Tarif-Vergleich

Zahlen wir in Deutschland beim Datenvolumen drauf?

Das mobile Internet bestimmt unseren Alltag und das Geschäftsmodell der Netzbetreiber. Doch die zeigen sich hierzulande in puncto Datenmenge nicht besonders kulant. Da gibt’s im Ausland teils deutlich mehr fürs Geld.

Ärger mit dem Smartphone

© Tiko / Fotolia.com

Mobiles Datenvolumen ist in Deutschland vergleichsweise teuer.

Noch vor zehn Jahren waren Telefonate und SMS das Hauptgeschäft der deutschen Mobilfunker. Mittlerweile spülen Datendienste deutlich mehr Geld in die Kassen. Doch noch stärker als der Umsatz steigt der Datenverbrauch: Für 2016 prognostiziert der Branchenverband VATM ein Gesamtvolumen von 774 Millionen Gigabyte – und damit fast das Hundertfache wie vor zehn Jahren. Auch die Datenraten steigen: Schon jetzt laufen 51 Prozent des gesamten Datenverkehrs über die LTE-Netze der deutschen Netzbetreiber. Über die Landesgrenzen hinweg schreitet die LTE-Nutzung noch schneller voran: Laut Netzausrüster Ericsson soll in Europa und Nordamerika bis 2020 die durchschnittliche monatliche Datenmenge pro Smartphone von bisher 1,5 auf 6,5 Gigabyte wachsen.​

Dänemark: Datenflat für 15 Euro

Was die Tarife angeht, ziehen aber nicht alle am gleichen Strang: Laut der Studie „Digital Fuel Monitor“ der finnischen Beratungsfirma Rewheel, die international typische Smartphone-Verträge mit LTE-Zugang, SMS-Flat und mindestens 1000 Sprachminuten für maximal 30 Euro pro Monat verglichen hat, gibt es eklatante Unterschiede in Bezug auf die Datenofferten der Anbieter. Für knapp 20 Euro im Monat bekommt man in Frankreich im Durchschnitt 50 GB. Noch besser trifft’s die Dänen, Polen und Letten: Die zahlen für ihre unlimitierten Datenflats nicht mal 17 Euro pro Monat. Surfen bis zum Umfallen zum Dis​countpreis? Davon können Mobilfunkkunden in den USA nur träumen, die für 30 Euro pro Monat mit mageren 3 Gigabyte auskommen müssen. Auch in Deutschland zählt man mit 6 Gigabyte durchschnittlich pro Monat nicht gerade zu den Gewinnern. Anders beim Nachbarn Österreich: Für den gleichen Preis wie in Deutschland erhält man mit 20 GB mehr als das Dreifache an Inklusiv-Volumen.​

Mobilfunknetz 2016

© Dialog Consult / vatm Analysen und Prognosen

Der Datenverkehr aus Mobilfunknetzen steigt deutlich an.

Konkurrenzmangel in Deutschland 

Fragt man die deutschen Netzbetreiber, warum sie die Datenmenge so knapp halten, lautet deren Antwort meist: Wir passen uns dem Bedarf unserer Kunden an. Und der scheint vergleichsweise gering zu sein: Während in Finnland der Durchschnittskunde im Monat über 10 GB verbraucht, kommt der deutsche Surfer im Schnitt mit 510 Megabyte aus. Das liegt sicher auch am gut ausgebauten deutschen Festnetz: Die meisten Mobilfunkkunden surfen bei der Arbeit oder zu Hause übers WLAN. Was freilich passieren würde, wenn die Mobiltarife mehr hergeben würden, ist die andere Frage. Zumal die Angabe des Durchschnitts immer auch Wenignutzer und alte Verträge mit minimalem Datenvolumen beinhaltet.​

Zum anderen profitierten vor allem die Skandinavier in der Vergangenheit von hohen staatlichen Subventionen beim Netzausbau, was den Betreibern vor Ort emöglicht, mit Tiefstpreisen zu kalku​lieren. In diesen Genuss sind ihre deutschen Konkurrenten nicht gekommen, die zusätzlich zu den überteuerten UMTS-Lizenzen den Ausbau der nationalen Datenautobahn alleine stemmen müssen. Zur Refinanzierung der Milliardenbeträge sind sie auf zahlungswillige Kundschaft angewiesen.​

Gigabyte Nutzung

© Digital Fuel Monitor 2016

Deutschland hintendran bei Gigabytes: Während in Israel, Dänemark, Polen oder Finnland die Smartphone-Gemeinde für unter 30 Euro pro Monat unbegrenzt dem Surfspaß frönt, wird bei den deutschen Handykunden deutlich schneller die Datenbremse gezogen.

Doch das allein erklärt nicht das Missverhältnis: Denn auch andere Länder stecken jede Menge Geld in die Netzausrüstung und geizen trotzdem nicht mit Datenvolumen. Es liegt wohl eher am mangelnden Wettbewerb, der hierzulande herrscht: Seit der Fusion von E-Plus und O2 unter dem Dach der Telefónica Deutschland reduzierte sich die Anzahl der Netzbetreiber auf drei Unternehmen mit jeweils nahezu gleichem Marktanteil. Da fällt der Druck eher gering aus, dass einer der Konkurrenten deutlich aus dem Preisgefüge ausschert.​

In der Rolle sieht sich eher der Vielmarken-Betreiber Drillisch: Der hessische Mobilfunker hat sich bei der E-Plus-Übernahme bis zu 30 Prozent der Netzkapazität der deutschen Telefónica-Tochter gesichert und vertreibt derzeit munter LTE schon für unter zehn Euro pro Monat. Doch selbst bei dem offensiven Discounter sind für den Sparpreis nicht mehr als 2 Gigabyte monatlich drin. Der Blick ins Ausland zeigt, wer die digitalen Innovationstreiber sind – Deutschland gehört nicht dazu.​

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