Kopfhörerverstärker

Eternal Arts Twin Type Professional im Test

26.6.2015 von Roland Kraft

Professionelle Anwender sind die Zielgruppe für den Kopfhörerverstärker Twin Type Professional von Eternal Arts. Aber der kompromisslos gestaltete Röhren-Amp macht auch im heimischen Wohnzimmer eine tadellos gute Figur, wie der Test zeigt.

ca. 3:15 Min
Testbericht
Eternal Arts Twin Type Professional im Test
Eternal Arts Twin Type Professional im Test
© Eternal Arts

Als Dr. Burkhardt Schwäbe von den Bandmaschinen australischer Studios erzählte, klang das fast ein wenig entrüstet: "Die fahren da eine Riesen-Magnetisierung auf ihren Bändern! Da kommen dann Monster-Pegel raus!". Klar, dem Techniker geht es ein wenig gegen den Strich, wenn Normen nur Schall und Rauch sind. Aber die "normative Kraft des Faktischen", wie die Ingenieure es gerne formulieren, verlangt letztlich danach, ein Produkt an die Realität anzupassen. Und die besagt, dass bei den Profis durchweg höhere Nennpegel als bei Home-HiFi "gefahren" werden.

Übliche Eingänge an Consumer-Technik laufen dann sehr schnell Gefahr, übersteuert zu werden, ganz zu schweigen davon, dass die Profis natürlich symmetrische Verbindungen bevorzugen und auch viel Wert auf galvanische Trennung legen, um Brummschleifen zu verhindern.

EA Twin Type Professional
70 Mikrometer dick vergoldete Leiterbahnen sind ein Anblick, der dem High-Ender gefällt. Doch die inneren Werte zählen mehr: speziell gewickelter Trafo mit geringstem Streufeld, selektierte Bauteile, ALPS-Poti, Keramik-Röhrenfassungen und dicke Folienkondensatoren.
© Eternal Arts

Grund genug für den Chef von Eternal Arts, aus den ohnehin vorhandenen Kopfhörerverstärkern seines Hauses eine Profi-Version zu entwickeln. Ehrensache, dass natürlich auch hier Röhren den Job übernehmen mussten, ebenso wie in den mächtigen OTL-Endstufen und den anderen Verstärkern der renommierten Manufaktur.

Eternal Arts Twin Type Professional

www.eternalarts.de
  • Maße: B: 14 x H: 11 x T: 34 cm
  • Gewicht: 2,9 kg
  • Klang: absolute Spitzenklasse, 60 Punkte
  • Gesamturteil: sehr gut, 86 Punkte
  • Preis/Leistung: sehr gut

Die technische Basis des Twin Type Professional ist der Eternal Arts "KHV". Bestückt mit insgesamt vier Glaskolben - zwei davon keine Verstärkerröhren, sondern Helferlein im Netzteil -, beruht auch der Twin Type Professional auf einer bewährten Schaltungstechnik, bei der eine kräftig ausgelegte Single-Ended-Ausgangsstufe auch niederimpedante Kopfhörer antreiben kann.

Gleichwohl werden bei Eternal Arts insbesondere zwei hochohmige Kopfhörer zur Entwicklung verwendet: der Sennheiser HD 800 und der Beyerdynamic T 1. Beide zählen zu den absoluten Top-Kopfhörern und offenbaren leicht die Meriten eines Verstärkers.

Was ist eine Triode-Pentode?

Das "Herz" des Twin Type ist eine sogenannte Triode-Pentode vom Typ PCL86. Schon früh in der Röhrentechnik kam man darauf, Verbundröhren zu bauen: Dabei werden mehrere Röhrenfunktionen, also Systeme wie etwa Dreipolröhren (Trioden) und/oder beispielsweise Fünfpolröhren (Pentoden) in einem Glaskolben vereinigt.

EA Twin Type Professional
Mit Schutzgas gefüllte Relais schalten das Eingangssignal zwischen Cinch- und XLR-Eingang um. Hinter dem XLR- Eingang folgt ein Übertrager zur Desymmetrierung, bevor es zum Pegelsteller geht.
© Eternal Arts

Diese in wirtschaftlicher Hinsicht sehr gute Idee führte letztlich nicht nur zu den nicht nur in der HiFi-Technik allgemein bekannten Doppeltrioden (etwa der ECC83), sondern auch zu abenteuerlichen Konstruktionen, von denen sich ein Teil nicht dauerhaft durchsetzen konnte. Die ersten Mehrfachröhren entstanden schon in den 20er-Jahren und gipfelten bei uns in Deutschland 1926 in den wunderbaren Designs von Dr. Siegmund Loewe und Manfred von Ardenne. Deren Loewe-Röhren enthielten sogar in Glas eingeschmolzene Widerstände und Kondensatoren und werden heute gerne als die "erste integrierte Schaltung" betrachtet...

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Aber zurück zur PCL86, einer Triode-Pentode, die in der Radio- und Fernsehtechnik in kleinen Audio-Endstufen zum Einsatz kam. Dabei dient der Triodenteil als Spannungsverstärker, die kräftig ausgelegte Pentode als Endverstärker. Bei der PCL86 gilt es aber zu beachten, dass sie auf eine stromdefinierte Serienheizung ausgelegt ist und mit 13 bis 14 Volt Heizspannung beliefert werden muss. Ein Vorteil der PCL86 ist, dass sie schon mit vergleichsweise geringer Anodenspannung ordentlich arbeitet, zudem ist ihr Triodenteil extra abgeschirmt.

EA Twin Type Professional
Der Eingangsumschalter auf der Rückseite des Kopfhörerverstärkers wirkt nicht simpel direkt, sondern betätigt Relais.
© Eternal Arts

Trotz indirekter Heizung sollte die Verbundröhre bei höchsten Anforderungen an die Brummfreiheit mit Heiz- Gleichspannung und supersauberer Anoden- und Schirmgitterspannung versorgt werden. Das aufwendige, mithilfe zweier sogenannter "Glimmstabis" regulierte Netzteil des Twin Type ist deshalb keineswegs übertrieben dimensioniert.

Puristisch zweistufig

Die Schaltung des Kopfhörer- Amps ist nur zweistufig: Nach dem Eingangs-Spannungsverstärker in Form der Triode folgt der Pentodenteil der Verbundröhre, der als Kathodenfolger mit recht niedriger Ausgangsimpedanz geschaltet ist. Dabei wird das Signal über groß dimensionierte Elkos mit parallel geschalteten Folienkapazitäten ausgekoppelt. Mithilfe eines im Verhältnis 2:1 untersetzten Eingangsübertragers und der ohnehin sehr übersteuerungsfesten Röhrenschaltung steckt der Eternal Arts auch heftige Eingangspegel locker weg.

EA Twin Type Professional
Links die Trioden-Pentode PCL86, die laut Hersteller im Twin Type ProfessionaI schonend betrieben wird, um hohe Lebensdauer zu gewährleisten. Rechts daneben ein Glimmstabilisator, quasi eine frühe, nichtsdestotrotz wirksame Form elektronischer Spannungsstabilisierung, die hier in der Anodenspannungsversorgung zum Einsatz kommt.
© Eternal Arts

Am Ausgang weist der Twin Type zwei Anschlussoptionen auf: die normale Klinkenbuchse sowie eine vierpolige Neutrik- Buchse für kabelseitig symmetrisch beschaltete Kopfhörer. Allein die getrennte Masseführung, so Dr. Schwäbe, könne sich klanglich schon durchaus positiv auswirken.

Hörtest

Was man im Hörtest mithilfe eines entsprechend verkabelten Sennheiser HD 800 sogar nachvollziehen konnte. Ebenso wie den für Eternal Arts inzwischen typischen, extrem schnellen und sehr transparenten, perfektionistischen Klang, der dennoch nicht überbordend analytisch wirkt, sondern durchaus einen kleinen Schuss charmanter Röhrenwärme mitbringt.

Das ist gut für die Seele des Langzeithörers, der zwar alles ganz genau wissen will, aber dabei auch nicht angestrengt werden möchte. Diese fein ausbalancierte Gratwanderung gelingt so prächtig, dass es zum Eternal Arts Twin Type Professional nur ein Fazit geben kann: schlicht und ergreifend perfekt!

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