nachteil: man braucht einen Spotter, der die Drohne und die Umgebung in Sicht behält. Gleichzeitig überzeugt die Steuerung mit dem RC2 Controller durch ihr komfortables Touch-Display: Es bietet eine Live-Ansicht in Full-HD-Qualität sowie schnellen Zugriff auf Einstellungen und Funktionen. Die Reichweite der Steuerung soll bis zu 20 Kilometer reichen – wohlgemerkt in ländlicher Gegend.
Die Drohne reagiert sehr agil auf Steuerbefehle des RC2-Controllers. Weniger überzeugend ist die Reaktionszeit bei der Anpassung von Video- und Fotoeinstellungen – hier kommt es zu Verzögerungen. Auch das Speichern der Daten dauert vergleichsweise lange, selbst beim Schreiben auf den internen Speicher. Ein weiterer Kritikpunkt: Bei sehr hellem Sonnenlicht ist das Display nicht immer optimal ablesbar.
Die 360-Grad-Optik
Die Fotoeinheit der Avata 360 bietet zwei gegenüberliegende 1-Zoll-Sensoren mit extremen Weitwinkelobjektiven. Sphärische Panoramen sind ein spannendes fotografisches Mittel, um Motive aus ungewöhnlichen Perspektiven festzuhalten. Nutzer können je nach Situation entscheiden, ob sie beide Kameras oder nur eine verwenden. Foto- und Videoaufnahmen sind ausschließlich im Flug möglich.
Im Dual-Lens-Modus sind 6K- und 8K-Aufnahmen mit bis zu 60 fps möglich, im Single-Lens-Modus 4K bei ebenfalls bis zu 60 fps. Auf Tonaufnahmen wird verzichtet – sinnvoll, da die Drohne im Betrieb sehr laut ist. Fortgeschrittene Anwender können das D-Log-M-Farbprofil nutzen, um in der Nachbearbeitung einen größeren Dynamikumfang zu erzielen.
Fotos speichert die Avata 360 mit 30 oder 120 Megapixeln im Dual-Lens-Modus oder mit 12 Megapixeln im Single-Lens-Modus. Neben JPEG lassen sich auch RAW-Dateien (DNG) speichern. Im Dual-Lens-Betrieb werden JPEGs als ein zusammengesetztes Bild gespeichert, RAW-Dateien hingegen getrennt in zwei Dateien gespeichert (oben/unten). Die JPEGs sind kameraintern bereits weitgehend entzerrt.
Für die Stabilisierung sorgt eine elektronische Bildstabilisierung. Die Drohne verfügt über 42 GB internen Speicher, der sich per USB-Verbindung auslesen lässt. Alternativ können Daten auf einer microSDXC-Karte mit bis zu 512 GB gespeichert werden.
Bildqualität
Mit Blick auf die Bildqualität kann die Avata 360 weniger überzeugen. Zwar profitiert diese von den größeren 1-Zoll-Sensoren im Vergleich zu Konkurrenz mit günstigeren Kameraeinheiten, bleibt insgesamt aber eher auf einem befriedigenden Niveau. Zudem stellt ein 180-Grad-Bildwinkel eine erhebliche technische Herausforderung dar – insbesondere bei einem kompakten und leichten System wie Avata 360. Die Bildstabilisierung kompensiert die kontinuierlichen Mikrobewegungen der Drohne. Selbst wenn das Ergebnis ruhig wirkt - hier macht die Avata 360 einen guten Job - geht das nicht vollständig ohne Qualitätsverluste.
Bildfehler fallen bei Fotos stärker auf als bei Videos auf. Schon bei gutem Licht bleibt die Auflösung unter den Erwartungen. Die Fotos wirken zu künstlich abgestimmt, teilweise leicht verrauscht und zeigen Artefakte. Selbst in der Bildmitte ist die Detailauflösung geringer als man es vom 1-Zoll-Sensors erwarten würde.
Interessant: Betrachtet man nur den zentralen Bildbereich der 120-MP-Aufnahmen im Vergleich zu 12-MP-Bildern, so sind die Letzteren tendenziell detailreicher. Die sphärischen Aufnahmen mit 30 und 120 MP bieten ein ähnliches Detailniveau, wobei die 30-MP-Variante bei wenig Licht Vorteile zeigt und zudem weniger Speicher benötigt. Bei Videos fallen diese Schwächen weniger stark ins Gewicht. Diese funktionieren besser als kreatives Stilmittel oder Effekt in kurzen Sequenzen – für längere, qualitativ anspruchsvolle Aufnahmen sind sie nur bedingt geeignet.
Fazit
Die DJI Avata 360 ist weniger eine klassische Fotodrohne als vielmehr ein Spielplatz für kreative Ideen. Sphärische 8K-Panoramen, dynamische Flugmanöver und ungewöhnliche Blickwinkel stehen im Mittelpunkt – und das zu einem erfreulich günstigen Preis. Dafür muss man gewisse Abstriche bei der Bildqualität in Kauf nehmen. Im Gegenzug liefert die Avata 360 genau das, was viele suchen: einfachen Einstieg und maximalen Flugspaß.
