Plattenspieler mit System

Pro-Ject Debut Pro im Test

5.1.2022 von Marius Dittert

Jubiläumsfeiern können öde sein. Nicht so bei Pro-Ject: Zum 30-jährigen Firmenbestehen beglücken uns die Österreicher mit einem Plug-&-Play-Spieler für 750 Euro, der Maßstäbe setzt, wie unser Test zeigt.

ca. 2:55 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
Pro-Ject Debut Pro im Test
Pro-Ject Debut Pro im Test - Back to the roots
© Pro-Ject

Pro

  • am Tonarm lassen sich VTA und Azimuth einstellen

Contra

Fazit

AUDIO Klangurteil: 87 Punkte; Preis/Leistung: überragend; audio-Empfehlung "Preistipp"


Hervorragend

Bevor Plattenspieler wiedergeboren werden konnten, mussten sie erst sterben. Das war Anfang der 90er: Die CD boomte, und die Musikindustrie vergoldete sich mit der Silberscheibe gerade den Allerwertesten. Niemand hätte damals auch nur eine müde Mark darauf gewettet, dass Analog-Dreher anno 2021 wieder in Mode sein würden.

Wer sich in den 90ern für Schallplatten erwärmte, der schaute in die Röhre, wenn er ein preisgünstiges, gutes Phonogerät erwerben wollte. Das gab es damals einfach nicht mehr, denn Ende der 80er war die weltweite Plattenspielerproduktion zusammengebrochen - auch in Olmütz, in einem Werk von Tesla.

Wie es der Zufall wollte, tauchte dort zu jener Zeit ein enthusiastischer HiFi-Händler aus Österreich auf. Seine tschechische Freundin hatte ihm aus besagtem Werk einen Plattenspieler mitgebracht - und damit kam die Erfolgsstory von Pro-Ject vor 30 Jahren ins Rollen.

Der Händler war Firmengründer Heinz Lichtenegger. Er konnte die Tesla-Direktoren überzeugen, mithilfe ein paar alter Techniker eine kleine Produktion aufzubauen. Schon wenig später war der erste eigene Plattenspieler fertig – der Pro-Ject 1, zu haben für bescheidene 399 Mark

Pro-Ject Debut Pro im Test - Antriebsmotor
RUHIGGESTELLT: Der Antriebsmotor sitzt in einer Aufhängung, die ihn mechanisch entkoppelt. So gelangen weniger Vibrationen zum System.
© Pro-Ject

High-End für Jedermann

Spricht man heutzutage mit Heinz Lichtenegger, merkt man, dass es ihm noch immer darum geht, möglichst viele Menschen mit Pro-Ject-Produkten zu erreichen.

Deshalb war für ihn klar, dass sein Unternehmen zum Jubiläum keinen großen, schweren oder teuren Plattenspieler herausbringen würde. Sondern einen, der aufs Wesentliche reduziert zurück zu den Anfängen führt – den Debut Pro. „High-End für jedermann“ eben.

Dass dieses Marketingversprechen kein Gedöns ist, wird einem klar, sobald man den Brettspieler mit dem achtfach handlackierten MDF-Chassis und den höhenverstellbaren Alu-Füßen aufbaut und dabei die hohe Güte seiner Mechanik und Oberflächen begutachtet:

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In der Preisklasse bis 750 Euro dürften die Österreicher damit Maßstäbe setzen - insbesondere, wenn man berücksichtigt, dass der Debut Pro inklusive vormontiertem MM-System Pick it Pro geliefert wird, das solo 119 Euro kostet.

Dazu kommt das hochwertige Phonokabel Connect it E. Nur der Plattenbeschwerer, den man auf dem Foto links sieht, gehört nicht zum Lieferumfang.

Pro-Ject Debut Pro im Test - Detail
BITTE KEIN KUNSTSTOFF: Fast alle Alu-Bauteile sind mit Nickel veredelt und bieten somit schön harte, kratzresistente Oberflächen.
© Pro-Ject

Die vernickelten Metallteile, die sich vor allem an dem einteiligen 8,6-Zoll-Carbon-Alu-Arm finden, wären ohne die Stückzahlen, die Pro-Ject verkauft, übrigens nicht vorstellbar. „Wirklich teuer“ ist laut Lichtenegger auch der Teller des Debut Pro, auf dem eine dünne Filzmatte liegt: Es handelt sich um einen nichtmagnetischen Alu-Druckgussteller, der auf der Innenseite mit einem Ring aus thermoplastischem Elastomer bedämpft ist.

Er thront auf einer hochpräzisen Edelstahlachse, die sich in einer eng tolerierten Bronzebuchse dreht. Der Antrieb erfolgt via Flachriemen und einem von Pro-Ject selbstgefertigten AC-Motor. Dieser sitzt zwecks mechanischer Entkopplung in einer Aufhängung.

Pro-Ject Debut Pro im Test - Antriebsmotor
RUHIGGESTELLT: Der Antriebsmotor sitzt in einer Aufhängung, die ihn mechanisch entkoppelt. So gelangen weniger Vibrationen zum System.
© Pro-Ject

Der überaus solide Gesamteindruck, den der Debut Pro generell hinterlässt, verfestigte sich im Hörtest: So beeindruckte der Jubiläums-Dreher mit dem Pick it Pro-System mit einem substanziellen, durchzugsstarken und stabilen Klang, den der Autor in dieser Preis- und Gewichtsklasse so nicht erwartet hatte.

Eine Stärke des Pro-Ject war seine Fähigkeit, auch in komplexen Passagen die Übersicht zu behalten. Das gelang ihm selbst bei einem so dicht produzierten Track wie „Got To Keep On“ der Chemical Brothers (aus dem Album „No Geography“).

Pro-Ject Debut Pro im Test - Tonarm
SANDWICH: Der einteilige Tonarm besteht aus Carbon. Das innenliegende Alu-Rohr, das man normalerweise nicht sieht, soll die rigide Konstruktion bedämpfen.
© Pro-Ject

Der ungemein treibende, aggressive und auf 90er-Dance getrimmte Sound sowie die gnadenlose, dynamische Steigerung, die den Electro-Titel nach knapp dreieinhalb Minuten zum Überkochen bringt - all das brachte der Debut Pro, gemessen am Preis, der für ihn fällig wird, unglaublich stark auf den Punkt.

Ein zum Vergleich herangezogener Edwards Audio TT4 mit SC 5 Speedbox (AUDIO 8/21) verbeugte sich an dieser Stelle ehrfürchtig. Hätte man dem Autor 1991 erzählt, was Pro-Ject mit dem Debut Pro im Jahr 2021 für 750 Euro an stimmigem und packendem Analogklang möglich machen würde - er hätte bei seinem Gegenüber glatt einen Ecstasy-Trip vermutet.

Fazit

Ein schöneres Geschenk hätte Pro-Ject Analog-Freunden zum Firmenjubiläum nicht machen können: Der aus europäischer Fertigung stammende Debut PRO ist famos verarbeitet und spielt mit vormontiertem MM-System von Ortofon weit über seiner Preisklasse. Und: Auch für dieses Gerät gibt’s bei Pro-Ject 25 Jahre lang Ersatzteile!

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