Testbericht

T-Mobile MDA Compact IV

8.7.2008 von Redaktion connect und Bernd Theiss

Der HTC Touch Diamond - der uns T-Mobile-Version MDA Compact IV zum Test zur Verfügung stand - gibt uns einen Ausblick auf die generelle Entwicklung dieser Produktgruppe. Vom Format erinnert er zwar mehr als die meisten PDA-Phones an ein Candy-Bar-Handy. Doch von der technischen Basis her bietet er bestmögliche Voraussetzungen, um als Tor zum echten Internet zu fungieren.

ca. 3:30 Min
Testbericht
Testbericht T-Mobile MDA Compact IV
Testbericht T-Mobile MDA Compact IV
© Archiv

Das fängt bei der Funktechnik an. Ob WLAN, HSDPA, EDGE oder GPRS: Der MDA Compact IV nutzt immer den schnellsten Weg ins Web. Selbst das zügige Hochladen von Information ist dank HSUPA in rasanter Geschwindigkeit möglich; diese Vollausstattung boten bisher nur größere Geräte.

Abgerundet wird das Angebot an Luftschnittstellen durch Bluetooth, das neben Essenziellem wie Headset- und Handsfree-Profil für Kopfhörer und Freisprecheinrichtung auch SIM-Access für den Einsatz im Auto und A2DP für die drahtlose Verbindung zu einem Stereohörer auf der Feature-Liste hat.

Etwas schwach ist es um andere Schnittstellen bestellt. Klar, das USB-Kabel zur Datensynchronisation liegt bei. Dass keine Dockingstation zum Lieferumfang gehört, ist bei PDA-Phones schon genauso normal wie der Verzicht auf die Infrarot-Schnittstelle. Doch dass kein Speicherkarten-Sockel vorhanden ist, wird zumindest ambitionierte Fotografen ärgern.

Was böte sich schließlich mehr an, als die mit der digitalen Spiegelreflexkamera geschossenen Bilder per Speicherkarte dem Compact IV zuzuführen und diese dann mit 1,45 Mbit/s über HSUPA zu verteilen? Da hilft auch der Hinweis auf die interne, 3,2 Megapixel starke Autofokuskamera ohne eingebaute Zusatzlichtquelle nicht, obwohl sie unter guten Bedingungen ordentliche Bilder liefert.

Speicherriese mit GPS-Empfänger

Wer die Speicherkarte nicht zum Datenaustausch braucht, kommt aber in aller Regel auch ohne Steckplatz aus, schließlich steckt Flash-Speicher mit 3,8 Gigabyte im Gerät. Das reicht für etliche Stunden Musik und Videos, die übliche Europakarten-Zusammenstellung für die Navigation und noch unzählige Office-Dokumente obendrauf. Apropos Navigation: GPS haben Compact IV und andere Touch-Diamond-Ausführungen auch eingebaut.

Doch D/A/CH- oder Europa-Kartenmaterial liefert keiner der Netzbetreiber mit. Stattdessen gibt es Google Maps. Das lädt die Kartendaten aus dem Netz und nutzt zur Positionsbestimmung Mobilfunkzellen- und GPS-Informationen.

Wem beim Navigieren zu Fuß die erste Bestimmung der Satelliten-Flugbahnen zu lange dauert, der kann noch Quick-GPS aktivieren, das für knapp eine Woche alle Bahninfos auf einmal aus dem Internet lädt und so den Start beschleunigt. In der Praxis ist die Kombination von GPS mit dem Karten-Service von Google für den Besuch fremder Städte ein echter Mehrwert.

Neben der bisher erwähnten, im Wesentlichen sehr reichhaltigen Ausstattung spart HTC auch beim System nicht. Ein 528-MHz-Qualcomm-Prozessor mit 192 Megabyte RAM und 256 Megabyte ROM, von denen 118 frei verfügbar sind, sorgt für flotte Datenverarbeitung, nur das Starten aufwendiger Programme ist mitunter leicht verzögert.

Liest sich die Ausstattung bis hierher beeindruckend, so setzt das Display dem Ganzen die Krone auf: Mit 640 x 480 Pixeln (VGA) bei 2,8 Zoll Diagonale bietet es mehr Auflösung pro Fläche als jedes andere uns bekannte Display. Mancher Redakteur meinte da gar, dass die Anzeige mehr darstellen kann, als seine Augen sehen.

Bei der Technologie fiel die Wahl wie so oft auf transmissive Technik. Hohem Kontrast in Innenräumen steht so eine schlechte Ablesbarkeit im prallen Sonnenlicht gegenüber. Prall ist denn unterm Strich auch das richtige Synonym für das Ausstattungspaket: Die 152 Punkte des T-Mobile MDA Compact IV überschreitet nicht mal eine Handvoll PDA-Phones.

Strapazierter Akku

Doch an einer Stelle haben die Erbauer auch gespart: am Akku. Der ist, wohl um Gewicht und Volumen zu senken, mit 924 Milliamperestunden (mAh) der kleinste Stromspender aller PDA-Phones aus der connect-Bestenliste. Werte oberhalb von 1100 mAh sind hier eher die Regel als die Ausnahme.

Beim MDA Compact IV macht sich das in der Ausdauer deutlich bemerkbar: Mit typischen fünf Stunden im Betriebsmix, die bei UMTS-Telefonie auf knapp zweieinhalb Stunden abfallen, ist er in dieser Disziplin sehr schwach. Damit wendet sich das Touch-Diamond-Derivat nicht an Power-User.

Im normalen Einsatz und mit einer Pause an der Steckdose alle ein bis zwei Tage kam es im praktischen Teil der connect-Tests zwar nicht zu Situationen, in denen der Tester am Ende des Tages auf wichtige Telefonate verzichten musste. Ein wenig mehr Umsicht war aber schon vonnöten.

Messtechniker sind zufrieden

Wer diese Aufmerksamkeit aufbringt, bekommt eines der kleinsten und leichtesten PDA-Phones überhaupt, das neben der Ausstattung auch bei den funktechnischen Prüfungen im Labor gute Leistung zeigte. Tonal könnte sich der MDA Compact IV zwar besonders in Senderichtung etwas ausgeglichener präsentieren.

Doch unterm Strich sprechen die messtechnischen Leistungswerte dem kleinen Neuling ein gutes Zeugnis aus. Das Bedienkonzept wirkt gegenüber den Vorgängern aus dem Touch-Lager ein wenig konservativer, auch wünscht man sich in Teilbereichen wie der Aktivierung des Flugmodus eine einfachere Lösung. Doch dafür ist der neue Touch ein echter Allrounder.

Wer eine Tastatur vermisst, sollte noch ein wenig warten: Im Kürze kommt der MDA Vario VI, der die Technik des Compact IV mit einem QWERTZ-Keyboard paart - und dabei nur geringfügig an Bauhöhe zulegt.

Mit dem Formfaktor von Handys und einer Ausstattungliste wie aus kühnen Träumen inklusive VGA-Display setzt der T-Mobile Compact IV neue Maßstäbe, mit der geringen Ausdauer muss der Besitzer leben können.

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